Die Bond-Chroniken – Teil 1: 007 jagt Dr. No

Sean Connery & Ursula Andress jagen Dr. No

Ursula Andress steigt im weißen Bikini aus dem Wasser und Sean Connery sagt ihr, was zu tun ist. Ist der erste Film der James-Bond-Reihe gut gealtert? Und welche Rolle spielt er heute für das Film-Franchise? Im ersten Teil der Bond-Chroniken blicken wir auf „007 jagt Dr. No“ zurück.

 

Als „Dr. No“ am 8. Oktober 1962 erstmals in die Kinos kam, konnte noch niemand ahnen, dass sich daraus ein milliardenschweres Film-Franchise entwickeln würde. James Bond war zwar schon als Romanfigur bekannt, doch eine Fernsehverfilmung von 1954 floppte. Eine geplante Serie mit dem Titel „James Bond, Secret Agent“ landete daraufhin im Giftschrank. Ian Flemming, der vor seiner Autorenkarriere selbst Spion war, schuf den britischen Geheimagenten des MI6 und veröffentlichte 1953 mit „Casino Royale“ das erste Buch. Bis zu seinem Tod im Jahre 1964 folgten elf Romane und zwei Kurzgeschichtensammlungen, die bis heute reißenden Absatz finden. Es ist nicht verwunderlich, dass die Filmemacher acht Jahre später einen weiteren Anlauf mit Bond als Kinohelden wagten.

 

Sean Connery ist kein Bond-Enthusiast

 

Am 16. Januar 1962 begannen die Dreharbeiten zu „007 jagt Dr. No”. Ursprünglich war zwar eine Verfilmung des Bond-Romans „Feuerball“ geplant, aufgrund von Rechtsstreitigkeiten sattelte die Produktionsfirma Eon Productions aber auf „Dr. No“ um. Auch bei der Wahl für den Bond-Darsteller lief nicht alles nach Plan. Lange haben die Verantwortlichen gesucht, mit Roger Moore stand sogar ein späterer Bond-Darsteller zur Debatte. Letztendlich überzeugte Sean Connery. Dieser war aber kein allzu großer Bond-Enthusiast, wie er 1971 im Interview mit dem Guardian gestand: „I’ve only read two Bond books; I found Ian Fleming himself much more interesting than his writing.” Im Nachhinein kann Connery als gute Wahl bezeichnet werden. Das Complex Magazine kürte ihn 2015 zum Besten der sechs Bond-Darsteller.

 

Die Geschichte von “Dr. No“ ist simpel: James Bond soll nach Jamaika reisen, um den Mord am Station Chief des MI6 zu klären und die Quelle von Energiewellen zu ermitteln, die die Flugbahnen US-amerikanischer Raketen stören. Schnell findet er heraus, dass Dr. No – ein durchgeknallter Wissenschaftler, der sich aufgrund der Geringschätzung seiner Fähigkeiten rächen möchte – hinter allem steckt. „007 jagt Dr. No“ hat alles, was ein Agentenfilm der Sechziger Jahre haben muss: Einen größenwahnsinnigen Forscher, Sidekicks, die zuarbeiten, aber nicht an die Klasse des Protagonisten heranreichen und einen vermeintlichen Gentleman, der aus heutiger Sicht rückständige Rollenbilder vertritt. Damit ist er das Maß, an dem sich sowohl Kopien als auch Parodien noch heute orientieren.

 

Bevormundung und patriarchalisches Superheldentum

 

„007 jagt Dr. No“ war nicht nur für die daraus entstandene Kinoreihe, sondern für die komplette Filmwelt wegweisend. Es fängt mit Ursula Andress an, die im weißen Bikini aus dem Wasser steigt und Halle Berry damit 40 Jahre später eine Vorlage bietet, und hört längst nicht mit Sean Connerys cooler Vorstellung am Pokertisch auf: „Bond, James Bond!“ Wer nur die neueren Bond-Filme kennt, wird einige Aha-Effekte erleben. Denn „007 jagt Dr. No“ etablierte Elemente, die zu den ikonischen Markenzeichen der Reihe werden sollten: Das Intro mit der Titelmusik von John Barry und Monty Norman, in dem Bond auf die Lochkamera schießt, Miss Moneypenny als forsche Sekretärin von Bonds Chef M und natürlich Wodka-Martini – geschüttelt, nicht gerührt.

 

Der Film lässt sich losgelöst von der damaligen Zeit nicht mehr schauen. Bonds Umgang mit Frauen galt damals vielleicht als charmant, heute trieft er nur so vor Bevormundung und patriarchalischem Superheldentum. Honey Rider wird als unabhängige Frau eingeführt, die sich mit dem Verkauf von Muschelschalen selbstständig gemacht hat. Nahen die gefährlichen Schurken, wird ihr von Bond jedoch jegliche Handlungsfreiheit genommen. Er packt das schützenswerte Wesen grob am Arm, um es in die vermeintliche Sicherheit zu ziehen. Honey Rider lässt sich das gefallen. Schlimmer noch: Sie fühlt sich von so viel Männlichkeit angezogen und wird zur vierten Frau, mit der Bond innerhalb des Films anbandelt.

 

So erfolgreich wie „Der Morgen stirbt nie“

 

Bei Erscheinen 1962 waren Kritiker von der Buchverfilmung angetan. Die TIME schrieb: „Agent Bond, in short, is just a great big hairy marshmallow, but he sure does titillate the popular taste.” Mit einem Metascore von 78 ist „007 jagt Dr. No“ auch heute noch beliebt. Philip French vom Guardian resümierte in einer Nachbetrachtung von 2012: „’Dr. No’ is a modest thriller with a tough, stylish hero of some charm doing his job without the assistance of elaborate ordnance or eye-popping gadgetry.” Und auch an den Kinokassen lieferte er ab. Bei einem geringen Budget von 1,1 Millionen spielte er knapp 60 Millionen Dollar ein. Inflationsbereinigt entspricht das heute rund 450 Millionen Dollar. Ein Ergebnis, das auch „Der Morgen stirbt nie“ von 1997 geschafft hat.

 

„The story line is what the public want – the villain is eliminated, the Hero accomplishes his mission and everybody leaves the theatre happy“, fasste Nebendarstellerin Bettine Le Beau die Erfolgsformel von “007 jagt Dr. No” zusammen. Und tatsächlich ist es genau das, was den Film noch heute erträglich macht. Er ist ein Prototyp des Agentenfilms, aus dem heraus sich das ganze Genre entwickeln konnte. Ein Jahr später folgte mit „Liebesgrüße aus Moskau“ bereits der Nachfolger. Und darauf noch 22 weitere Fortsetzungen. James Bond war schon vor „007 jagt Dr. No“ ein bekannter Name in der Popkultur, aber erst mit diesem Film wurde er auf der ganzen Welt ein House-Hold-Name.

 

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