Wie Netflix die Sitcom rettet

One Day at a Time: Die Sitcom-Überraschung auf Netflix

Während Zuschauer des linearen Fernsehens auf das nächste „Seinfeld“ warten, liefert Netflix eine Qualitätssitcom nach der anderen ab.

 

Rund um die 2010er befanden sich Sitcoms auf einem Hoch, von dem Pro Sieben mit Dauerwiederholungen zu Nacht- und Tageszeiten noch heute zehrt. „How I Met Your Mother“, „Two and a Half Men“ und natürlich „The Big Bang Theory“ waren die Speerspitzen eines Genres, das überall auf der Welt Topquoten erzielte. Sheldon Cooper und sein Freundeskreis können zwar heute noch mit ordentlichen Zuschauerzahlen glänzen, doch der Innovationslack des Genres blättert so langsam ab.

 

Kevin James versuchte mit „Kevin Can Wait“ das Gefühl seiner Erfolgssitcom „King of Queens“ wiederzubeleben und scheiterte kläglich. „Roseanne“ lief fulminant an, landete nach einem rassistischen Tweet der Hauptdarstellerin jedoch im Giftschrank. Auch „Will & Grace“ kehrten nach zwölf Jahren mit einer neunten Staffel zurück, kassierten aber erst mittelmäßige Kritiken und anschließend mittelmäßige Quoten.

 

Netflix ist die Alternative für alles

 

Die einstigen Sitcom-Stars geraten ins Trudeln. Mal sind es die gelangweilten Zuschauer, mal die Umstände – die große Show von der Sorte eines „Alle unter einem Dach“, „Prinz von Bel Air“ oder „Seinfeld“ ist momentan nicht auszumachen. Zumindest nicht bei den klassischen Fernsehsendern. Sitcom-Fans erhalten ihren Stoff mittlerweile an anderer Stelle. Netflix hat sich als Alternative für ungefähr alles im audiovisuellen Bereich positioniert und folgerichtig auch bei den Sitcoms ordentlich geklotzt.

 

Drei Beispiele stechen besonders hervor: „One Day at a Time“ erzählt die Geschichte einer kubanischen Einwandererfamilie, die sich mit Rassismus, Homophobie und Alkoholismus auseinandersetzt. „The Ranch“ ist ein kleines Familiendrama im republikanisch geprägtem Rancher-Umfeld, das durch Ashton Kutcher Starpower erhält. Und „Fuller House“ kann als zeitgemäßes Zurückbringen eines Sitcom-Klassikers bezeichnet werden.

 

Nicht nur lachen, sondern auch weinen

 

Alle drei Serien trauen sich mehr als nur das plumpe Abfeuern lustiger Sprüche. Sie erzählen staffelübergreifende Geschichten und gestehen ihren Figuren damit Weiterentwicklungen zu. Dass das noch Sitcoms sein sollen, merken die Zuschauer gerade bei „One Day at a Time“ und „The Ranch“ häufig nur durch das eingespielte Gelächter. Die Zuschauer werden auf eine clevere Art herausgefordert und lernen, mit ihren Serienhelden nicht nur zu lachen, sondern auch zu weinen.

 

Natürlich funktioniert nicht alles, das Netflix anpackt. „Disjointed“ ist klischeebehaftete Kiffer-Comedy von „Big Bang“-Macher Chuck Lorre, die zwanzig Jahre nach „Half Baked“ exakt niemand mehr braucht. Trotzdem verleiht der Streaming-Dienst dem Sitcom-Genre eine neue Tiefe und Qualität, von der sich CBS und Co. eine Scheibe abschneiden können. Denn so wie es momentan aussieht, wird das nächste „Friends“ auf Netflix anlaufen.

 

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