Kurz & knapp #34: Rise Against, 8kids, Taboo, RiME, Tekken 7…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Love A, Rise Against, Mutoid Man, Taktloss & Frauenarzt, 8kids, Algiers, Pieles, Taboo, American Gods, RiME & Tekken 7.

 

Rise Against „Wolves“

Love A sind das gute Gewissen der deutschsprachigen Punk-Musik. Seit 2010 liefern sie beständig clevere Hymnen, die sich nicht auf das Anprangern weltpolitischer Schieflagen und kleingärtnerischer Spießigkeiten festlegen möchten. Sänger Jörkk Mechenbier kann auch auf Album Nummer Vier „Nichts ist neu“ die kleinen Dinge, die ihn ärgern, ebenso treffend in Worte fassen, wie den ganz großen Weltschmerz. Verändert oder gar weiterentwickelt, hat sich musikalisch wenig. Nach wie vor ist die Musik einfacher umgesetzt als sie klingt. Dadurch heben sich Love A mit einem eigenen Charme von den Genre-Kollegen ab. +++ „Welcome to the breakdown, welcome to the end of the road“, platzt es aus Tim McIlrath auf dem achten Studioalbum „Wolves“ seiner Band Rise Against heraus. Im Vorfeld äußerte sich die Gruppe rege zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Auch auf die Inhalte von „Wolves“ hat sich das ausgewirkt. Konkreter und angriffslustiger ist die Melodic-Hardcore-Band aus Chicago geworden. „But we are more alike than different when we stop and take a minute face to face”, heißt es in “Bullshit”. Mit solch löblichen Inhalten erreichen sie leider wieder nur ihre eigene Peergroup. Egal, denn besser als mit dieser Platte lässt es sich nicht zum Weltuntergang abgehen. +++ Der Metal von Mutoid Man sprintet trotz schwerer Kampfstiefel in einer atemberaubenden Geschwindigkeit über die Ziellinie. „War Moans“ heißt das zweite Album der drei New Yorker, das Anfang Juni veröffentlicht wurde. Und die Marschrichtung der zwölf Stücke ist klar: Ein Schlagzeug, zu dem Gipsbetonwände eingeschlagen werden können, Gitarren, aus denen alle spielbaren Töne herausgeholt werden und mit Nick Cageao ein Sänger, der trotz einer starken Singstimme immer wieder in gefährliche Growls abdriftet. Das ist Musik, die am dritten Festivaltag die letzten Kräfte mobilisiert.

 

Algiers „The Underside of Power“

„Wenn für mich das Aufnehmen weniger Anstrengung ist, als für dich mir zuzuhören, dann war es mir ein Vergnügen“, rappt Taktloss auf „Ich tu‘ nicht viel“. Ein gemeinsames Projekt von Taktloss & Frauenarzt könnte nicht besser zusammengefasst werden. Entsprechend sperrig – andere würden untergrundig schreiben – klingt „Gott“, das über Fick Die Biaaatch Rekordz veröffentlichte Kollaboalbum der beiden Berliner HipHop-Legenden. Und auch 2017 bleiben sie sich treu: Es werden Mütter gefickt und Hurensöhne als solche betitelt. Musikalisch bewegen sich die 14 Stücke (plus zwei Bonussongs) größtenteils in elektronischen Gefilden und flirten dabei sogar mit Dubstep-Klängen. +++ Unter die Haut und ins Ohr geht das Debütalbum der Post-Hardcore-Band 8kids. Denn „Denen, die wir waren“ kann als klassische Trennungsplatte bezeichnet werden. Ruhige Momente der Trauer treffen auf laute Passsagen der Wut. Sänger Jonas Jakob schreit sich die Seele aus dem Leib, klingt an anderer Stelle wie ein etwas weniger wortgewandter Casper. Eingängige Kehrverse, die häufig in Popmuster abgleiten, runden dieses gefühlsbetonte, aber gänzlich unpeinliche Gitarrenalbum ab. +++ Bei Wikipedia wird „The Underside of Power“ – das zweite Studioalbum der Algiers – unter anderem dem Genre Psychedelic Soul zugeordnet. Das trifft es ziemlich gut, denn voluminöse Soundflächen treffen innerhalb der zwölf Stücke auf den eindringlichen Gesang von Franklin James Fisher. Dabei muss sich der Hörer die zwei Hits der Platte, die zwischen den verstörend schönen Songexperimenten liegen, hart erarbeiten. Das macht Spaß, denn die Algiers besingen die Apokalypse und die ist bekanntlich kein Kindergeburtstag.

 

Taboo

Wer auf außergewöhnliche Filme steht, die in Ländern entstanden sind, die in der Regel keine internationalen Blockbuster-Filme hervorbringen, könnte sich für Pieles interessieren. Der spanische Regisseur und Drehbuchautor Eduardo Casanova erzählt in diesem Drama mit komödiantischen Elementen vom Leben skurril entstellter Menschen. Der Einen fehlen die Augen, bei der anderen sind Anus und Mund vertauscht. Alle Figuren suchen das Glück in einer Gesellschaft, die sie nicht versteht oder abstoßend findet. Dabei wird ihre Verzweiflung anhand von Selbstmordversuchen und Selbstverstümmelungen erschreckend drastisch dargestellt. Casanova arbeitet mit Szenenbildern, die von architektonischer Geometrie, starker Symbolik und stimmiger Farbwahl geprägt sind. Egal, ob der Zuschauer den Film letztlich mag oder nicht, er wird ihn dank seiner Einzigartigkeit so schnell nicht vergessen. +++ Amazon Video hat mit Taboo eine Serie ins Angebot aufgenommen, die nicht nur eine erfrischend eigene Optik, sondern mit Tom Hardy auch einen charismatischen Hauptdarsteller zu bieten hat. Anfang des 19. Jahrhunderts kommt James Delaney nach zwölf Jahren Exil in seine Heimat London zurück. Schnell wird klar, dass Delaney nicht nur um seinen toten Vater trauern, sondern auch dessen Hinterlassenschaften verwalten möchte. „Taboo“ ist so düster wie der wolkenbehangene Himmel Englands und so brutal wie das Leben vor der industriellen Revolution. +++ Die Amazon-Video-Serie American Gods sorgt seit einigen Wochen für Begeisterungsstürme, aber auch für schockierte Gesichter. Denn die Bilder, die die auf dem Roman von Neil Gaiman basierende Show vermittelt, sind brutal und abstoßend, dabei jedoch immer ästhetisch und außergewöhnlich. Mr. Wednesday versammelt die alten Götter, um gegen die neuen zu bestehen. Was das genau bedeutet, erschließt sich dem Zuschauer nur langsam. Viel gibt es zwischen den Zeilen zu entdecken. „American Gods“ fühlt sich wie „Supernatural“ im Fiebertraum an und punktet vor allem durch zwei gegensätzliche Hauptfiguren.

 

RiME

Lange war unklar, ob das Action-Adventure- beziehungsweise Puzzle-Game RiME überhaupt erscheinen wird. Nun ist es da und bietet allen, die nach einem Nachtisch für „The Last Guardian“ gesucht haben, eine sechsstündige Wanderung durch fremde Welten. Ein Junge strandet auf einer grafisch märchenhaft gestalteten Insel, deren friedlicher Ersteindruck trügt. Das Eiland bietet allerlei Gefahren und Knobelaufgaben, deren Lösungen in den meisten Fällen jedoch sehr einfach ausfallen. Schiebe- und Suchrätsel sowie Kletterpassagen sind dabei die größten Herausforderungen. Ein orchestraler Soundtrack und eine kryptische Geschichte untermauern die zauberhafte Atmosphäre, die „RiME“ von der ersten Sekunde an versprüht. Leider vermiest der eine oder andere Bug – beispielsweise wenn die Spielfigur in einen anderen Abschnitt stürzt und festhängt – das sonst gelungene Spielvergnügen. +++ Mit Tekken 7 öffnet sich die japanische Kampfspielserie auch für PlayStation-fremde Plattformen wie der Xbox One oder dem PC. Gut für Nutzer dieser Systeme, denn das Spiel von Bandai Namco ist auch mit dem neunten Teil ein echter Genre-Kracher. Nach wie vor lässt sich jedes Bein und jeder Arm einzeln steuern, wodurch ein einmaliger Kampf-Flow zustande kommt. Mit Power Crush und Rage Art wurden zwei neue Spielmechaniken eingeführt. Power Crush ermöglicht es, trotz Attacken des Gegners eigene Aktionen fortzuführen. Rage Art lässt sich hingegen am besten mit den aus der „Injustice“-Reihe bekannten Special Moves vergleichen. Die Story wurde zu einem epischen Showdown aufgeblasen, fasst für Serienspäteinsteiger dennoch die wichtigsten Ereignisse der Vorgänger zusammen. Dabei ist die Geschichte für eine Prügelspielkampagne nicht so übel, wie sie vielerorts beschrieben wird. Ein Kaufgrund ist sie trotzdem nicht. „Tekken 7“ macht immer noch mit den Kumpels auf der Couch oder im Online-Modus am meisten Spaß.

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