Black Nate Debiase: Wie ich auf dem Hollywood Blvd. verarscht wurde!

viele Menschen auf dem Hollywood Boulevard

 

Opfer von Trickbetrügern zu werden, ist keine schöne Sache. Nicht nur der finanzielle Schaden belastet, auch die Scham eine List nicht durchschaut zu haben, lässt an der eigenen Intelligenz zweifeln und nagt somit gehörig am Selbstwertgefühl. Abgesehen von dem einen oder anderen Videospiel-Trailer, der die unglaublichste „Experience“ verspricht, das fertige Produkt dann aber doch nur bereits zehnmal gesehener Einheitsbrei ist, hatte ich bisher noch keine Erfahrungen mit Trickbetrügereien machen müssen. Bis zu einem schicksalhaften Septembertag auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles.

 

Direkt auf der berühmtesten Straße von Los Angeles – zwischen Walt Disneys und Marylin Monroes Stern – sprach mich ein netter junger Mann namens Nate an. Etwas aufgeregt, laut und aufdringlich war er zwar schon, ich erklärte mir dies aber mit dem allgemeinen Lärmpegel und der Hektik auf dem Hollywood Boulevard. Er sei Rapper und würde mir gerne seine selbstgebrannte CD schenken. Er bemerkte mein Interesse, schob eine Spendenbitte hinterher und machte schlussendlich ein Verkaufsgespräch daraus. Ich fand dies nicht schlimm, denn mein Plan war es sowieso, noch während meines USA-Aufenthalts Musik von einem Straßenmusikanten zu kaufen. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Nate hatte meine volle Aufmerksamkeit.

 

Wate? Nein, Nate!

Sein Verkaufsmodell bestand aus dem bei Indie-Bands beliebten „Name Your Price“-Prinzip. Ich dachte an fünf Dollar, er wies mich aber immer wieder darauf hin, dass seine sonstigen Kunden in der Regel zehn Dollar zahlen würden. Noch bevor wir uns auf einen Preis einigen konnten, unterschrieb er mit einer unmöglichen Krakelschrift die weiße Papierhülle, nur um das als Argument zu nutzen, dass die CD nun nicht mehr für andere Kunden verkäuflich wäre. Kein Problem, ich wollte die CD ja so oder so haben. Leider hatte ich nur einen zehn Dollarschein parat, konnte mir mit Mühe und Not mein Wechselgeld jedoch zurückverhandeln.

 

Wir schmissen uns noch ein paar Floskeln an den Kopf, was sich aber als nicht sonderlich ergiebig herausstellte. Nate war mit den Gedanken schon beim nächsten Kunden, plapperte noch irgendetwas von „I’m a hard working man“ und „it’s a movement“ und verschwand in der Menschenmenge. Ich betrachtete den Flyer, der in der Hülle steckte, und freute mich über Westcoast-Rap direkt von der Quelle. Damit bin ich in Deutschland der coolste Typ der Clique, dachte ich mir. Der Flyer bewarb Nates Musik und Social-Media-Plattformen. Twitter, Facebook, YouTube, Instagram, SoundCloud… Nate ist überall und hat überall den gleichen Profilnamen: @blacknatedebiase!

 

die Deluxe Box des kleinen Mannes

Black Nate Debiase hieß also mein neuer Lieblingsrapper aus der Stadt der Engel. Der Mann ist noch Straße, der ist noch an der Basis, der hustlet noch für sein Geld. „Still keepin it 100%“, wie es der Beipackzettel nicht zu Unrecht beschreibt. Wieder in Deutschland angekommen, kam die bittere Erkenntnis, dass ich es leider nicht mit meinem neuen Lieblingsrapper zu tun hatte, sondern mit einem Trickbetrüger, der mir tatsächlich einen leeren Rohling für fünf Dollar verkaufte. Okay, im ersten Moment dachte ich, Nate vergaß möglicherweise einfach nur das Brennen, weshalb ich ihm das recht belustigt über Twitter mitteilen wollte.

 

Leider existiert kein Black Nate Debiase unter der auf dem Flyer angegebenen Adresse auf Twitter. Oh je, da hat wohl irgendein Dude einen Rapper imitiert und mich rotzfrech verarscht. Was für ein Hund! Was soll’s, diesen fünf Dollar trauere ich in keiner Weise hinterher, im Gegenteil, die Geschichte ist ziemlich witzig und außerdem kann ich den Rohling – immerhin ein teurer von Philipps – wiederverwenden. Auf Twitter habe ich einige Leidesgenossen gefunden, die ebenfalls Opfer des Rapper-Tricks geworden sind.

 

 

Update: Wenn man im Internet nach Black Nate Debiase sucht, gibt es tatsächlich einige Treffer. Vermutlich ist der gute Nate einfach nur nicht fähig, Rohlinge zu brennen und die korrekten Adressen seiner Social-Media-Profile anzugeben. Hier geht es zu seiner Website!

 

 

Im Internet existiert auch das folgende Video, in welchem Nate dabei gefilmt wird, wie er seine CDs vertickt. Da das Video bereits dreieinhalb Jahre alt ist, liegt die Vermutung nahe, Nate hat die Musik mittlerweile aufgegeben und sich komlpett auf das Verticken von Rohlingen konzentriert. In dem Gewusel auf dem Hollywood Boulevard trifft man sich eh nicht zweimal.

 

4 Comments

  1. Sehr lustig in meinem Urlaub im November 18 hab ich auch eine CD von dem Herren erworben aber zumindest hatte ich Glück und meine war mit 12 Liedern Beispielt aber interessant das es anscheinend ein guter Markt ist wenn er es über soviele Jahre macht

    • Wie haben dir die zwölf Lieder denn gefallen? Zu gerne hätte ich mir das komplette Album angehört.

      • Sehr interessant dein Beitrag,, habe gerade einfach mal nur wieder so nach ihm gegoogelt. Mir hat „er“ 2012 (!) an gleicher Stelle eine signierte Disc gegen „Spende“ überreicht und ich hatte 13 Tracks drauf, sind auch ganz coole dabei 🙂 Hatte damals die gleichen gedanke wie du, etwas von einem armen Straßenmusiker zu kaufen^^

        • Da hatte ich wohl tatsächlich Pech und griff genau zu der CD, die er nicht richtig gebrannt hatte. Aber immerhin habe ich jetzt eine Geschichte zu erzählen. 🙂

          Vielen Dank für dein Kommentar und beste Grüße!

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