Der Sommer des Kanye West – Teil 1: Pusha T legt sich mit Drake an

Projekt Nr. 1: „Daytona“ von Pusha T

Innerhalb weniger Wochen möchte er fünf Alben veröffentlichen. Wird das der Sommer des Kanye West? Projekt Nummer Eins mit Pusha T provoziert und überzeugt gleichermaßen.

 

Kanye West weiß nicht erst seit seiner Drachenverbrüderung mit Donald Trump, wie man Schlagzeilen erzeugt. Immer wenn sich der selbsternannte Louis Vuitton Don erleuchteter als der Rest fühlt, dann sollen es verdammt nochmal alle mitbekommen. Die VMA- und EMA-Preisträger dieser Welt wissen, was gemeint ist. Meistens ist das witzig, manchmal nervig und mittlerweile auch gefährlich. Da ist es fast schon angenehm, wenn sich Kanyes absurde Äußerungen ausschließlich auf seine Musik beschränken.

 

25/7 beschäftigt

 

Mitte April kündigte West nicht nur ein Soloalbum für den 1. Juni an, sondern auch ein gemeinsames Projekt mit Kid Cudi, das bereits eine Woche später erscheinen soll. Allein das reicht Profikünstlern, um 25/7 beschäftigt zu sein. West scheint es trotzdem nicht zu reichen. Kurz darauf folgten weitere Ankündigungen von Projekten, an denen er maßgeblich beteiligt ist. So stehen auf Wests To-do-Liste außerdem Alben von Pusha T, Nas und Teyana Taylor. „This summer could completely belong to Kanye“, schrieb das Forbes Magazine und hat damit nicht unrecht.

 

Pusha T legte am 25. Mai mit „Daytona“ die qualitative Messlatte dermaßen hoch, dass alle, die jemals an Kanye Wests musikalischem Genie gezweifelt haben, kleinlaut in den Hintergrund traten. Wobei angemerkt werden muss, dass der Begriff „Album“ geschummelt ist. Wie auch das angekündigte West-Soloalbum besteht „Daytona“ nur aus sieben Stücken. Mehr als eine 21-minütige EP ist das Werk nicht. Mit den restlichen Sommer-Projekten wird es sich wohl ähnlich verhalten.

 

Simpel und spannend

 

Doch so sehr wie um politische Bildung schert sich West um Begrifflichkeiten: Nämlich gar nicht. In Zeiten des Musiküberangebots keine schlechte Eigenschaft. Statt zwanzig Tracks haben er und Pusha T sieben Stücke produziert, die den Glauben an all das Gute im Hip-Hop wiederherstellen. Denn wenn es um seine Kunst geht, weiß West ausnahmsweise, was er macht. Auf „Daytona“ nutzt er klassische Produktionen, schafft es dabei trotzdem, spannend zu bleiben. Bestes Beispiel ist „Come Back Baby“. Eine simple Kombination bestehend aus Drum-Pattern und Bass bricht für die Hook in ein gewaltiges Vocal-Sample auf.

 

So präzise wie auf „Daytona“ wurde das, was Pusha T auszeichnet, seit dem Clipse-Meisterwerk „Hell Hath No Fury“ nicht mehr eingefangen. Auch wenn die Instrumentals pompöse Momente zulassen, geben sie dem New Yorker genügend Platz zu scheinen. Dass Pusha T diesen Raum nicht nutzt, um sich neu zu erfinden, sondern sich auf das zu konzentrieren, was er kann, wird Fans freuen. Auch im 26. Karrierejahr inszeniert er sich als der realste Ticker im Game: „Still do the Fred Astaire on a brick / Tap tap, throw the phone if you hear it click“.

 

Kanye ist kein Prügelknabe

 

Drake hat von dieser Echtheit ebenfalls schmecken dürfen. Auf dem Track „Infrared“ disst Pusha den Kanadier, da dieser angeblich Ghostwriter beschäftigt. Das ließ sich Drake, der nicht zum ersten Mal mit Pusha T stänkert, nicht gefallen und antwortete innerhalb weniger Stunden mit dem „Duppy Freestyle“. Darin schießt er auch gegen Kanye West. Ein armer Prügelknabe ist West deshalb noch lange nicht. Er selbst hält sich in seinem Vers auf “What Would Meek Do?” ebenfalls nicht zurück und holt gegen die Medien aus: „Am I too complex for ComplexCon? / Everything Ye say cause a new debate“.

 

Pusha T schoss mit „The Story of Adidon“ drei Tage später ein weiteres Mal gegen Drizzy. Diesmal beließ er es aber nicht bei harmlosen Ghostwriting-Anschuldigungen, sondern packte die ganz schmutzigen Geschichten aus. Ein heimliches Kind mit einer Pornodarstellerin, Schmähungen über Drakes unverheiratete Mutter und die Behauptung Drake würde sich für seine Hautfarbe schämen, machen „The Story of Adidon“ zu einem ganz persönlichen Tiefschlag. Für Pusha T war die Sache am Ende klar: Er erklärte sich selbstbewusst zum Sieger des Battles.

 

Die kalkulierten Provokationen zünden, denn sie generieren Aufmerksamkeit. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass Kanye West das Cover von „Daytona“ kurz vor Veröffentlichung medienwirksam ändern ließ. Für 85.000 Dollar erwarb er ein Foto, das Whitney Houstons Badezimmer kurz vor deren Tod zeigt. Geschmacklos oder genial? Im Internet wird fleißig diskutiert. Doch braucht Pusha Ts Musik tatsächlich so viel Diskussionsstoff? Könnte die Musik nicht für sich stehen? Vermutlich, aber dann wäre der Sommer des Kanye Wests auch nur halb so spannend.

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