Lang, kompliziert & dumm: Schlimme Videospielnamen

Der richtige Name ist für den Erfolg eines Videospiels nicht unwichtig. Dennoch gibt es Games mit Titeln wie „Freshly-Picked Tingle’s Rosy Rupeeland“.

 

Möchte man einschlägiger Marketingliteratur Glauben schenken, sollte ein guter Produktname einprägsam sein, dem Kunden vermitteln, worum es dem Hersteller beziehungsweise Publisher geht und als Marke schutzfähig sein. Eine vermeintlich einfache Formel, deren Lösung nicht allzu schwer sein sollte. Heute ikonische Spieletitel wie „Street Fighter“ oder „Command & Conquer“ haben es vorgemacht. Diese Namen sagen selbst Menschen mit längst vergilbten Erinnerungen an ihr Schulenglisch, was auf sie zukommt, wirken in ihrer Einfachheit dennoch komplex und als Marken durchsetzungsfähig. Trotzdem gibt es genügend Beispiele, bei denen man sich fragt, welches Kraut die Kreativen hinter den Kulissen geraucht haben müssen. Ob mit dem Finger auf den nächstbesten Begriff aus dem Wörterbuch gezeigt oder den Namensgenerator konsultiert, es gibt eine schier endlose Liste mit Videospielnamen, die Lacher und jede Menge Kopfschütteln erzeugen.

 

Viel zu laaaaaaaaaaaaaaaaaaaang

 

„Destiny“, „Halo“, „Doom“, „Portal“ – Spiele mit ein- bis maximal dreisilbigen Namen gibt es unzählige. Trotzdem schaffen es immer wieder Spiele auf den Markt, bei denen es ein Wunder ist, dass der Platz auf den Covern ausgereicht hat. Die Volleyball-Simulation Beach Spikers: Virtua Beach Volleyball von 2002 ist nicht nur lang, sie beinhaltet auch gleich zweimal den Begriff “Beach”. Zusätzlich zur Länge kommt bei Wizardry: Proving Grounds of the Mad Overlord, einem Rollenspiel aus dem Jahre 1981, eine für deutsche Zungen recht anspruchsvolle Aussprache hinzu. Zwar hat es einen deutschen Titel spendiert bekommen, das 2005 für den GameCube erschienene Baten Kaitos: Die Schwingen der Ewigkeit und der verlorene Ozean bricht trotzdem alle Längenrekorde. Und weil dieser Artikel Online und nicht in Printform veröffentlicht wird, müssen die Wörter nicht gezählt werden. Zum Abschluss also noch einen viel zu langen Spieletitel: Norse by Norse West: The Return of the Lost Vikings.

 

Eigennamen, die niemand versteht

 

Wenn von „Legend Of Zelda“, „Super Mario“ oder „Kane & Lynch“ die Rede ist, gibt es genaue Vorstellungen davon, was auf dem Bildschirm passiert. Die Namen haben sich etabliert. Wenn ein Titel wie Jade Cocoon: Die Tamamayu Legende genannt wird, ist hingegen niemand scharf auf das Anspielen. Denn was glaubt ihr, worum es sich hierbei handelt? Falsch, die gute Jade ist die Protagonistin eines japanischen Rollenspiels. Der 1996 veröffentlichte First-Person-Shooter Krazy Ivan klingt wie ein Scherz, den niemand versteht. Richtig absurd wird es mit P.N.03, das – Achtung – für „Projekt Nummer 3“ stehen soll.

 

In Deutschland funktioniert das einfach nicht

 

Es gibt Titel, die hierzulande einfach nicht den gleichen Effekt haben, wie im Rest der Welt. Weil die beinhalteten Begriffe bei uns anders belegt sind oder für deutsche Ohren uncool klingen. Ein paar Beispiele gefällig? Im Third-Person-Shooter Advent Rising wird es genauso wenig vorweihnachtlich wie es sich im 1982 erschienenen Shoot’em Up Robotron: 2084 um eine Sci-Fi-Version des Elektrotechnikherstellers aus der DDR handelt. Dann gibt es Titel, die irgendwie deutsch sind oder zumindest so klingen, auf einer Videospielverpackung aber merkwürdig wirken. Ja, ich meine euch liebe Wachenröder, Langrisser, Yager, Hexen und Ehrgeiz.

 

0815 ist die Vorwahl dieses Spiels

 

Bitte nicht falsch verstehen, Titel wie „God of War”, “Battlefield” oder “Call of Duty“ verdienen keinen Award für besonders kreative Namensfindung. Ihren Zweck erfüllen sie aber. Sie sind einfach und liefern einen gewissen Eindruck von dem, was der Spieler zu erwarten hat. Doch was ist mit einem Titel wie Strike Suit Zero? Das Spiel könnte auch „Zero Strike Suit“ oder „Strike Zero Suit“ heißen und es würde keinen Unterschied machen. Ebenso egal sind Namen, die weder einzigartig noch aussagekräftig sind: Second Sight zum Beispiel. Oder Last Hope. Oder Jump Ultimate Stars. Bestimmt tolle Spiele, ihre Namen sind es jedenfalls nicht. Ganz schlimm wird es, wenn wir uns die Namen von Rennspielen anschauen. Hier scheinen die Kreativbomben nur so zu platzen. Anders sind Titel wie Super Cars, World Racing oder Fast Racing Neo nicht zu erklären.

 

Titel wie Zungenbrecher

 

Zum Glück können Videospiele mittlerweile über das Internet bezogen und müssen nicht mehr im Einzelhandel angefragt werden. Wie viele Menschen würden sich im Media Markt nach dem Nintendo-DS-Spiel Freshly-Picked Tingle’s Rosy Rupeeland oder dem PlayStation-2-Titel Tokobot Plus: Mysteries of the Karakuri erkundigen wollen? Selbst vermeintlich einfache Titel wie Murdered: Soul Suspect oder Chivalry: Medieval Warfare machen beim Aussprechen Probleme. Und was ist mit Spielenamen, die kurz und knapp wirken, sich aber als echte Problemtitel entpuppen? Pandemonium, Faxanadu und Thexder lassen grüßen. Und zum Abschluss noch eine kleine Denkaufgabe: Wie spricht man das Survival-MMOG H1Z1 aus? Na?

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  1. Nintendo: N-E-S oder Ness – so spricht man es richtig aus! – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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