Kurz & knapp #9: K.I.Z., Nils Frahm, We Are Your Friends, Ant-Man, Wolverine…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Bonaparte, K.I.Z., Fatoni, Nils Frahm, Advanced Enemy, Unbreakable Kimmy Schmidt, Nina Simone, We Are Your Friends, Ant-Man, Wolverine, Batman, Star-Lord, Attack On Titan, Fantastic Four und Deadpool.

 

K.I.Z. „Hurra die Welt geht unter“

Die Berliner „Visual Trash Punker“ Bonaparte rund um ihren Frontmann Tobias Jundt haben den Soundtrack zur Buchverfilmung „Becks letzter Sommer“ beigesteuert. Wer beim Schauen des Films die von Hauptfigur Rauli interpretierten rotzigen Rocknummern besonders mochte, wird von der zweiten Hälfte des Albums – die aus reichlich entspannten Instrumentalstücken besteht – etwas gelangweilt sein. Abgehsongs für das bessere Abifest („Whistleblower“), süße unschuldige Gitarrenmusik („Chocolate Bears“) oder melancholische Außenseitermucke („Like An Umlaut In English“) stehen dann doch im krassen Kontrast zu den rein instrumentalen Liedern, die am Ende des Tages eben nicht im gleichen Maße begeistern können. Dennoch hat Jundt hier eine musikalische Reise durch den Film geschaffen, die in dieser Qualität für eine deutsche Kinoproduktion dieses Kalibers nicht selbstverständlich ist. Was vor genau 10 Jahren mit „DasRapDeutschlandKettensägenMassaker“ begann, findet mit „Hurra die Welt geht unter“ nun seinen vorläufigen künstlerischen Höhepunkt. K.I.Z. sind zurück und liefern mit den 13 neuen Tracks ihres fünften Studioalbums detaillierte Beschreibungen menschlicher Abgründe und allem anderen, was in dieser von Geld, Machtgier, sexueller Ausbeutung und Fremdenfeindlichkeit geprägten Welt schiefläuft. Sei es die Partykamikazenummer „Ehrenlos“, das aus der Sicht eines verkorksten Kindes geschriebene „Käfigbett“ oder der vertonte Hass auf Asylgegner „Boom Boom Boom“ – das alles ist harter in Ohrwurmrefrains gewickelter Stoff, der im erlösenden und schlussendlich auch nachvollziehbaren Titeltrack „Hurra die Welt geht unter“ mündet. Grandiose Platte mit ordentlich Substanz. Zum Abschluss noch drei kostenlose Tipps für den Download-Ordner: Rapper Fatoni hat mit der „C’mon! EP“ sechs clevere Tracks veröffentlicht, die den Kopf zum nicken und gleichzeitig zum mitdenken bringen. Acht traurigschöne Pianostücke hat der deutsche Komponist Nils Frahm im Rahmen seines neuen Albums „solo“ zum herunterladen bereitgestellt. Unaufgeregt spielt er sich durch entspannte Lieder, die – so platt es auch klingen mag – zum wehmütigen träumen einladen. Und die vier Berliner von Advanced Enemy haben mit „Run The Späti“ eine schnieke EP herausgebracht, deren Name Programm ist: Vier Tracks für den nächtlichen Bierkauf auf Beats von „Run The Jewels.“.

 

Unbreakable Kimmy Schmidt

Mit der Comedy-Serie Unbreakable Kimmy Schmidt meldet sich „30 Rock“-Schöpferin Tina Fey zurück. Die 13 Episoden der ersten Staffel drehen sich um die 29-jährige Kimmy Schmidt, die ihr halbes Leben – einer Sekte geschuldet – abgeschottet von der Außenwelt in einem unterirdischen Bunker verbringen musste. Zu Beginn der Pilotfolge wird sie aus ihrem Gefängnis befreit und erkundet fortan auf sympathisch naive Art und Weise ein New York, das sie so zwar nicht kennt, an dem sie aber auch nicht zerbrechen möchte. Glücklicherweise konzentriert sich „Unbreakable Kimmy Schmidt“ mit der titelgebenden Protagonisten, ihrem Mitbewohner Titus, ihrer Vermieterin Lilian und ihrer Arbeitgeberin Jacqueline nur auf wenige Figuren, was den hervorragenden Darstellern genügend Raum für die teilweise wirklich frischen Gags bietet. Qualität, die dem Ruf von Frau Fey gerecht wird. Ende Juni erschien mit What Happend, Miss Simone? über den Streaming-Dienst Netflix eine Dokumentation, die das Leben der legendären Jazzsängerin und Pianistin Nina Simone beleuchtet. Dabei wird anhand eindrucksvoller Archivaufnahmen und zig Interviews mit alten Wegbegleitern ihre Entwicklung als Künstlerin ebenso wie die Motivation ihres Engagements für die US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung behandelt. Regisseurin Liz Garbus legte besonderen Wert darauf, dass die Musikerin und ihre Entscheidungen nicht durchweg heilig gesprochen, sondern auch die Schattenseiten ihres Tuns ausführlich und nachvollziehbar thematisiert werden. Nina Simone war eine interessante Frau mit einem bewegten Leben, der mit dieser Doku ein gebührendes Denkmal gesetzt wurde.

 

We Are Your Friends

Der 33-jährige Dokumentar- und Kurzfilmer Max Joseph gibt mit dem Elektromusikfilm We Are Your Friends sein Regiedebüt auf den großen Kinoleinwänden. Inhaltlich grast der Film ein erstmal durchaus interessantes Thema ab: Der talentierte aber dennoch schwer hustlende DJ Cole Carter (gespielt von Teenie-Star Zac Efron) versucht gemeinsam mit seinen Freunden den Durchbruch in Form eines sorglosen Lebens zu schaffen. Cole führt dies zum Promi-DJ James Reed, der das Können des Nachwuchsmusikers erkennt und ihn kurzerhand unter seine Fittiche nimmt. Alles könnte so gut laufen, wären da nicht die verführerische Freundin des Mentors, Drogen, Alkohol und allerlei Alltagsprobleme, die die Generation Skrillex zwischen Wochenend-Rave und Bürojob eben so hat. „We Are Your Friends“ dreht an den bewährten Schrauben, die ein massentauglicher Film dieser Größe braucht, geht dabei – abgesehen von ein paar coolen visuellen Ideen – also keine besonders mutigen Wege. Der Film möchte so tiefgründig sein, dass auch Martina und ihre Freundinnen aus der 10b noch Gänsehaut bekommen. Eine schlechte Voraussetzung für anspruchsvolles Kino, das sich mit Elektro auch noch ein musikalisches Genre herausgepickt hat, dessen Vertreter sicherlich besonders kritisch an die Sache herangehen werden. Die Elektroheads dieser Welt kotzen wahrscheinlich im Strahl, wenn Zac Efron pathosgetränkt erklärt, was einen guten Elektro-DJ ausmacht. Alles in allem trotzdem kein schlechter, vom Unterhaltungswert jedoch absolut durchschnittlicher Film.

 

Der Tod von Wolverine

Die Vorgeschichte zum neuen Marvel-Blockbuster Ant-Man gibt es jetzt für 4,99 Euro im Comichandel. Ein stolzer Preis für einen kurzen Lesespaß, in dem Hank Pym – der erste Ameisenmann – experimentierfreudigen Kommunisten ordentliche Schellen verpasst. Dieses Heft ist wirklich nur etwas für beinharte Fans, die den Film schon zweimal gesehen haben. Bitter läuft es für den beliebtesten aller X-Men in seiner neuen zweiteiligen Serie „Der Tod von Wolverine“. Kurz und knapp wird auf 68 Seiten im ersten Band der Reihe die Geschichte ins Rollen gebracht, deren Finale Ende August sicherlich nicht allzu überraschend sein wird. Pures Event-Comic, das bei diesem grandiosen Preisleistungsverhältnis unbedingt mitgenommen werden muss. Für Ausgabe 39 der monatlichen Hauptreihe von Batman ist das Stammautoren/-zeichnerpaar Buccellato/Manapul aus dem wohlverdienten Urlaub zurückgekehrt und beginnt gleich eine neue mehrteilige Geschichte rund um den Hardcore-Anarchisten Anarky, der – meiner Meinung nach völlig zu unrecht – nicht gerade zu den bekanntesten Gegenspielern des Feldermausmannes gehört. Flott erzählt und mit einem spannenden Cliffhanger endend, ist „Anarkys Rückkehr“ ein cooler Startschuss für eine Story, die die eher zahme „Ikarus“-Geschichte von vor zwei Monaten hoffentlich toppen wird. Ebenfalls frisch im Comichandel angekommen, ist der zweite Teil von Star-Lords Soloserie. Relativ unspektakulär aber durchaus amüsant geht es im recht kurzen Band „Rendezvous mit Hindernissen“ um das titelgebende Date zwischen dem Guardian Of The Galaxy und X-Woman Kitty Pryde. Natürlich hat es der eine oder andere Kopfgeldjäger auf den Han-Solo-Verschnitt abgesehen, weshalb die Verabredung nicht ohne Probleme über die Bühne geht. Tut alles beim Lesen nicht weh, wird eure Sammlung aber auch nicht um ein weiteres Meisterwerk ergänzen.

 

Fantastic Four: Der lange Abschied

Nach „No Regrets“ bekommt das Attack On Titan-Franchise mit „Before The Fall“ eine weitere Spin-Off-Geschichte spendiert, die die Welt rund um die menschenfressenden Titanen weiter ausschmückt. „Before The Fall“ ist 70 Jahre vor den Abenteuern von Eren und Mikasa angelegt und setzt mit einem Blutbad ein, das Titanen an der äußersten Mauer der Menschenwelt anrichten. Die Überlebenden werden gezwungen, darüber zu schweigen, denn die grausamen Riesen lassen ein Kind zurück, dessen Bedeutung für die Menschheit noch nicht abzusehen ist. Dieses Spin-Off weiß dank gefühlvoller Beziehungen zwischen den Protagonisten und eines Plots, dessen Ausgang noch nicht einmal im Ansatz zu erkennen ist, deutlich besser als das etwas spannungsarme „No Regrets“ zu gefallen. Eine wirkliche Bereicherung für die Hauptstory von „Attack On Titan“. Gerade in Deutschland gehören die Comics der Fantastic Four nicht gerade zu den beliebtesten Abenteuern des Marvel Universums. Zur Einstimmung auf den derzeit laufenden Kinofilm präsentieren Autor James Robinson und Zeichner Leonard Kirk jedoch eine Comicreihe, die dies durchaus ändern könnte. In Ausgabe 1 der in Deutschland auf drei Teil ausgelegten Serie „Der lange Abschied“ ist der Titel Programm. In der nervenaufreibenden finalen Story von Mister Fantastic, der Unsichtbaren, dem Ding und Johnny Storm wird dem Team ein karrierebeendender Prozess gemacht, der nicht nur am Zusammenhalt rüttelt. Bisher eines der emotional mitreißendsten Comics dieses Jahres. Deadpool-Stammautor Gerry Duggan lässt seinen vierte Wand zerbrechenden Antihelden in Deadpool vs. Hawkeye mit dem mürrischen Bogenschützen der Avengers teamen. Von Matteo Lolli und Jacopo Camagni im klassischen Superheldenstil gezeichnet, weiß die Geschichte rund um Black Cat, die Geheimdokumente mit den Decknamen von SHIELD-Agenten stehlen möchte, zwar mit ein paar guten Gags zu unterhalten, vom Hocker reißt die etwas lahme Story trotzdem nicht. Maximal für den kurzen Spaß zwischendurch geeignet.

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  1. Wolverine: Neues Kostüm, neuer Gegner, neue Kraft… – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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