Der Sommer des Kanye West – Teil 4: Nas + Kanye = ganz okay

das „Nasir“-Cover entstand 1988

Innerhalb weniger Wochen möchte er fünf Alben veröffentlichen. Wird das der Sommer des Kanye West? Mit Projekt Nummer vier – Nas‘ elftem Studioalbum „Nasir“ – erfüllt er sich einen Jugendtraum.

 

Who or what is Kanye West with no ego?”, fragte der Musiker am 14. Juni seine Twitter-Follower, um noch im gleichen Post eine Antwort zu liefern: “Just Ye”. Denn – und das gab West ebenfalls über das soziale Medium bekannt – „I killed my ego“. Nas wird es freuen. Denn im bisherigen Sommermarathon riss Kanye West die Aufmerksamkeit mit vollem Einsatz an sich. Für Release Nummer vier richtet sich das Scheinwerferlicht hingegen auf den Musiker, dessen Namen die Platte trägt. „Nasir“ erschien am 15. Juni 2018.

 

Zwei Koryphäen enttäuschen

 

Ein bisschen was muss sich Nas trotzdem von seinem Produzenten abgeschaut haben. Denn ohne „Listening Party“ scheint es nicht mehr zu gehen. Nas hat sich dafür aber nicht auf eine abgelegene Ranch nach Wyoming, sondern in seine Heimat Queens begeben. Die Fachpresse hat die Feier wohl nicht zufriedengestellt. Von einem Zusammentreffen zweier Koryphäen hätten sich viele Kritiker mehr erhofft. Der Rolling Stone gab 2,5 von 5 Sternen: „’Nasir’ is among the weakest Nas albums, but there’s nothing spectacular about its failure.”

 

Nas präsentiert sich als “The ghetto Othello”, der über Politik, Polizeigewalt und die Lügen der Geschichte referiert. Auch wenn sechs Jahre seit seinem letzten Studioalbum „Life is Good“ vergangen sind, hat sein präziser Flow nichts an Intensität verloren. Dem 44-Jährigen klebt man immer noch an den Lippen. Kanye West wird das sicherlich bestätigen, denn er scheint sich mit diesem Album einen Jugendtraum erfüllt zu haben: „I feel like im 18 year old again when I make beats for Nas”, verkündete er am 23. April über Twitter.

 

Solide ist zu wenig

 

Es wäre unfair, „Nasir“ mit einer schlechten Wertung abzustrafen. Die Platte ist unspektakulär und verzichtet auf Überraschungen, kann dafür aber als solides Werk bezeichnet werden, das den Rapper auch im Jahr 2018 noch als relevanten Künstler zeigt. Inhaltlich konzentriert sich Nas auf alte Stärken, musikalisch werden hingegen Felder abgegrast, auf denen keine Ziege mehr statt werden würde. „Children’s Story“ von Slick Rick zu samplen, ist nicht mehr als ein ganz großer Gähner.

 

Kanye West hat in den vergangenen Tagen Meldungen erhalten, die ihn von diesen schlechten Kritiken mit Sicherheit ablenken. „Kids See Ghosts“ – das gemeinsame Projekt mit Kid Cudi – landete auf Platz 2 der Billboard-Charts. Weil das nicht reicht, bricht er auch noch einen Chartrekord von Aretha Franklin. Und wenn die Billboard-Erfolge mit „Nasir“ ausbleiben, kann West zumindest noch auf Christina Aguileras „Liberation“ hoffen. Das Comeback-Album der Sängerin erschien ebenfalls am 15. Juni und enthält mit „Maria“ einen Song, der von West produziert wurde.

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