Kurz & knapp #60: Tenacious D, Element of Crime, Everlast, The Green Lantern…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: deM atlaS, Living With Lions, Single Mothers, Slothrust, Antarctigo Vespucci, Tenacious D, Element of Crime, Everlast, Neon Saturdays, Rejoicer, Archie 1941, Shuri, Star Trek vs. Transformers & The Green Lantern.

 

deM atlaS „Bad Actress“

Es kommt nicht von ungefähr, dass „Bad Actress“ von deM atlaS an Atmosphere erinnert. Ant produzierte, Rhymesayers veröffentlicht. Zudem stehen Rock, Rap und Blues auf den 15 Stücken wie selbstverständlich nebeneinander. „Tomorrow Party“ ist der psychedelische Opener, „Never Belonged“ der angenehm unangenehme Mitsingmoment und „Can It Fall“ die komplette Aufgabe des Raps zugunsten seligen Gesangs. Der zugängliche Klang sollte jedoch nicht von den Inhalten ablenken. Als Kind aus einer dysfunktionalen Familie hat deM atlaS einiges zu erzählen: „Came home to an empty house / Non other lights were on / But when I flipped the switch / And saw a bunch of broken shit / I knew another fight went off”. +++ Living With Lions spielen Pop-Punk nach Maß. Warum das Rad auch neu erfinden, wenn es auf ihrem dritten Studioalbum „Island“ so schön rund läuft. Das Schlagzeug gibt ein ordentliches Tempo vor und der mehrstimmige Gesang schmeichelt den Melodien. Von dieser Formel weicht die fünfköpfige Band im Laufe der rund 40 Minuten nicht ab, weshalb „Island“ stellenweise eintönig wirkt. +++ In Zeiten wie diesen wütend zu klingen, ist keine Herausforderung. Und so passt auch das Comeback-Album „Through The Wall“ von den Post-Hardcore-Schwergewichten Single Mothers in unsere Ära der Dummheit und Ignoranz. „Staring into that dark abyss / Seeing hope but avoiding it / Maybe you heard me or maybe you didn’t / But either way this is diminished / And either way this is gonna be finished”, grölt Sänger Drew Thomson in “Big Scar”. Zwischen Zynismus und Hoffnungslosigkeit pendeln sich die Texte ein. Die Musik brettert entsprechend mit, lässt in Stücken wie „Stoic/Pointless“ aber auch Lichtblicke in Form eingängiger Melodien zu.

 

Tenacious D „Post-Apocalypto“

Seit acht Jahren spielen Slothrust Alternative-Rock, der sich an der Vergangenheit orientiert, aber nach vorne blickt. Gleich auf dem ersten Track „Double Down“ ihres vierten Studioalbums „The Pact“ wird dieser Anspruch deutlich. Zu den soliden Gitarrenlicks gesellen sich erstmals Synthesizer und Drumcomputer. Dieser elektronische Ansatz zieht sich nicht durch die komplette Platte, bietet Langzeithörern aber Abwechslung ohne zu schmerzen. Größtenteils steht dennoch gewohnte Kost im Fokus. Stücke wie „Peach“ beginnen ruhig, entwickeln aber eine Wucht, die Leah Wellbaums charismatische Stimme abrundet. +++ Jeff Rosenstock und Chris Farren spielten unter dem Namen Antarctigo Vespucci ein Album über Beziehungen in unserer technikaffinen Welt ein. Herausgekommen ist das programmatisch betitelte „Love in the Time of E-Mail“. Mit Humor wird alles besser, weshalb in den 13 Stücken ernste Themen mit einem Augenzwinkern kommentiert werden. Musikalisch bewegt sich das Duo zwischen Power-Pop und Pop-Punk, was Vergleiche mit den immer wieder gerne herangezogenen Weezer zulässt. „Love in the Time of E-Mail“ geht sofort ins Ohr und möchte dort auch bleiben. +++ Kyle Gass und Jack Black erleben als Tenacious D auf ihrem vierten Studioalbum “Post-Apocalypto” die Zeit nach dem Weltuntergang. Und bei ihnen fällt diese lustiger als ein Abend im Quatsch Comedy Club aus. Von den 21 Stücken besteht rund die Hälfte aus albernen Hörspielbeiträgen, die die dazugehörige YouTube-Serie bebildert. Musikalisch schreckt das Duo vor keiner Schandtat zurück und stürzt sich neben ihrem Rock-Trademark-Sound auf Country (“Take Us Into Space”) und Rap (“JB JR Rap”). Die vielen Skits animieren aber nicht dazu, die Platte in Dauerschleife zu hören.

 

Element of Crime „Schafe, Monster und Mäuse“

Auch im 33. Bandjahr bleiben sich Element of Crime mit „Schafe, Monster und Mäuse“ treu. Nach wie vor musiziert das Quartett unter trompetenlastigem Instrumenteneinsatz, ohne Sven Regeners kauzigen Texten das Scheinwerferlicht zu nehmen. Regeners Tochter, die für „Karin, Karin“ zum Duett vorbeischaut, sorgt zwar für frischen Wind, doch nötig wäre das nicht gewesen. Element of Crime beherrschen das mit den genialen Alltagshymnen auch auf ihrem 14. Studioalbum noch immer. +++ Vor sechs Jahren stieg Everlast bei La Coka Nostra aus, um die an Mukoviszidose erkrankte Tochter zu pflegen. „Whitey Ford’s House of Pain“ – der Titel seines siebten Soloalbums – kann somit weniger als Nostalgie und viel mehr als Beschreibung seines Seelenlebens verstanden werden. Ins Private zieht sich der 49-Jährige trotzdem nicht zurück, sondern schießt in Songs wie “The Culling” gegen die da oben: „The Culling is coming, grab your guns / Stack cash funds, fathers, teach your sons / When politicians talk – assume they’re lying / Living on your knees – much worse than dying”. Rap spielt dabei kaum eine Rolle. Stattdessen jagt er mit Gitarre und Ohrwurm-Refrains den großen Hits hinterher. Auf „It Ain’t Easy“, „Summer Rain“ und „Break It Down“ gelingen sie ihm sogar. Leider fehlt es der Platte an Biss und Relevanz, was Charttauglichkeit und „Kleiner Mann“-Hymnen auch nicht ausbügeln. +++ „Freaks In The Ocean“ von Neon Saturdays lässt sich mit drei Begriffen umschreiben: Hits, Hits und nochmal Hits. Überzuckerte Rockmusik, die näher an 30 Seconds to Mars als den Foo Fighters ist – zwei Bands, die das Quartett als Inspirationsquelle auf ihrer Facebook-Seite nennt. Die Letten gehen dabei so offensichtlich vor, dass die gelegentlichen Synthesizer-Ausflüge niemanden überraschen. Wer auf Beulen und Knochenbrüche steht, ist bei Neon Saturdays falsch. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für entspannte Sonntage: „Energy Dreams“ von Rejoicer klingt wie eine Lavalampe aussieht. Elektro, Jazz, Hip-Hop – die instrumentalen Stücke entscheiden sich nicht für eine feste Form, sondern biegen und beugen sich, wie es ihnen in den Ton passt.

 

The Green Lantern

In Archie 1941 zieht der Zweite Weltkrieg nicht spurlos an Riverdale vorüber. Herausgekommen ist ein spannendes Was-wäre-wenn-Szenario, das die Figuren aus ihren Komfortzonen lockt. Die Zeichnungen der alten Schule passen zur Prämisse und machen aus der vierteiligen Miniserie ein außergewöhnliches Zwischendurch-Event. +++ Nachdem Black Panther bei einer Weltraummission verlorengeht, muss Shuri die Rolle ihres großen Bruders einnehmen. Die neue Serie von Autorin Nnedi Okorafor und Zeichner Leonardo Romero orientiert sich am erfolgreichen Film von Ryan Coogler, ignoriert aber auch nicht die Ursprünge der Comicfigur. Der Zeichenstil ist eine entsprechende Reminiszenz. Das von Frauen geprägte afrikanische Land Wakanda erhält mit „Shuri“ endlich eine Superheldin, die es verdient. +++ Was in Bewegtbildern vermutlich niemals zustande käme, verwirklicht IDW Publishing mit der fünfteiligen Comicreihe Star Trek vs. Transformers. Und darin passiert genau das, was sich erwachsengewordene Kinder erhoffen: Captain Kirk verbündet sich mit Optimus Prime, um gegen die neue Allianz aus Decepticons und Klingonen anzutreten. Erzählerische Tiefe ist dabei nicht zu erwarten, ein witziges Blockbuster-Event hingegen schon. Oder um es in den Worten von Dr. McCoy zu sagen: „Dammit Jim, I’m a doctor not a mechanic.“ +++ Superman-Autor Grant Morrison und „The Brave and the Bold“-Zeichner Liam Sharp erzählen mit der Serie The Green Lantern die Geschichte von Hal Jordan weiter. Der verstoßene Weltraumpolizist kehrt zum Corps zurück, um eine Verschwörung in den eigenen Reihen aufzudecken. Dabei ist nicht nur der Artikel im Serientitel neu, auch beim Zeichenstil verfolgt Sharp einen für 2018 ungewöhnlichen Ansatz. Die Figur Hal Jordan wird als streunender Cowboy dargestellt, der ein einfaches, aber ehrliches Leben führt. Die erste Ausgabe macht Hoffnung, dass der Ringträger neue Höhenflügen erleben könnte.

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