Review: Die Hollars – Eine Wahnsinnsfamilie

Nachdem John Krasinski in „13 Hours“ das Maschinengewehr schwang, geht er mit „Die Hollars“ in eine komplett andere Richtung. An der Seite von Sharlto Copley spielt er in einem Comedy-Drama, für das er auch auf dem Regiestuhl Platz nahm.

 

Der nach New York übergesiedelte John kehrt in sein Heimatdorf zurück, um seine Mutter nach einer Gehirntumordiagnose zu unterstützen. Im längst vergessenen Geburtsort angekommen, muss er sich nicht nur mit dem kauzigen Vater und Bruder, sondern auch mit Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend auseinandersetzen. „Man muss wissen, woher man kommt, wenn man wissen will, wer man ist“, schrieb der Theologe Fulbert Steffensky und fasst damit den Plot von „Die Hollars“ perfekt zusammen. Der Film behandelt die Bedeutung des familiären Halts und den damit verbundenen emotionalen Anstrengungen. Lohnt es sich, die Heimat zu verlassen oder ist das wahre Glück nur in vertrauter Umgebung zu finden?

 

„Die Hollars“ besticht durch liebenswerte Charaktere, die von John Krasinski (Sohn), Sharlto Copley (Sohn), Richard Jenkins (Vater) und Margo Martindale (Mutter) gespielt werden. Jede Figur hat ein eigenes Kreuz zu tragen. Die eine bekommt Kinder, die andere hat sie bereits, lebt aber getrennt von der Mutter. Die Firma des Vaters läuft schlecht, weshalb ihn der mögliche Tod der Ehefrau endgültig aus der Bahn werfen könnte. Dazwischen wird die Jugendliebe aufgewärmt, der einstige Lieblingsort erkundet und an Träume appelliert, die die Figuren einmal hatten. Das fällt für eine Produktion dieses Kalibers erstaunlich tiefgründig aus, schafft es in den meisten Fällen trotzdem, humorvoll zu bleiben.

 

„Kinobesucher sollten sich vom typisch deutschen Untertitel nicht abschrecken lassen.“

 

Eine Schauspielfamilie, die auf der Leinwand eine sichtliche Chemie entwickelt, hält „Die Hollars“ zusammen. In jedem Blick, den Krasinski während emotionaler Gespräche ängstlich an die Wand statt in das Gesicht des Gegenübers richtet und in jedem rötlich gereizten Auge, das Copley in traurigen Szenen hat, sind die darstellerischen Leistungen zu erkennen. Alle Beteiligten haben spürbar Lust und ihre Rollen entsprechend verinnerlicht. Da sind auch überflüssige Figuren wie die des Krankenpflegers Jason (Charlie Day) sowie Johns ehemaliger Jugendliebe Gwen (Mary Elizabeth Winstead) zu verkraften.

 

Kinobesucher sollten sich vom typisch deutschen Untertitel nicht abschrecken lassen. „Die Wahnsinnsfamilie“ ist eine gelungene Komödie, die Lacher und Rührung nicht erzeugt, weil sie die leicht zu erreichenden Knöpfchen drückt, sondern weil sie ihre Zuschauer ernst nimmt. Statt Probleme und deren Lösungsfindung steht das Aufbauen familiärer Bande im Vordergrund. Beim Zuschauer kommt so das schöne Gefühl auf, dass es diese „Wahnsinnsfamilie“ packen wird. Wie spielt keine Rolle. Dabei findet der Film das perfekte Ende, indem er sich traut, Handlungsstränge offenzulassen.

 

„Die Hollars – Eine Wahnsinnsfamilie“ kam am 12. Januar in die deutschen Kinos.

 

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