Weshalb habe ich das PietSmiet-Buch gelesen?!

Bisher konnte ich weder alle Mitglieder nennen, noch habe ich jemals eines ihrer Let’s Play gesehen. Die Frage ist also tatsächlich berechtigt: Weshalb habe ich das PietSmiet-Buch gelesen?

 

Let’s Plays sind so eine Sache. Bei den Internetnutzern scheinen sie beliebter zu sein als die neusten Pornos aus dem Hause Bang Bros., ihre Macher sind im Laufe der letzten fünf Jahre Stars mit TV-Auftritten und Live-Touren geworden und allein die fünf bekanntesten deutschen YouTube-Kanäle kommen zusammen auf 13 Millionen Abonnenten. Und das alles NUR mit Let’s Plays – also Videos, in denen man anderen Menschen dabei zusehen kann, wie sie Videospiele spielen. Bis heute hat sich mir die Faszination dahinter nicht erschlossen. Laut einer Umfrage von broadmark.de aus dem Jahre 2014 kann sich auch die Zielgruppe, die sich zum Großteil aus männlichen (71 %) Zuschauern zwischen 13 und 24 Jahren (90 %) zusammensetzt, ebenfalls nicht auf stichhaltige Gründe für das regelmäßige Schauen von Let’s Plays einigen. Die meisten Befragten gaben an, dass sie dies aus Unterhaltungsgründen oder weil sie den Let’s Player mögen, täten. Viel Aussagekraft haben solche Ergebnisse also nicht, denn davon gehe ich aus, wenn sich jemand durch die knapp 18.400 Videos schaut, die alleine auf den Kanälen der Let’s-Player-Gruppe PietSmiet bis Anfang November 2016 veröffentlicht wurden.

 

Die Popularität der fünf Herren von PietSmiet ist seit ihren ersten Let’s-Play-Videos von 2011 stetig gewachsen. Aktueller Stand sind über 1,5 Milliarden Klicks allein auf die Clips ihres Hauptkanals. Das sind unglaubliche Zahlen, die auch Unternehmen über die YouTube-Grenzen hinaus aufhorchen lassen. So freute sich der Knaur Verlag sicherlich einen Wolf, als dieser am 4. Oktober das erste Buch von PietSmiet veröffentlichen durfte. Denn wenn Peter und seine Mannen Br4mm3n, Chris, Jay und Sep das Buch nur einmal zwischen Headshot und Rohstoffsammelei erwähnen, können gar nicht genug Bäume gefällt werden, um ausreichend Papier für die Nachproduktion bereitzustellen. Und auch ich – der noch nie ein Let’s Play der Gruppe gesehen hat – war am von Christian Lütjens geschriebenen Buch „Total verzockt: Das PietSmiet 1 x 1“ interessiert. Warum nur? Vielleicht faszinieren mich die Jungs, weil sie Spaß beim Geldverdienen haben. Oder anders formuliert: PietSmiet haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. So habe ich mir möglicherweise erhofft, mit der Lektüre ihres – explizit nicht als Biographie angekündigten – Werkes Geheimnisse zu lüften, die auch mir bei der Erfüllung dieses Traumes helfen könnten.

 

Schon auf Seite 12 kam ich meinem Wunsch näher: „Die zehn goldenen PietSmiet-Gebote“ lautete die Überschrift. Im Fließtext hieß es dann: „Was bei uns geklappt hat, klappt bei anderen Let’s Playern vielleicht auch. Und dann klappt es bei den Zuschauern.“ Als Nichtzuschauer hätte ich mir eigentlich keine Hoffnungen machen müssen, aber darüber las ich einfach hinweg. Ganz so schlau bin ich nach dem Genuss der 200 Seiten, die mit knapp 10 Euro fair bepreist sind, zwar nicht geworden, die Faszination hinter dem Phänomen Let’s Play im Allgemeinen und PietSmiet im Speziellen kann ich aber deutlich besser nachvollziehen. Denn wenn ich nach dem Lesen einiger Seiten – was meist im Rahmen einer Klolektüre passierte – durch war, hatte ich riesige Lust selbst zu zocken. Klar, in einzelnen Kapiteln – im Buch Levels genannt – wird zwar kurz und knapp auf die Geschichte von YouTube, Let’s Plays und Videospielen eingegangen, Equipment-Tipps und goldene Regeln für Nachahmer bereitgestellt und der Stellenwert von eSports in Deutschland recht konstruktiv kritisiert, doch lehrreich ist das quietschbunt gelayoutete Buch keinesfalls. Stattdessen gibt es gewollt oberflächliche Abschnitte für Menschen, die in Shootern noch ein paar Tipps benötigen, auf der Suche nach dem nächsten Trash-Game sind oder eines der abgedruckten Rätselspiele spielen wollen.

 

„Das PietSmiet 1 x 1“ ist ohne größere Anstrengung an einem halben Nachmittag durchgelesen, gibt einem aber auch nie das Gefühl, dass es etwas Anderes als Edel-Merchandise für Zwischendurch sein möchte. Damit ist das Buch auch wirklich nur für Menschen geeignet, die sich als Fans bezeichnen würden. Oder als Schnittchen – wie es PietSmiet und ihre Zuschauer untereinander tun. Diese bekommen mit „Total verzockt“ eine kleine Zusammenfassung der letzten fünf Jahre plus ein paar Hintergrundinformationen wie beispielsweise die Gründe, weshalb PietSmiet das eine oder andere Spiel für die Aufnahmen ausgewählt haben. Zig Bilder aus den Privatarchiven der fünf Let’s Player runden das Fan… ähm… ich meine Schnittchen-Paket ab. Doch was konnte ich letztendlich aus diesem Taschenbuch mitnehmen? Ich kenne nun alle Mitglieder, von denen jeder ausführlich vorgestellt wird, habe diese als sympathische Jungs von nebenan abgespeichert und festgestellt, dass die Jugend des Landes ihre Zeit in schlechtere Typen investieren könnte. Nein, gefallen hat mir das Buch nicht, warum auch?! Deshalb über dieses Buch, zu dessen Zielgruppe ich einfach nicht gehöre, herzuziehen, wäre aber ziemlich unfair.

 

https://www.youtube.com/watch?v=kSf8UvZwFZU

3 Comments

  1. Guter Gedanke am Ende. Ich finde es furchtbar, wie manchmal von „Testern“ über Spiele hergezogen wird, weil die offensichtlich einfach nicht deren Geschmack treffen. Bei Retro und Remakes erlebt man so etwas besonders oft. Ich frage mich warum man einem nicht mal volljährigem Tester überhaupt etwas was aus den 80ern kommt gibt, wenn der offensichtlich kein Gefallen daran findet und eine 3 drunterknallt.

    Man kann nicht alles mögen, aber etwas was einem einfach nicht gefällt zerfetzen ist auch nicht toll und imo auch nicht sehr reif. Schön, wenn man so etwas einsieht und dann entsprechend distanziert herangehen kann.

    • Ja, so ist es. Und gerade bei dem PietSmiet-Buch ging es mir in dieser Hinsicht ganz extrem. Man sollte beim Bewerten von Produkten einfach nicht vergessen, ob man zur Zielgruppe gehört.

      • Japp. Faktoren wie das Alter können schon eine erhebliche Rolle spielen. Schreibe auch immer öfter, Kids hat es gefallen, mir war es zu leicht oder so Kram. Ich kann aber nicht von einem Spiel mit der Zielgruppe Kinder erwarten, dass das für mich Denksport wird und mir Herausforderungen bietet.

        Am schlimmsten finde ich es aber, wenn wirklich große Seiten mit zig Redakteuren dann ein RPG an jemanden geben, der eher bei Sport heimisch ist, obwohl es genug RPG-Spieler gäbe, denen man das Ding auf den Tisch legen könnte. Ka ob es da wichtiger ist, dass der Autor gerade frei ist und schneller ist, oder man bewusst damit auf Konfrontationskurs möchte … Wo auch immer die Gründe liegen, ich find es dämlich.

        Man kann ja auch ein Kinderbuch nicht schlecht werten, weil einem die Wortwahl zu einfach ist und einfachste Wörter zum Einsatz kommen. Sollte man jedenfalls nicht. 😀

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