Kurz & knapp #5: Love A, Donots, Halbe Brüder, Mortal Kombat X, Batman…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Sufjan Stevens, Audio88 & Yassin, Love A, Donots, Wiz Khalifa & Ty Dolla $ign, 257ers, Big Eyes, Halbe Brüder, Nur eine Stunde Ruhe!, Mortal Kombat X, MonsterBag, Toukiden: Kiwami, Batman, Guardians Of The Galaxy und die Justice League United.

 

Sufjan Stevens „Carrie & Lowell“

Wie aus dem Nichts erschien mit “Carrie & Lowell” vor einigen Wochen ein neues Album des musikalischen Alleskönners Sufjan Stevens. „I’m drawn to the blood / the flight of a one-winged dove“, heißt es in „Drawn To The Blood“ und beschreibt den verletzlichen Grundton, den diese Platte inne hat, recht passend. Statt elektronisch, laut oder gar hiphoppig, packt Sufjan Stevens wieder seine Akustikgitarre aus. Elf Singer-Songwriter-Stücke, die den Winter noch einmal zurückholen. Einen gutgelaunten Soundtrack für Philanthropen haben Audio88 & Yassin mit ihrem neusten Werk „Normaler Samt“ ebenfalls nicht erschaffen. Befürworter der beiden Rapper dürfte das freuen, denn statt ein 0815-Album mit Tracks für alle Geschmäcker abzuliefern, klatschen sie eben genau diese 0815-Platten der Konkurrenz gegen die Wand. Alle anderen Rapper sind Schmutz und weil die beiden Protagonisten das für sich entdeckt haben, wird ordentlich gegen Durchschnittlichkeit, Klischees und all den anderen Quatsch vorgegangen, den Rap heutzutage eigentlich nicht mehr nötig hat. Nicht nur für mich eine der Deutschrap-Platten des Jahres! Neu erfinden sich Love A mit ihrem dritten Album „Jagd und Hund“ nicht, aber zum Frühstück bleibt man ja auch bei Brötchen und Marmelade, statt sich an Experimente zu wagen. Jörkk Mechenbier singt energisch gegen Hipster, Ja-Sager und natürlich das System, bis sich die Verse von Hördurchgang zu Hördurchgang zum Schlachtgesang und die Refrains zu Ohrwürmern entwickeln. Deutsche Punk-Musik, die zwar auf den Punkt kommt, aber dafür rein textlich nicht den direktesten Weg geht. Die ganze Angelegenheit ist dabei zum Glück nicht gewollt anspruchsvoll, sondern angenehm clever. Wie man es von den beiden Vorgängeralben eben kennt. Die Donots veröffentlichten mit „Karacho“ nach 21 Jahren Bandgeschichte ihre erste rein deutschsprachige Platte. 14 Hymnen für alternde Jungspunde, die ihren nächtlichen Heimweg in Liedern auf dem mp3-Player messen. Ob in „Ich mach nicht mehr mit“ der entscheidende Schlussstrich vertont, in „Dann ohne mich“ der braunen Scheiße der Kampf angesagt oder in „Immer noch“ alter Liebe gehuldigt wird, in ihrer Muttersprache funktionieren die Ibbenbürener mindestens genauso gut. Und zum Abschluss noch zwei Tipps für Fans von kostenlosem HipHop: Wiz Khalifa & Ty Dolla $ign haben in Form von „Talk About It In The Morning“ eine 5-Track-EP zur freien Verfügung gestellt. Mit „Judge It“ und „Pretty Nights“ sind sogar zwei entspannte Hymnen für bevorstehende Grillabende dabei. Wer kein Geld in die Hand nehmen, aber mal bei den 257ers reinschnuppern möchte, hat mit der „Schrottmusik“-EP nun die Möglichkeit dazu. Neun Anspielpunkte, die ordentlich mit Spaß, Anarchie und Proletentum auf die Kacke hauen – Features von Favorite und Eko Fresh inklusive.

 

Big Eyes

Mit Big Eyes läuft in den deutschen Kinos ein kurzweiliges Biopic des Batman-Regisseurs Tim Burton. Der erfolglose Maler Walter Keane (erwartungsgemäß herrlich gespielt von Christoph Waltz) lernt seine Margaret (gemimt von Amy Adams) kennen, deren großäugigen Kinderbilder – im Vergleich zu seinen eigenen – hervorragend bei den Kunstkäufern ankommen. Walter gibt die Zeichnungen daraufhin als seine Schöpfungen aus. Ein handfester Streit um Urheberrecht und verdiente Dollar steht bevor. „Big Eyes“ ist kein Meisterwerk wie die Mona Lisa, dafür aber ein solides, schnell erzähltes Kinovergnügen, das unterhält wie die farbenfrohen Graffitis, die während der S-Bahn-Fahrt an einem vorbeirasen. Nachdem sido 2011 mit „Blutzbrüdaz“ sein Schauspieldebüt gab, ist er nun an der Seite von Fahri Yardim und Tedros „Was labberscht du?“ Teclebrhan in der Komödie Halbe Brüder zu sehen. Gemeinsam machen sich die drei Geschwister auf die Suche nach dem Erbe ihrer toten Mutter. So platt wie der Plot fallen teilweise auch die Gags aus, doch wirklich schlecht ist der Film trotzdem nicht. Im Gegenteil: Auf jeden plumpen Witz folgt auch ein ehrlicher Lacher. Und sido zeigt erneut, wie talentiert er sich mit seinem zweiten Standbein schlägt. Mitte April startete in Deutschland die französische Komödie Nur eine Stunde Ruhe! mit Asterix-Darsteller Christian Clavier. Jazz-Fan Michel versucht innerhalb des 79-Minuten-Films Zeit für das Hören seiner Lieblingsplatte zu finden, woran er jedoch durch feierwütige Nachbarn, verhängnisvolle Liebschaften, unfähige Handwerker und eine emotional stark belastete Familie gehindert wird. Was auf dem Papier wie ein dumpfer Kleinkatastrophenstreifen für die ganze Familie klingt, ist tatsächlich eine gut gespielte und inszenierte Überraschung des internationalen Kinofrühlings.

 

Mortal Kombat X

Bisher nicht auf dem Index gelandet, kann Mortal Kombat X (noch) für alle gängigen Plattformen (unter dem Ladentisch) gekauft werden. Und das lohnt sich durchaus, denn mit Online-Features wie dem motivationsstiftenden Fraktionssystem, einer fesselnd inszenierten Story und neuen spektakulären Kämpfern wie dem Psycho-Tag-Team Ferra/Torr oder der Insektendame D’Vorah, zeigt sich der zehnte Serienteil erneut von seiner brutalsten bis verstörensten Seite. Ein simples und dadurch leicht zu beherrschendes Kampfsystem und serientypisch brutale Fatalities werden Freunde der Reihe direkt in Earthrealm abholen. Die von mir getestete PS4-Version ist grafisch zwar kein Augenschmaus – gerade Regen- bzw. Wassereffekte machen keinen besonders guten Eindruck – doch die neuen X-Ray-Effekte bei den zurückgekehrten Brutalities geben dem Spiel einen zusätzlichen visuellen Kniff im Stile von „Sniper Elite“. Online zocken macht mir derzeit leider noch einige Probleme, da ich regelmäßig Schwierigkeiten habe, auf die Online-Server zu kommen. Für die PlayStation Vita erschien Anfang April das putzige Puzzle-/Adventure-Spiel MonsterBag. Ein kleines Wesen muss durch eine Menschenmenge zurück in den Rucksack seiner Besitzerin manövriert werden. In eine stylische Grafik verpackte Rätsel machen das Spiel zu einem Pausenfüller der Extraklasse. Bleiben wir auf der Vita, denn für Sonys kleinen Wunderkasten habe ich mir Toukiden: Kiwami besorgt – eine Art einsteigerfreundliche Version der komplexen „Monster Hunter“-Reihe. Man erstellt sich seinen eigenen Charakter und zieht mit Fern- oder Nahkampfwaffen gegen Oni-Monster in die Schlacht, um seine neue Wahlheimat Utakata zu verteidigen. Schnell verliert man sich in der Fantasy-Welt und ihrer Geschichte, die Parallelen zu „Attack On Titan“ aufweist. Hier und da musste ich mich zwar zwingen, nicht nur stupide auf die Gegner einzudreschen, unterschiedliche Möglichkeiten kleine und große Monster in die Knie zu zwingen, gibt es trotzdem genug. Mit rund 40 Stunden Spielzeit freue ich mich auf die nächsten Monate, denn jeden Tag ein, zwei Missionen sind perfekt für dieses japanische Game mit englischen Untertiteln. Das Spiel ist auch für die PlayStation 4 erhältlich.

 

Batman: Der Tod der Familie

Wer den ultimativen Terror des Jokers erleben möchte, ist mit dem neuen Comic-Band Batman: Der Tod der Familie richtig beraten. Der Verbrecherclown taucht nach einem Sabbatjahr wieder auf und giert nach Rache an Batman und seiner Heldenfamilie. Autoren-Superstar Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo setzen den Erzfeind des dunklen Ritters besonders fies in Szene und schaffen laut IGN damit eine der besten Storys in der langen Geschichte von Batman. Für mich persönlich der bisher beste Superheldencomic, den ich 2015 lesen konnte. Mit „Krieger des Alls“ steht der erste Teil einer neuen Reihe der Guardians Of The Galaxy in den Regalen deines Comichändlers. Original 2008 erschienen, inspirierte diese Serie die Geschichte des erfolgreichen Films. Etwas wirr erzählt, können sich Freunde des ungleichen Teams dennoch über eine spannende Story rund um die Universelle Kirche der Wahrheit freuen. Ebenfalls mit dabei sind die den Kinogängern vielleicht nicht bekannten Guardians-Mitglieder Adam Warlock und Quasar. Über DC Comics erschien passend zum aktuell veröffentlichten Videospiel Mortal Kombat X: Blood Ties. Erwartungsgemäß brutal und blutig visualisiert von den Zeichnern Dexter Soy und Veronica Gandini, werden die Geschehnisse vor dem zehnten Serienteil aufgearbeitet. Gerade wenn man Neuzugänge wie Takeda Takahashi, Kotal Kahn, Cassie Cage oder Jacqui Briggs besser kennenlernen möchte, ist dieses Autorendebüt von Schreiberling Shawn Kittelsen der richtige Lesestoff. „Blood Ties“ ist momentan nur als Import in englischer Sprache erhältlich. In Justice League United: Krise auf Rann erzählt Autor Jeff Lemire mit den Bildern von Zeichner Mike McKone die Origins-Geschichte rund um das Team bestehend aus Martian Manhunter, Animal Man, Stargirl, Adam Strange, Green Arrow und Supergirl. In Band 1 kämpft die wild zusammengewürfelte Gruppe gegen eine lebendige Kriegsmaschine aus dem All und zu allem Überfluss mischt auch der Kopfgeldjäger Lobo mit. Ein gelungener Startschuss einer neuen Serie, die leider erst Mitte September ihre Fortsetzung bekommen wird.

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