Die Bond-Chroniken – Teil 2: Liebesgrüße aus Moskau

Bond und die Damen: Liebesgrüße aus Moskau

Sequels sind selten besser als ihre Vorgänger. James Bond stellt mit seiner Reise im Orient Express eine Ausnahme dar. Im zweiten Teil der Bond-Chroniken blicken wir auf “Liebesgrüße aus Moskau” zurück.

 

Nachdem „007 jagt Dr. No“ sowohl inhaltlich als auch finanziell ein Erfolg war, stand der Verfilmung eines weiteren Ian-Fleming-Werks nichts mehr im Wege. Am 10. Oktober 1963 – also ziemlich genau ein Jahr später – feierte „Liebesgrüße aus Moskau“ in London Premiere. Terence Young führte erneut Regie und Sean Connery schlüpfte das zweite Mal in Anzug und Fliege. Mit 79 Millionen nahm der Film fast 20 Millionen Dollar mehr als „Dr. No“ ein, in den Ranglisten der besten Bond-Streifen belegt er Höchstplatzierungen und das Bild, das Kinofans bis heute von James Bond haben, manifestierte sich.

 

Ein angenehm nüchternes Gefühl

 

James Bond wird nach Istanbul geschickt, um aus dem sowjetischen Konsulat eine Dechiffriermaschine zu stehlen. Als Informantin steht ihm die Konsulatsangestellte Tatiana Romanova (gespielt von Daniela Bianchi) zur Seite. Was beide nicht wissen, Romanova wird wiederum von der Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. manipuliert, da diese Bond für den Tod ihres Mitglieds Dr. No in eine Falle locken möchten. Doch keine noch so fiese Falle ist für einen Agenten des MI6 ein Problem. Zusammen mit Romanova und seiner Beute flüchtet Bond im Orient-Express nach Jugoslawien.

 

Allein die Kulisse verleiht dem Film einen ernsteren Ton als es noch bei seinem Vorgänger der Fall war. Wo in „007 jagt Dr. No“ karibische Strände und Sonne dominierten, wird in „Liebesgrüße aus Moskau“ die zweite Hälfte des Films durch enge Zugabteile bestimmt. Das nimmt dem Film Lockerheit, verleiht ihm aber auch ein angenehm nüchterneres Gefühl. Die Gefahr wirkt unmittelbarer, da sich eine fahrende Bahn für den Zuschauer realistischer anfühlt als eine futuristisch gestaltete Forschungsanlage.

 

„This might take some time!“

 

Mit einem Aktenkoffer, der durch Scharfschützengewehr, Messer und Tränengas erweitert wurde, werden erstmals spektakuläre Spielzeuge aus der Q-Abteilung eingeführt. Denn die Figur James Bond und die Welt um sie herum erhält mit „Liebesgrüße aus Moskau“ weiteren Feinschliff. Im Guten wie im Negativen. „This might take some time“, sagt der Geheimagent ganz lässig, als er zwei willige Damen zugeschoben bekommt, und steigert damit den ekelhaften Chauvinismus, der in „007 jagt Dr. No“ bereits etabliert wurde.

 

Rund zwei Millionen Dollar soll der Film in der Produktion verschlungen haben. United Artists hatte nach dem Erfolg von „007 jagt Dr. No“ Vertrauen in das noch junge Filmfranchise, denn damit verdoppelte die Produktionsfirma das Budget. Die Bond-Macher verließen sich im Gegenzug nicht nur auf die mit Istanbul, Belgrad und Venedig umfangreicher ausgewählten Drehorte, sondern auch auf aufwändigere Bühnenbilder. 150.000 Dollar flossen allein in die Schachspielkulisse aus einer der Anfangsszenen.

 

Die Nachfolger müssen sich daran messen

 

„Sophisticated? Well, not really. But fast, smart, shrewdly directed and capably performed”, schrieb TIME 1964 in einer Kritik. Peter Bradshaw von The Guardian hatte den Film auch 48 Jahre nach Erscheinen noch positiv in Erinnerung: “It may seem grainy and fusty compared to the all-action tongue-in-cheek spectaculars that came later, but it’s the Bond closest to my heart.” „Liebesgrüße aus Moskau“ ist ein Bond-Meisterwerk, an dem sich die Nachfolger noch immer messen müssen. Nicht umsonst belegt der Streifen den zweiten Platz in einer vom Rolling Stone erstellten Rangliste der besten 007-Filme.

 

„Liebesgrüße aus Moskau“ beginnt mit einem Schocker. In der Eröffnungsszene bringt ein grimmiger Ganove James Bond zur Stecke. Schnell folgt die Auflösung, denn hierbei handelt es sich nicht um den echten Geheimagenten, sondern um ein Double, das in einem Training für Auftragskiller antreten muss. Die Sorge des Zuschauers war trotzdem groß. Mit seinem zweiten Film hatte sich 007 bereits zu einer Figur entwickelt, die die Menschen auf der ganzen Welt mochten. Und den Schwung nahmen die Macher mit. Schon ein Jahr nach „Liebesgrüße aus Moskau“ sollte „Goldfinger“ und damit für viele Fans der qualitative Zenit der Reihe erscheinen.

 

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