Mein USA-Tagebuch: Burlingame (Teil 2)

Im September 2016 bin ich drei Wochen durch die USA gereist: Burlingame, San Francisco, Santa Cruz, Monterey, Pismo Beach, Los Angeles, Hawaii, New York. In meinem USA-Tagebuch erzähle und zeige ich euch, was ich alles erlebt habe. Von Segnungen in hawaiianischen Sandwichläden bis zu 163-Dollar-Rechnungen in New Yorker Sportkneipen lasse ich nichts aus – jeden Samstag gibt es eine neue Ausgabe meines USA-Reiseberichts!

 

In den USA durch den Sicherheits-Check zu kommen, könne sehr, sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, warnten mich Familie und Freunde im Vorfeld. Da könnten angeblich zwei bis drei Stunden locker draufgehen. Pustekuchen! Ich stand nach einer Stunde mit Gepäck und guter Laune am Schalter meines Mietwagenanbieters und führte das erste richtige Gespräch mit einem USA-Menschen. Warren hieß der schon nah an die Rente herankommende Wächter über die Autoschlüssel und Navigationssysteme. Nachdem er mir noch schnell eine Zusatzversicherung für den Pannenfall aufschwatzte, die ich – Achtung Spoiler – während der kompletten Reise natürlich nicht in Anspruch nehmen musste, stieg ich in meinen schwarzen Dodge. Schicke Karre, redete ich mir ein und prüfte zu allererst, ob ich meinen mp3-Player anschließen kann oder auf CDs zurückgreifen muss. Für letzteren Fall hatte ich genügend handverlesene Musik auf Rohlinge gebrannt. Beides wäre möglich gewesen. So planen Reiseprofis, meine lieben Leser!

 

Mit deutschsprachigem Gangsta-Rap rollte ich aus der Garage des Autovermieters und nahm erfolgreich meine ersten Meter auf einem amerikanischen Highway. Hier herrscht ja absolutes Chaos, dachte ich mir, und wünschte mich auf die deutschen Autobahnen zurück, auf denen noch der das Sagen hat, der mit dem schnellsten Fahrzeug lichthupend angebraust kommt. Ich wurde links und rechts überholt, Blinker kamen seltener zum Einsatz als der zweite Torwart eines Bundesligisten und ein Spurwechsel kam mir bei dieser Menge an Fahrzeugen wie das finale Level in „Frogger“ vor. Nach anfänglichem Unbehagen hatte ich mich jedoch recht schnell an den Verkehr gewöhnt. Was heißt gewöhnt, ich habe diesen Verkehr regelrecht zu mögen begonnen. Denn in all dem vermeintlichen Durcheinander steckt ziemlich viel Ordnung, die auf gegenseitiger Rücksichtnahme fußt. Geschwindigkeiten über 60 Meilen pro Stunde sind nicht erlaubt (Geschäftsmänner mit Protzkarren können hier also niemanden per Auffahrwahnsinn terrorisieren), statt Warteorgien an dauerroten Ampeln gibt es Stoppschilder (man gewöhnt sich schnell ans System, denn wer als Erster kam, darf auch als Erster fahren) und Fußgänger haben immer Vorrecht (das spontane Überqueren einer Straße birgt somit kaum Gefahrenpotential).

 

im Hotelzimmer erwartete mich ein Bestseller

Untergebracht war ich für die ersten zwei Tage der Reise in Burlingame – einem 30.000-Einwohner-Städtchen vor den Toren San Franciscos. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel nutzte ich die Chance und machte an einem Supermarkt halt. Ist man zum ersten Mal in einem anderen Land, wird auf einmal alles zum erwähnenswerten Highlight. Ihr werdet das in diesem Reisetagebuch noch zu Genüge feststellen. Snacks und Bud Light eingetütet und per Kreditkarte bezahlt – so machen das die Amis, wenn sie nach einem harten Arbeitstag nach Hause kommen. So habe ich das zumindest in 20 Jahren Dauerbeschallung durch Sitcoms gelernt und ich werde es ihnen in den nächsten Wochen gleichtun. Neben dem Supermarkt gab es einen riesigen Klamottenladen, der hierzulande mit H&M oder C&A oder R&L vergleichbar wäre. Zu meiner positiven Überraschung gab es dort riesige Mengen an Popkultur-T-Shirts, die Abbildungen von Superhelden, Musikern, Videospielen oder Serien zeigten. Wow, das, was bei uns in sogenannten „Geek Shops“ für den einen oder anderen Euro zu viel angeboten wird, hängt hier an der Stange eines mittelpreisigen Klamottendiscounters. Als wäre es völlig normal für ausgewachsene Menschen, ein Shirt mit der Fresse von Super Mario zu tragen. Ich habe mich erst einmal eingedeckt.

 

Im Hotel musste ich feststellen, dass das mit Chlor versetzte Leitungswasser in den USA ungenießbar ist. Von da an trank ich statt Wasser täglich vier Liter Diet Coke. Man gönnt sich ja sonst nix und außerdem ist Urlaub. Fünf Minuten unter der Dusche und das komplette Zimmer roch wie ein Hallenbad. Da half nur die Flucht nach draußen. Mittlerweile war es schon dunkel und der Magen knurrte. Burlingame, zeig mir deine Essensangebote! In einer rustikalen Sportsbar – und in den Staaten ist alles entweder eine Sportsbar oder ein Fast-Food-Lokal – verspeiste ich einen vegetarischen Burger. War in Ordnung. Nicht nur in Ordnung, sondern richtig, richtig gut, war am nächsten Morgen das Joggen an der Küste während des Sonnenaufgangs. Mein Weg führte vom Bayside Park zur Anza Lagoon bis in die Coyote Point Recreation Area. Um nicht zu vergessen, dass ich in Kalifornien bin, lieferten mir Mack 10, Ice Cube und Snoop Dogg den entsprechenden Sport-Soundtrack.

 

Galerie: Meine morgendliche Jogging-Runde

 

Im dritten Teil geht’s nach San Francisco, wo ich neben den typischen Sehenswürdigkeiten wie der Golden Gate Bridge oder dem Hafenviertel Fisherman’s Wharf auch eine Ausstellung über Stanley Kubrick besuche und am Pier 39 gegen Tauben kämpfe.

2 Comments

  1. Hier: „Von Segnungen in hawaiianischen Sandwichläden bis zu 163-Dollar-Rechnungen in New Yorker Sportkneipen lasse ich nichts aus“ hatte ich zunächst einen Freudschen Verleser, irgendwo habe ich „handjobs für 163 Dollar“ gelesen…

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  1. Mein USA-Tagebuch: Anreise (Teil 1) – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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