Traumjob für einen Tag

Auf Jobsuche? Das Arbeitsamt hilft bestimmt!

Es gibt so viele spannende Berufe, doch ein Leben ist zu kurz, um alle kennenzulernen. Begleitet mich daher auf ein paar imaginäre Ein-Tages-Praktika.

 

Bevor die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium fällt, wurden vielleicht ein paar Praktika absolviert und die ersten Euro in Nebenjobs verdient. Einen großen Erfahrungsschatz auf dem Arbeitsmarkt konnte bis dahin aber kaum jemand sammeln. So werden in der Jugend mehrere Jahre in der Berufsschule oder dem Hörsaal verbracht, um anschließend ein „Jodeldiplom“ in der Hand halten zu können, auf dem im besten Falle eine Berufsbezeichnung prangert. Dann ist man vielleicht Bäcker, Kaufmann oder mit ein bisschen mehr Zeitaufwand Anwalt oder Arzt. Ein paar Gehaltsauszahlungen später blickt man zurück, zieht ein erstes Resümee und fragt sich, wie es einem wohl ergangen wäre, hätte man stattdessen dieses oder jenes gelernt. Als ausgebildeter Drucker mit anschließendem Ingenieursstudium der Drucktechnik gibt es auch für mich eine riesige Menge an Jobs, die ich in diesem Leben nicht mehr ausüben werde. Eine kleine Auswahl von denen, die mich reizen würden, habe ich in Form von imaginären Ein-Tages-Praktika kennengelernt:

 

Polizist

Die deutsche Polizei wirbt mit dem Slogan „So interessant wie das Leben“. Und genau so stelle ich es mir vor, wenn ich mit Uniform, Marke, Schlagstock und Knarre durch die Straßen patrouilliere: Von der Zivilbevölkerung angehimmelt und von einem Abenteuer ins nächste stolpernd. Wahrscheinlich sieht die Realität ganz anders aus. Statt Verfolgungsjagden gibt es harmlose Autounfälle mit leichten Blechschäden, statt Schießereien mit Bankräubern gibt es herumstreunende Jugendliche, deren Personalien aufgenommen werden müssen, und statt Undercover-Einsätzen in Diskos gibt es Ruhestörungen wegen zu lauter Studentenpartys. Trotzdem oder gerade deshalb: Zu Beginn des Dienstes ist nie klar, was in der Schicht passieren wird. Eine nächtliche Schnupperstreife nehme ich in meinem imaginären Ein-Tages-Praktikum also gerne mit.

 

Wirt

Eine eigene Bar zu besitzen, in der ich die verrücktesten Biersorten und den besten Whiskey anbiete, wäre ein kleiner Traum. Wobei mich vor allem die tägliche Zusammenstellung der Musik-Playlist reizen würde. Koste es, was es wolle, liebe GEMA. Doch ich belasse es lieber bei einem gedanklichen Praktikum, denn wie antwortete schon ein stern.de-Forum-User auf Fragen bezüglich einer Bareröffnung: „Beteilige dich stattdessen an einem seriösen Puff, das ist lukrativer und weniger anstrengend. Tanzen und trinken kann man da auch – sogar essen und trinken am Buffet für 80 Euronen.“

 

Rockmusiker

Noch so eine Schnapsidee. Wobei ich mich fragen muss, ob ich tatsächlich Lust habe, mir immer wieder neue Musik auszudenken oder eigentlich nur den Lifestyle erleben möchte?! Wahrscheinlich eine Mischung aus beiden Punkten. Als Ein-Tages-Praktikant fahre ich gedanklich einfach mal bei Revolverheld mit und entscheide mich anschließend doch für die Lehre bei der Bank.

 

Streetworker

Täglich auf den Straßen einer Großstadt unterwegs, jede noch so dunkle Ecke kennenlernen und von den Gangmitgliedern des Viertels einen respektvoll gemeinten Spitznamen erhalten. Bis man mich auf der Straße nur noch als „Keule“ oder „Pepsi-Stefan“ kennt. Na ja, irgendwie verwechsle ich da was. Dennoch: Streetworker zu sein, ist sicherlich nicht einfach, klingt aber definitiv nach einem spannenden Beruf. Ich laufe in meinem Ein-Tages-Praktikum bei Thomas Sonnenburg mit und lästere über Helena Fürst.

 

Brauer und Mälzer

Bei Dinkelacker arbeiten und endlich ordentliches Bier brauen, wow, geiler geht’s nicht. Der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf ist ein schönes Handwerk. Ein wunderschönes Handwerk. Und wenn ich nach meinem gedanklichen Ein-Tages-Praktikum Lust bekommen habe, könnte ich an den Technischen Universitäten in München oder Berlin auch Diplom-Braumeister werden. Wir leben in einer geilen Welt.

 

Ich greife zur IHK-Ausbildungsbroschüre und fange an zu stöbern. Meine Augen werden größer und größer. Binnenschiffer, Kanalbauer, Bestattungsfachkraft, Diamantenschleifer – heutzutage gibt es wirklich alles. Also Augen auf bei der Berufswahl und im Vorfeld vielleicht nicht nur ein gedankliches, sondern gleich ein richtiges Praktikum starten. Denn wie ließ es schon Nas von einer Schar Kinder rappen: „I know I can be what I wanna be!“

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