Der Sommer des Kanye West – Teil 5: Acht Songs, die die Regeln brechen

Teyana Taylor: Nicht nur das Cover ist aufreizend – die Musik ist es auch

Innerhalb weniger Wochen möchte er fünf Alben veröffentlichen. Wird das der Sommer des Kanye West? Mit Projekt Nummer fünf – Teyana Taylors R’n’B-Album „K.T.S.E.“ – bricht er sogar seine eigenen Regeln.

 

Fünf Alben in fünf Wochen – zum Abschluss des Mammutprojekts kam Kanye West endgültig an seine Grenzen. Noch bis in den Veröffentlichungstag hinein arbeitete er an „K.T.S.E.“ – dem zweiten Album von R’n’B-Sängerin Teyana Taylor. Eine Platte, die als der Underdog der fünf Releases bezeichnet werden kann. 2014 erschien ihr Debüt „VII“, das große Hoffnungen weckte, aber keinen Erfolg brachte. Danach folgten eine EP, eine Tochter und letztendlich das Verschwinden von der Bildfläche.

 

Das Talent reichte nicht

 

„K.T.S.E.“ ist eine wichtige Platte. Sowohl für Kanye und sein Label G.O.O.D. Music als auch für die Sängerin selbst. Der von Männern dominierte Sommermarathon erhält endlich eine weibliche Vertreterin, die mit diesem Album noch einmal angreifen möchte. Ihr unbestreitbares Talent reichte in der Vergangenheit nicht. Nicht einmal die Label-Power von G.O.O.D. Music und Def Jam gaben den verdienten Karriereschub. Doch statt diesmal alles richtig zu machen, muss sich Teyana mit unnötigen Listening Partys und Verschiebungen herumschlagen.

 

Schade für Teyana, denn am Ende des Marathons drehte Kanye noch einmal auf und zog die komplette Aufmerksamkeit auf sich. Unter Tränen umarmte er den Louis-Vuitton-Designer Virgil Abloh, die Klage rund um die Tidal-Exklusivität von „The Life of Pablo“ ging in die nächste Runde und Trent Reznor bezichtigte Kanye des Ideenklaus. Und weil nicht nur die Klatschpresse, sondern auch die Kulturjournaille bedient werden wollte, erschienen drei Wochen nach der Veröffentlichung von „Ye“ Lyric-Videos zu „Violent Crimes“ und „All Mine“.

 

Herrschaftsanspruch auf den R’n’B-Thron

 

Dabei hätte „K.T.S.E.“ das volle Scheinwerferlicht verdient. Das Album ist der Höhepunkt eines Veröffentlichungsmarathons, der in der Rückschau einige Tiefen hatte. Weicher klingen hier die Produktionen als noch auf den vier vorangegangenen Platten. Ein für Kanye ungewöhnlich starker Einsatz von Akustikgitarren wird durch die für ihn typischen Vocal-Samples ergänzt. Mit dem überraschenden Closer „WTP“ tastet er sich sogar zur House-Musik vor. Taylor nutzt die elektronische Unterlage, um einen Herrschaftsanspruch auf den R’n’B-Thron zu erheben.

 

Die Platte besteht aus acht Liedern und bricht damit das Sieben-Song-Konzept, das sich durch die restlichen Releases des Marathons zog. Vermutlich eine Entscheidung, die auf die Länge des Albums zurückgeht. Die acht Stücke kommen zusammen trotzdem nur auf eine Spielzeit von 22 Minuten. 22 Minuten, die reichen, um die Klatschpresse mit den nächsten Verrücktheiten zu füllen: Für „Hurry“ soll West das Gestöhne aus Kim Kardashians geleaktem Sextape von 2007 gesamplet haben. G.O.O.D. Music dementierte das bereits.

 

Kein vollständiges Album

 

Zufrieden scheint Taylor mit all dem nicht zu sein. Wenige Tage nach Release von „K.T.S.E.“ erklärte sie, dass das Album nicht vollständig und eine neue Version bereits in Arbeit sei. Weil Samples nicht geklärt werden konnten, strich West ganze Lieder von der Platte. Taylor wusste bis zum Release nichts davon. Sauber scheint West trotzdem nicht gearbeitet zu haben. Ein Rechteinhaber meldete sich aufgrund eines unerlaubt verwendeten Samples im Song „Issues/Hold On“ zu Wort.

 

Mit dem Release von „K.T.S.E.“ hat Kanye seinen Sommermarathon beendet. Das Fazit ist durchwachsen. Spaß haben die zurückliegenden fünf Wochen trotzdem gemacht. So sehr, dass sich ein Freitag ohne Kanye-Veröffentlichung langweilig anfühlt. Doch keine Sorge, Mr. West hat nicht vor, sich auf die faule Haut zu legen. Chance the Rapper und Cyhi the Prynce haben sich bereits für Sieben-Track-Alben ins Gespräch gebracht. Warum nicht? Der New York Times erzählte Kanye, dass er in 52 Wochen, 52 Alben veröffentlichen möchte.

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