Kurz & knapp #24: Russian Circles, Batman, ABZÛ, No Man’s Sky, ei8ht…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Kaas & Jugglerz, Pkew Pkew Pkew, Rob Lynch, JaKönigJa, Russian Circles, Spinning 9, yay yay, Donald Trump, Ein Hologramm für den König, Batman: The Killing Joke, Batman: The Telltale Series, ABZÛ, No Man’s Sky, ei8ht, Thanos, Deadpool & Cable.

 

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Pkew Pkew Pkew „Pkew Pkew Pkew“

Statt die Orsons-Kuh ordentlich zu melken, haben sich die einzelnen Mitglieder dazu entschieden, ihre musikalischen Triebe erst einmal solo auszuleben. Wobei solo im Falle von Kaas nicht ganz richtig ist. Zusammen mit dem Dancehall- und Reggae-Soundsystem Jugglerz hat er die EP „Kaas & Jugglerz In Jamaica“ über Chimperator veröffentlicht. Und die sieben Tracks der Platte werden dem Namen gerecht. Reggae, Rap und Kaas‘ ureigener Pathos ergeben eine Melange, die kaum positivere und entspanntere Vibes ausstrahlen könnte. Im Opener „Jamaica, Jamaica“ ergründet Kaas gemeinsam mit Miwata, was ihn an dem an Geld so armen aber Lebensgefühl so reichen Jamaica fasziniert, plädiert im treibenden „Cadillac“ für die Legalisierung von Marihuana und holt in „Sunrise 5:55 Am“ den guten alten menschenumarmenden Paradiesvogel heraus, den man spätestens seit „Liebe, Sex und Twilight Zone“ so sehr ins Herz geschlossen hat. Ein gelungenes Experiment, das hoffentlich eine Fortsetzung in Albumlänge erhält. +++ Die Kanadier von Pkew Pkew Pkew beliefern Menschen mit Punk-Rock, die die Semesterferien durchtrinken und sich über das Teenager-Alter hinaus noch Schürfwunden beim Skateboardfahren zufügen. Laut, schnell und melodisch brettern die vier jungen Herren durch Songs mit programmatischen Titeln wie „Hangin‘ Out“, „Let’s Order A Pizza“ und „Before We Go Out Drinking“. Immer schön einfach und asozial, jedoch nie stumpf und aggressiv. +++ Rob Lynch bringt zumindest in Deutschland auch sein zweites Album „Baby, I’m A Runaway“ über Grand Hotel van Cleef heraus, auf dem der britische Musiker zehn Pop-Punk-Nummern präsentiert, die so simpel wie gut sind. Kein Fuß bleibt ruhig, wenn astreine Ohrwürmer wie „Prove It!“ oder „Runaway“ zum Mitsingen oder eben Mittanzen einladen. Doch auch leisere und vor allem nachdenklichere Töne werden in von Akustikgitarre getragenen Stücken wie „Tectonic Plates“ oder „Youth“ angestimmt: „I’ve been feeling like Peter Pan, one day I’ll have to try to be a real man.“ Musik für Junggebliebene, die ein sonniger Sonntag immer noch zum Radlertrinken am nächstbesten Flussufer animiert.

 

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Russian Circles „Guidance“

Es war verdammt harte aber auch verdammt schöne Arbeit, bis sich mir „Emanzipation im Wald“ – das mittlerweile sechste Studioalbum der Hamburger-Schule-Vertreter JaKönigJa – erschlossen hat. Sängerin Ebba Durstewitz gleitet mit entrückter Stimme von einer zitierwürdigen Zeile zur nächsten, ohne sich dabei in Kalendersprüchen zu verlieren: Denn die Zukunft gehört ganz klar dem Pferd. JaKönigJa entfernen sich von Asphalt und Beton, konzentrieren sich auf das Wesentliche im Leben – das Leben – und verweisen möglicherweise darauf, dass es in der Natur statt Gentrifizierung einen Platz für alle gibt. Musikalisch ist „Emanzipation im Wald“ eine entspannte Angelegenheit, die auf Streicher, Bläser und Mandolinen setzt, elektrische Gitarren und Schlagzeuge dagegen stiefmütterlich behandelt. Ein wirklich tolles Album, bei dem Interpretieren und Entdecken im Vordergrund steht. +++ „Guidance“ – das bereits sechste Album der Post-Rocker Russian Circles – erschien Anfang August und tritt ein weiteres Mal den Beweis an, dass eine Band mit drei Mitgliedern reicht, um eine Soundwelt zu erschaffen, die so mächtig wie ein ganzes Orchester klingt. Während der Opener „Asa“ noch die Ruhe vor dem Sturm ist, löst „Vorel“ die friedliche Stimmung mit einem bedrohlichen Trommelfeuer ab, nur um im anschließenden „Mota“ in Melodien aufzugehen, die jedoch keinen Schwung herausnehmen. Zur Mitte der Platte folgt mit „Afrika“ der zugänglichste weil emotionalste Moment, anschließend schaltet „Overboard“ einen Gang zurück und läutet das letzte Drittel des Albums ein. „Calla“ überrollt den Hörer mit Gitarren, die sich von Beginn an wie eine Wand auftürmen, bevor „Lisboa“ noch einmal alle leisen und lauten Momente zu einem epischen Finale vereint. Kein unbedingt sommerliches, dafür aber großartiges Album! +++ Zum Abschluss der Musik-Rubrik gibt es noch zwei Tipps für Sparfüchse: yay yay haben mit „par | x |“ ein düsteres Beat-Tape für Umme bereitgestellt. Perfekt geeignet für Menschen mit guten Boxen und schlechter Laune. +++ Spinning 9 hat sein Mixtape „Black Road“ ebenfalls kostenlos rausgehauen. Freunde von deutschsprachigem Dicke-Hose-Trap werden ihren Spaß haben.

 

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Ein Hologramm für den König

Die Comedy-Spezialisten von Funny or Die haben mit Donald Trump’s The Art of the Deal: The Movie eine 50-minütige Parodie auf den polarisierenden US-Präsidentschaftskandidaten produziert. Trump wird darin von einem hervorragend spielenden Johnny Depp gemimt, der den kontroversen Politiker und Wirtschaftsmogul genau so absurd verkörpert, wie ihn seine Gegner gerne sehen möchten. Der Film spielt 1988 – ein Jahr nach dem Erscheinen von Trumps Besteller „The Art of the Deal“ – und wurde in einer der Zeit entsprechenden VHS-Optik umgesetzt. Funny or Die zeigen mit diesem Werk noch einmal auf, wie völlig surreal der politische Erfolg Donald Trumps ist. Absolut sehenswerter Film. +++ Nach „Cloud Atlas“ bringt Regisseur Tom Tykwer mit Ein Hologramm für den König einen weiteren Film mit seinem Lieblingsschauspieler in die Kinos. Alan Clay, verkörpert von einem gesichtsgestrafften Tom Hanks, soll dem Oberhaupt von Saudi-Arabien ein holografisches Telefonkonferenzsystem verkaufen. Leider stellt sich dieses Vorhaben als nicht allzu einfach heraus. Statt mit einer schnellen Geschäftsabwicklung plagt sich Clay mit einem Jetlag, zu viel Alkohol, einer Zyste am Rücken und jeder Menge existenzieller Probleme, die er aus der Heimat mitgebracht hat, herum. „Ein Hologramm für den König“ baut auf eine unaufgeregte Stimmung, die auf laute Knalls im Plot verzichtet. Witz und Melancholie vermengen sich zu einem kurzweilig erzählten Film, der einen überzeugenden Hanks zeigt und die Tristesse des nach Erfolg ausgerichteten Geschäftslebens thematisiert. +++ Eher mittelmäßig ist der Direct-to-DVD-Zeichentrickfilm Batman: The Killing Joke ausgefallen. Basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel von 1988, hält sich der Streifen zu lange mit Batgirl-Nebengeschichten auf, statt den Fokus auf Jokers durchgeknallte Psyche zu legen. Wie von DC-Animationsfilmen nicht anders zu erwarten, ist das Voice Acting großartig, täuscht aber nicht über die quasi nicht existente Story hinweg, die theoretisch, in einem Kurzfilm hätte abgehandelt werden können.

 

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Batman: The Telltale Series

Mit „Realm of Shadows“ und „Children of Arkham“ erschienen die ersten beiden Episoden von Batman: The Telltale Series. Diese überzeugen durch eine großartige Geschichte, in der nicht Batman, sondern Bruce Wayne und dessen Familiendynastie im Mittelpunkt stehen. Mit Mafiaboss Falcone wurde zudem erfreulicherweise auf einen Gegner aus der B-Promi-Riege und nicht – wie üblich – auf den mittlerweile zu häufig bemühten Joker gesetzt. Frische Quicktime- und Spielelemente sowie allen voran eine neue Engine, die leider immer noch die so nervigen Telltale-Ruckler  zulässt, machen dieses Adventure endlich wieder zu einem „Must-Play“ aus dem Hause Telltale Games. +++ Die Geschichte von ABZÛ – dem neuen Spiel der „Journey“- und „Flower“-Macher – wird dagegen nicht haarklein auserzählt, sondern muss vom Spieler selbst erschlossen werden. Als Taucher erkundet man eine Unterwasserwelt, die reich an Tieren, Pflanzen und Schätzen ist. Ein wunderschöner Soundtrack unterstreicht die magische Atmosphäre, die der bunte, fast schon malerische Grafikstil ausstrahlt. Wer „Journey“ mochte, bekommt hier eine Fortsetzung, die wenig neu macht, aber dennoch verzaubert. +++ Erst war der Hype und dann die Enttäuschung groß: No Man’s Sky machte die Münder mit der Ankündigung wässrig, man könne in einer prozedural generierten Open-World-Umgebung eine schier unerschöpfliche Galaxie mit einzigartigen Pflanzen und Tieren entdecken. Das fertige Spiel fiel vielen Käufern dann aber zu repetitiv, ja fast schon zu langweilig aus. Die immer gleichen Rohstoffe in einem zu kleinen Rucksack sammeln, um – ähnlich wie in „Minecraft“ – neue Technologien zu bauen, durch die man dem Spielziel – das Erreichen der Mitte des Universums – immer näherkommt. Mit einem Team von gerade einmal 15 Mitarbeitern haben Hello Games ein durchaus beeindruckendes Spiel geschaffen, das durch den fließenden Übergang von Planetenoberfläche und Weltall, die durch den Soundtrack von 65daysofstatic noch einmal unterstrichene Entdeckeratmosphäre und die einzigartigen Science-Fiction-Designs vieles richtig macht. Leider hat das alles nix mit nervenaufreibender Action oder einem narrativen Spielverlauf zu tun, weshalb „No Man’s Sky“ ein zwar außergewöhnlicher Titel ist, in dieser Form aber leider nur einen kleinen Teil der Spieler ansprechen und vollends befriedigen wird.

 

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Mike Johnson „ei8ht: Gestrandet“

Mit ei8ht: Gestrandet liefern der brasilianische Zeichner Rafael Albuquerque und Autor Mike Johnson eine außergewöhnliche Graphic Novel ab. Hauptfigur Joshua reißt durch die Zeit, um einen verschollenen Nazi aufzuspüren, landet dabei aber im dystopischen Meld. Zeitliche Sprünge werden durch unterschiedlich farbliche Panels dargestellt, die darüber hinaus durch grobe aber durchaus schicke Zeichnungen punkten. Band 1 erschien in Deutschland im druckveredelten Hardcover über den TOKYOPOP-Ableger POPCOM. +++ Um gegen Annihilus, den Herrn der Negativzone, bestehen zu können, müssen sich die Guardians Of The Galaxy mit dem auferstandenen Adam Warlock, Gladiator und dem Titanen Thanos verbünden. Der Marvel-Sonderband „Die Infinity-Allianz“ von Comic-Legende Jim Starlin stellt den Riesen mit der lila Haut in dieser actionreichen Geschichte in den Mittelpunkt und fügt ihm für Fans interessante Facetten hinzu. Doch auch Gelegenheitsleser werden ihren Spaß mit dieser Veröffentlichung haben, da sich Starlin die Zeit nimmt, für den Plot wichtige Geschehnisse aus der Vergangenheit kurz und knapp zu erläutern. Als schicken Bonus beinhaltet der Band ein längeres Vorwort von Autor James Robinson. +++ Ausgesprochen blutig wird es in „Split Second – Angriff aus dem Zeitstrom“ – dem neusten Abenteuer von Deadpool & Cable. Die beiden alten Kumpels reisen durch die Zeit, um einen Anschlag zu verhindern und sorgen dadurch – wie es nicht anders zu erwarten war – für ordentliches Chaos. Die innerhalb dieses Bandes abgeschlossene Geschichte erschien in den USA Anfang des Jahres und ist gewohnte Wade-Wilson-Kost ohne größere Überraschungen. Bei der derzeitigen Flut an Deadpool-Veröffentlichungen ist die Luft so langsam raus. Entsprechend funktioniert die Formel des großmäuligen und selbstreferenziellen Söldners für mich nur noch bedingt.

4 Comments

  1. Sieht so aus, als hätte zumindest dir No Man’s Sky gefallen. Ich persönlich hatte ja viele Stunden Spaß mit dem Ding. Nur mein Review ist irgendwie nie fertig geworden.

    Kann die Abneigung vieler Leute durchaus verstehen. Sehr spezielles Spiel, für eine sehr kleine Zielgruppe. Schade wegen der vielen Kritik. Einiges ist imo viel zu überzogen.

    Batman gefällt mir auch richtig gut. Geht mir da wie dir. Es gibt wahnsinnig viel Bruce und nicht sooo viel Batman. Passt eh besser zu einem Telltale-Spiel und aus Spielersicht ist es erfrischend anders. Gelungen bisher. Bald bekommen wir ja auch schon Episode 3. 🙂

    • Wie findest du die technische Umsetzung des Batman-Spiels? Es ist schon ein wenig enttäuschend, dass Telltale seit Ewigkeiten mit der veralteten Engine durchkommt, oder???

      • Also im Fall von Batman hat mich die so gar nicht gestört, da es doch stark an einen klassischen Comic erinnert. Mich zumindest. Daher passt es da halt doch irgendwie ganz gut. Grundsätzlich sollten die das Ding aber wirklich Mal über Bord werfen. Gerade weil die Engine dazu neigt, nicht ganz sauber zu laufen und die Telltale-Spiele ganz gern mit Framerateeinbrüchen und Co. kämpfen.

  2. Ich finde die ständigen Ruckler schon extrem nervig. Warum die das nicht auf die Reihe kriegen, frage ich mich?!

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