Review: Negundo – Inter City

negundoProduzentenalben fallen und steigen mit der Qualität der Rapper. Hat sich Negundo für seine Platte „Inter City“ die richtigen Gäste ins Studio geholt?

 

1977 geboren, gehört Beatbastler Negundo zu den HipHop-Aktivisten, die sich noch lebhaft an die „gute alte Zeit“ erinnern können. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb sein Produzentenalbum „Inter City“ trotz des Speichermediums CD stilecht im Vinyl-Retro-Look erschienen ist. Bei einer Spielzeit von 80 Minuten stelle ich mich erst einmal auf das Schlimmste ein. Im Kopf schwirren Gedanken umher, in denen ich mich darüber auskotze, dass ich nun kostbare Lebenszeit an ein überladenes 0815-Produkt verschwenden muss. Nach dem ersten Hördurchgang kann ich aber erleichtert sagen, dass das mit „Inter City“ nicht der Fall ist.

 

Da Negundo ein leidenschaftlicher Beatbastler ist, dessen Können im Mittelpunkt dieser Review stehen sollte, fange ich gleich mit den Instrumentals der 21 Stücke an. Und da braucht sich der in der Nähe von Magdeburg lebende Knöpfchendreher nun wirklich nicht hinter seinen Kollegen zu verstecken. Mal klingen die Beats warm, mal fetzig synthetisch – der Kopf nickt meistens mit.

 

Eine Producer-Platte steigt und fällt jedoch in 99,9% der Fälle mit den Wortakrobaten am Mikrofon. Positiv fallen hier John E. Rockos kräftiger Startschuss „Turn The Dogs Loose“, Jintaninos berührend ehrliches „Beschlossene Sache“, das melancholische „Zeig mir“ mit Kontra Stylez, Kaos und Anna sowie der Powerhouse-Track „Schlachtengesang“ von Arthur Rayden und RC Lung auf. Dem stehen eher mittelmäßige Stücke wie das inspirationslose „Smoke Jane“ von Nonsenz, das 1999 stehen gebliebene „Zeit“ von Aromatika und Grohs & Gülenays Ekelknüppel „Irgendwo in Mitte“ gegenüber.

 

Alles in allem ist das Gebotene dennoch überdurschnittlich gut. Deutsche, russische, polnische, französische und englische Lyrics, große Themenvielfalt und Rapper aus allen Teilen Deutschlands ergeben ein abwechslungsreiches Album, das von einem kohärenten Soundbild zusammengehalten wird. Negundo schenkt uns mindestens eine Handvoll Tracks für den mp3-Player und ein Gesamtwerk, das nicht verschwinden, sondern seinen verdienten Platz im CD-Schrank erhalten sollte.

 

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