Videotext wird 40: Das erste Gefühl von Internet

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Hat der Videotext die Fernsehzeitschrift ersetzt?

Der deutschsprachige Videotext feiert 2020 seinen 40. Geburtstag. Wir erinnern uns an die 49 Bildzeilen ohne Informationen.

 

Kinder der Neunziger werden sich mit funkelnden Augen an den Video- beziehungsweise Teletext erinnern. In einer Zeit, in der Menschen das Internet noch Cyberspace nannten, versprühte die Technik einen Hauch von Zukunft. Die bunten Texte, die sich per Fernbedienung auf den TV-Bildschirm zaubern ließen, traten in Konkurrenz mit Programmzeitschriften und Tageszeitungen.

 

Ab Seite 500 geht‘s ins Dark Web

 

ZDF: Mit dem Zweiten sieht man besser

Informationen, die heute per Google erfragt werden, kamen damals durch eine dreistellige Zahlenkombination an die Interessierten. 100 war die Startseite, 110 führte zu den Nachrichten, 200 wies den Weg zum Sport und 300 spuckte das aktuelle Fernsehprogramm aus. Ab Seite 500 ging es ins „Dark Web“. Sex-Hotlines, zwielichtige Werbeanzeigen und Dating-Angebote schmissen sich bunt und blinkend an die Nutzer_innen.

 

Der Videotext funktioniert vor allem in der Kombination aus Schnelligkeit, Übersichtlichkeit, Verlässlichkeit und Präsentation“, erklärte Frauke Langguth – Leiterin ARD Text – 2010 in einem Interview zum 30-jährigen Jubiläum des Videotextes. Ihrer Meinung nach hat das Angebot noch immer eine Existenzberechtigung: „Die Teletext-Nutzung im qualitativen Bereich hat zugenommen, weil die Leute abends erst einmal im Videotext nachsehen, ob es sich überhaupt lohnt, überhaupt noch mal den Rechner anzuschmeißen.“

 

49 Bildzeilen ohne Informationen

 

Doch wie funktioniert die Technik hinter dem Videotext? Bei der europäischen PAL-Fernsehtechnik besteht das Bild aus 625 Zeilen, von denen nur 576 Bildinformationen enthalten. Britische Wissenschaftler fanden heraus, dass die 49 Bildzeilen ohne Informationen andere Elemente wie Text übertragen können. Diese sogenannten Austastlücken machten sich die Fernsehanstalten zu Nutze und führten in den siebziger Jahren den Videotext ein.

Auch ARD hat einen eigenen Videotext

Als erster Fernsehsender wagte sich die BBC 1973 an Testübertragungen. Die erste Version bestand aus 30 Seiten, wurde bis 1976 jedoch auf hundert erweitert. Außerhalb von Großbritannien zog als erstes Schweden nach. SVT begann dort 1979 mit Versuchsausstrahlungen. In Deutschland starteten ARD und ZDF 1980 eine gemeinsame Testphase ihres Videotextes. Zehn Jahre später ging der Regelbetrieb los.

 

10,4 Millionen Menschen bleiben treu

 

Mit dem Aufkommen des Internets hat der Videotext an Bedeutung verloren. 2016 nutzten in Deutschland 10,4 Millionen Menschen ab 14 Jahren den Dienst. 2006 waren es noch 17,07 Millionen. Das sind noch immer hohe Zahlen, weshalb der Videotext nicht auf einen Schlag verschwinden wird. Doch auf die Fernbedienung zu drücken, fällt schwerer, wenn sich in der anderen Hand das Smartphone befindet.

 

Der Videotext dient aber auch für andere Zwecke. Sender nutzen ihn, um Filme zu untertiteln, Tweets in Echtzeit einzublenden oder Hinweise zu kurzfristigen Programmänderungen einzusteuern. Die Fangemeinde scheint sogar so groß zu sein, dass ARD und ZDF Online-Versionen für die Browser-Nutzung anbieten. Im Jahr 2020 steht der Videotext kurz davor, Kult zu werden. Wenn das erst einmal passiert ist, wird er für immer bleiben.

 

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