Kurz & knapp #32: Body Count, Iron Fist, Bomberman, Flash…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Depeche Mode, Body Count, The Magnetic Fields, Marvel’s Iron Fist, Abstrakt, Super Bomberman R, Fast RMX, Guardians of the Galaxy, Star-Lord, Star Trek, Flash & Aquaman.

 

Bodycount „Bloodlust“

Depeche Mode haben Mitte März mit „Spirit“ ihr 14. Studioalbum veröffentlicht. Und das Trio, das bereits seit 1980 aktiv ist, klingt moderner denn je. Das liegt nicht zuletzt an Produzent James Ford, der in der Vergangenheit Platten von den Arctic Monkeys, Peaches und Klaxons federführend begleitet hat. „Spirit“ ist ein knapp 50-minütiges Synthie-Rock-Album, das sich inhaltlich mit aktuellen politischen Themen beschäftigt, ohne diese direkt anzusprechen: „Where’s the revolution / Come on people / You’re letting me down.“ Ein absolut relevantes Album von einer Band, der ihr Alter guttut. +++ Anderer Sound, inhaltlich aber mindestens genauso relevant ist „Bloodlust“ von Ice Ts Rockband Body Count. Es geht auf den elf Tracks um das Leben in den sozialen Brennpunkten, wo Perspektivlosigkeit zum Alltag gehört. Ein Alltag, den sich die dort lebenden Menschen nicht ausgesucht haben. Body Count bündeln diese negative Energie in Musik, die Gewalt erst einmal zu glorifizieren scheint. Doch Pustekuchen! Vielmehr vermitteln Body Count auf drastische Art und Weise, was passiert, wenn eine gesellschaftliche Schicht die andere vergisst oder – noch viel schlimmer – sie ihr egal ist. Sie kommt in deine Nachbarschaft und regelt die Dinge „The Ski Mask Way“. +++ The Magnetic Fields haben auf „50 Song Memoir“ die Biografie ihres Frontmanns Stephen Merritt vertont. Wie es der Titel bereits verrät, sind darauf 50 Lieder enthalten, die jeweils für ein Jahr im Leben des Musikers stehen. Inhaltlich fällt das mal konkreter, mal wirrer aus. Musikalisch wird eine riesige Bandbreite abgedeckt. So bieten die fünf Scheiben (!!!) minimalistische Akustiknummern, elektronisch angehauchte Experimente, aber auch pompöse Disconummern. „50 Song Memoir“ ist ein Album, das den Hörer belohnt, nimmt er sich die Zeit.

 

Marvel’s Iron Fist

Die Defenders sind komplett: Nach Daredevil, Jessica Jones und Luke Cage hat Streaming-Gigant Netflix mit Marvel’s Iron Fist dem vierten Superhelden der Avengers-Light-Version eine Serie geschenkt. Der totgeglaubte Danny Rand kehrt aus China zurück, wo er nach einem Flugzeugabsturz von Mönchen aufgezogen wurde. Ausgebildet in Nahkampftechniken hat er dort auch gelernt, die titelgebende „Iron Fist“ heraufzubeschwören. Diese ermöglicht es ihm, schwere Stahltüren nur mit seiner Faust einzuschlagen. Die Serie musste sehr viel Prügel einstecken: White-Washing-Vorwürfe, Kritik an den Fähigkeiten von Hauptdarsteller Finn Jones und Tadel bezüglich der nur langsam voranschreitenden Geschichte. An all diesen Punkten ist etwas dran. Auch die eher mittelmäßig inszenierten Kampfszenen sprechen nicht gerade für eine Serie, die sich Martial-Arts auf die Fahnen geschrieben hat. Schade, denn die Figur Iron Fist könnte als viertes Mitglied der Defenders hervorragend funktionieren. Hoffentlich nimmt Netflix die verhaltenen Reaktionen zum Anlass, wieder mehr Wert auf die interne Qualitätskontrolle zu legen. +++ Abstrakt: Design als Kunst ist eine Netflix-Dokumentationsserie, in der acht Designer ihr Schaffen vorstellen. So werden Tinker Hatfield, der bei Nike Schuhe entwirft, Bjarke Ingels, der in Kopenhagen ein Kraftwerk mit Skipiste gebaut hat, und Ralph Gilles, der bei Fiat Chrysler Autos designt, vorgestellt. Dabei gelingt es der Reihe, nicht nur die Arbeit der jeweiligen Kreativen zu beleuchten, sondern auch einen Einblick in ihr Privatleben zu geben. Dadurch entwickelt sich beim Zuschauer ein klareres Bild von den Inspirationen und Entwicklungen, die die Designer erlebt und durchgemacht haben, um an den Punkt zu kommen, an dem sie jetzt sind.

 

Guardians of the Galaxy: The Telltale Series

Rechtzeitig zum Launch der Nintendo Switch hat Konami mit Super Bomberman R einen frischen Ableger der seit 1983 laufenden „Bomberman“-Reihe veröffentlicht. Wer jedoch erwartet, dass die Japaner die Serie würdig in die neue Konsolengeneration gehievt haben, wird enttäuscht. Neuerungen gibt es kaum. Alles bleibt beim Alten. Ein Story-Modus beinhaltet rund 50 Stages und ein halbes Dutzend Endgegner. Ein Multiplayer- und ein Online-Modus bieten die typische Bomberman-Action mit Kumpels und Fremden. Das macht unbestreitbar Spaß, rechtfertigt aber nicht die verlangten 50 Euro. Da wollte Konami zum schwachen Spielestart der Konsole wohl den schnellen Euro abgreifen. +++ Da machen es Shin’en Multimedia mit Fast RMX besser. Das futuristische Rennspiel ist eine aufgepeppte Version des 2015 erschienenen Wii-U-Spiels „Fast Racing Neo“. Es beinhaltet alle Strecken der Vorlage sowie sechs neue Kurse und ist mit 20 Euro fair bepreist. “F-Zero“- und „Wipeout“-Fans kommen um den Hochgeschwindigkeitsraser nicht herum. Wer noch ein grafisch hübsches Rennspiel in seinem Switch-Start-Line-Up vermisst ebenfalls nicht. +++ Der Hype-Train rollt, denn die Guardians of the Galaxy bekamen Ende April mit „Vol. 2“ einen weiteren Kinofilm spendiert. Telltale Games haben die Gunst der Stunde genutzt und mit „In Traurigkeit verwickelt“ die erste Episode ihrer neuen Marvel-Adventure-Serie veröffentlicht. Gleich zu Beginn treten Star-Lord und seine Weggefährten gegen Thanos an. Das ist aber nur der Appetizer auf das, was in den 90 Minuten passieren wird: Sci-Fi-Action, neue Gegenspieler und ein ansprechender Soundtrack. Gameplay-technisch hat sich erwartungsgemäß wenig getan. Kleinere Spielereien wie ein Kommunikationssystem und frei nutzbare Raketenstiefel frischen das angestaubte Telltale-Prinzip minimal auf. Pflichttitel sehen anders aus. Marvel-Fanatiker greifen zu, alle anderen verpassen kein weltbewegendes Spiel.

 

Star Trek: Qs Schachzug

Auch Panini Comics haben die Kinoankündigungen im Blick und veröffentlichen erstmalig in Deutschland den Star-Lord-Sonderband „Zu den Sternen“. Darin enthalten sind die Origins-Geschichte „Jahr Eins“ und das Beziehungsdrama „Fern der Heimat“. Im ersten Teil erfahren die Leser, wie der Guardians-Anführer zum Star-Lord wurde. Der zweite Abschnitt gibt einen Einblick in das komplizierte Liebesleben mit Kitty Pride. Trotz stolzer 180 Seiten ein kurzweiliger Spaß! +++ Bleiben wir im Weltraum: Der 14. Star Trek-Comic-Band beinhaltet die bereits 2015 in den USA veröffentlichte Geschichte „Qs Schachzug“. Darin trifft die Enterprise-Crew rund um Chris Pines Version von Kirk auf die klassische Deep-Space-Nine-Mannschaft. Inhaltlich eine recht flache Angelegenheit, deren Reiz in der Crossover- bzw. „was wäre wenn“-Geschichte liegt. +++ Der Blitz schlägt erneut ein und auf einmal ist Central City von unzähligen Superrasern bevölkert. In „Die Flash-Akademie“ – der ersten Ausgabe der Flash-Sonderbandreihe – entwickelt sich Barry Allen notgedrungen zum Lehrer. Doch nicht alle Bürger mit neuerlangten Kräften haben Gutes im Sinn. „Die Flash-Akademie“ ist eine klassische Kriminalgeschichte, die mit farbenfrohen Panels inszeniert wurde. Besonders spannend ist jedoch Flashs Umgang mit den Gleichgesinnten. Denn die Message lautet, dass nicht die übermenschlichen Fähigkeiten Superhelden ausmachen, sondern Moralvorstellungen und ein guter Charakter. +++ Aquaman hat in den Köpfen der Menschen nicht den besten Stand. Er ist als Witzfigur, als das ungeliebte Stiefkind der Justice League verschrien. Mit „Der Untergang“ – dem Start seiner neuen Sonderbandreihe – stellt sich der König von Atlantis diesen Vorurteilen. Denn auch in der Geschichte, die sich intensiv mit der Beziehung zwischen der Wasser- und der Landwelt beschäftigt, gilt Aquaman als lächerlicher Anführer eines Volkes, dem misstraut werden muss. Das ist ein geglückter Neustart, den Aquaman mehr als nötig hatte.

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  1. Halbzeit 2017 – Die bisher besten Alben – like it is '93 // das Popkultur-Magazin

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