Mein USA-Tagebuch: Santa Cruz (Teil 4)

Im September 2016 bin ich drei Wochen durch die USA gereist: Burlingame, San Francisco, Santa Cruz, Monterey, Pismo Beach, Los Angeles, Hawaii, New York. In meinem USA-Tagebuch erzähle und zeige ich euch, was ich alles erlebt habe. Von Segnungen in hawaiianischen Sandwichläden bis zu 163-Dollar-Rechnungen in New Yorker Sportkneipen lasse ich nichts aus – jeden Samstag gibt es eine neue Ausgabe meines USA-Reiseberichts!

 

auf dem Highway 85 Richtung San José

Meine Autoreise von Norden nach Süden entlang der Westküste ging mit einer Tagesstrecke von Burlingame bis nach Monterey, die rund 100 Meilen – also 160 Kilometer – lang ist, weiter. Laut Google Maps braucht man dafür mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 60 Meilen pro Stunde rund 120 Minuten. Sich nach dem Frühstück also in Burlingame aufzumachen und den direkten Weg in das 28.000-Einwohner-Städtchen Monterey zu nehmen, war völliger Quatsch. Mit „Huren, Hurensöhne, Kuppler, Stromer und Spieler“ beschrieb John Steinbeck die Hauptfiguren in seinem Roman „Die Straße der Ölsardinen“, welcher in Monterey spielt, nicht gerade einladend. Ein weiterer Grund die Ankunft in der Stadt, die sich selbst als die erste Stadt Kaliforniens bezeichnet, hinauszuzögern. Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass auf halber Strecke das Surfer-Mekka Santa Cruz liegt. Der perfekte Ort, um einen sommerlichen September-Tag zu verbringen und nach dem „Gehetze“ in San Francisco endlich ein Gefühl von „Californication“ zu erleben.

 

Santa Cruz‘ Party-Meile King Street

Nachdem ich in San José den Highway 85 verlassen konnte, wurde auch die städtisch geprägte Strecke durch eine schicke Naturlandschaft ersetzt. Und das war gut so, denn das Auge fährt bekanntlich mit. Einmal quer durch den Lexington Reservoir County Park, an den Lexington Hills vorbei und dann immer weiter durch kleine Dörfer, deren Namen klingen, als würden sie aus dem Kleinstadt-Namensgenerator stammen. In Santa Cruz angekommen, parkte ich in der King Street. Spoiler: Später sollte ich erfahren, dass die King Street für ihre wilden Studentenpartys berühmt berüchtigt zu sein scheint. Auch diesmal ging ich nach der San-Francisco-Taktik vor und lief einfach mal los. Immer Richtung Küste spann ich mir einen sinnvollen Weg zusammen. Außerdem ist Santa Cruz mit seinen 55.000 Einwohnern ein überschaubarer Ort, an dem man zu Fuß noch etwas erreichen kann. Hier sind meine Beine noch etwas wert und der ständig in der Luft liegende Grasgeruch gab mir zusätzliche Energie. Auf der Pacific Avenue wurde ich von einer netten jungen Dame an einem Touristeninformationsstand sofort als Urlauber identifiziert. Sie versorgte mich mit dem heißesten Tratsch rund um Santa Cruz: Hier wurde angeblich das Surfen erfunden, hier hatte ein bekannter Surf-Champ einen so heftigen Unfall, dass er von da an eine Augenklappe tragen musste und hier – ihr Finger deutete auf der Karte Richtung King Street – finden die heißesten Hauspartys statt.

 

Vergnügungspark auf dem Beach Broadwalk

Eine halbe Stunde später setzte ich meine Erkundungstour durch das saisonal bedingt wie ausgestorben wirkende Städtchen fort und fragte mich, wie es hier wohl ist, wenn die von der Touri-Dame beschriebenen Studenten-Partys in vollem Gange sind. Ich orientierte mich nicht an der Sonne, sondern am San Lorenzo River und ruckzuck war ich am Meer und somit an den unfassbar schönen, sauberen und leeren Stränden von Santa Cruz. Wobei die von mir besuchten Strände in den USA allgemein sauber, schön und eben Mitte/Ende September sehr leer waren. Leider war der älteste Vergnügungspark Kaliforniens auf dem Beach Boardwalk, der mit Sky Glider, Riesenrad, WipeOut und Cave Train ein paar Disney-Park würdige Attraktionen bietet, geschlossen und machte somit in der einsamen Szenerie einen verflucht surrealen Eindruck. Hier hätte man „Surf Nazis Must Die“ drehen können. Schade, denn durch die direkte Lage am Strand konnte ich mir sehr gut vorstellen, was in Santa Cruz abgeht, wenn die rund 18.000 eingeschriebenen Studenten der Kunst-, Human-, Sozial-, Natur- und Ingenieurswissenschaften Semesterende feiern. Wenigstens war die benachbarte Arcade-Halle geöffnet, in der ich mich für zehn Dollar an ein paar aktuelleren und älteren Spielautomaten austobte. Unter anderem kam ich in den Genuss des legendären Star-Wars-Weltraum-Shooters von 1983, der zuletzt von der Retro Gamer zum besten Star-Wars-Spiel aller Zeiten gewählt wurde.

 

der 800 m lange Municipal Wharf

Nach Bier, Pommes und Burritos besuchte ich den Municipal Wharf. Weit über 800 Meter lang und mit dutzenden Shops und Restaurants bestückt, haben sich auch an diesem Kai große Seelöwenkolonien angesiedelt. Wie schon in San Francisco beobachtete ich die entspannten Dudes mit den lauten Organen eine Weile, bevor ich mich zurück auf den Weg zum Auto machte. Hier ist also Scott Weiland groß geworden, dachte ich mir und stellte das Navigationssystem auf Monterey ein. Santa Cruz ist ein wirklich tolles Städtchen, das ich irgendwann noch einmal besuchen werde, wenn (Party-)Saison und dadurch etwas mehr los ist. Denn die ansprechende Kulisse kenne ich nun, das Schauspiel würde ich aber auch noch gerne sehen. In meinem Hotel in Monterey angekommen, beendete ich den Tag ganz unspektakulär mit einem Vesper aus dem örtlichen Supermarkt. Leider ist Brotzeit in den USA teurer als Fast Food. Wobei ich vielleicht dazu sagen muss, dass ich statt eines verhältnismäßig billigen Walmarts einen Superfood-Bio-Highclass-Öko-Einkaufsmarkt erwischt habe. Denn man kann über die Amerikaner sagen, was man möchte, wenn sie es darauf anlegen, können sie in Sachen Essen so richtig gesund und hochwertig.

 

Galerie: Impressionen von Santa Cruz

 

Im fünften Teil fahre ich den Highway 1 direkt an der Pazifikküste entlang, esse gemeinsam mit den Cheerleadern der Pismo Beach Bearcats Sandwiches und beschatte reiche Menschen in Carmel-by-the-Sea.

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  1. Mein USA-Tagebuch: San Francisco (Teil 3) – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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