Review: Gorillaz – Humanz

„Humanz“ von den Gorillaz erschien am 28. April

Eines der besten Statements zum Zustand der Menschheit kommt ausgerechnet von einer virtuellen Band. Die „Humanz“ verändern sich und die Gorillaz haben die Musik dazu veröffentlicht.

 

Blur-Frontmann Damon Albarn und „Tank Girl“-Zeichner Jamie Hewlett haben es noch einmal getan und die erfolgreichste virtuelle Band der Welt zurückgeholt. Sieben Jahre sind seit dem letzten Studioalbum der Gorillaz vergangen. Sieben Jahre, in denen sich die Welt gefühlt auf den Kopf gestellt hat. Es klingt wie eine Pauschalisierung, doch alles wird immer extremer. Die Leute reagieren immer aggressiver. Und das „Ich & die“-Gefühl übernimmt immer mehr die Kontrolle in der Denke. Der richtige Zeitpunkt für 2-D, Murdoc Niccals, Russel Hobbs und Hoodle, um sich gemeinsam mit einer so großen Gästeschar wie noch dem Status quo der Menschheit zu nähern.

 

„At times, I feel like givin‘ up!“

 

„Humanz“ ist kein politisches Album im klassischen Sinne. Protestplatten nehmen immer noch andere Musiker auf und können das im Zweifel auch besser. Die derzeit so düstere Stimmung fängt das Album trotzdem ein: „At times, I feel like givin‘ up / ‚Cause it feels like I’ve had enough”, rappt sich Danny Brown in „Submission“ den Frust der Machtlosigkeit von der Seele. Doch nicht jeder Song ist so eindeutig wie dieser oder auch das im Vorfeld heiß diskutierte „Hallelujah Money“. Ob der Katalysator für die Krisenstimmung ein westliches Staatsoberhaupt mit orangener Haut oder doch nur die gute alte Liebe ist, wird nicht immer klar. Raum für Interpretationen ist vorhanden.

 

Albarn selbst erklärte in Mistajams Show auf BBC Radio 1, dass das „z“ im Albumtitel „Humanz“ für die Veränderung stünde, die die Menschheit derzeit durchmacht. Ob diese Veränderung gut oder schlecht enden wird, kann zumindest nicht aus der Platte herausgehört werden. Der Grundton ist düster, trotzdem lässt es sich dazu tanzen als fiele die AfD unter die Fünfprozenthürde. Was mit Alternative Rock auf der ersten Platte von 2001 begann, hat sich im Laufe der Jahre immer weiter geöffnet. Auf „Humanz“ kann nicht mehr nur von einem Einschlag gesprochen werden, nein, „Humanz“ wird von elektronischen Klängen beherrscht.

 

Selbst Grace Jones ordnet sich unter

 

Sei es der Bumsbeat, der in „Momentz“ auf frechen Kindergesang trifft, der Kuschel-R’n’B in „Andromeda“, das bedrohlich voranrollende „Carnival“ oder der Dancehall-Ausflug in „Saturnz Barz“ – kaum eines der 14 Lieder kommt ohne Gastbeiträge aus. 16 Künstler und Gruppen unterstützen die Gorillaz am Mikrofon, trotzdem klingt „Humanz“ in sich schlüssig. Selbst eine Legende wie Grace Jones ordnet sich in „Charger“ dem übergeordneten Bandsound unter. Da fällt auch erst auf den zweiten Blick auf, dass es nur wenige Platten schaffen, mit unter anderem De La Soul, Pusha T und Vince Staples gleich drei Generation von HipHop-Künstlern zu vereinen.

 

Menschen müssen zusammenkommen, um etwas Gemeinsames zu schaffen. Das ist ein vielversprechender Ansatzpunkt, den die Gorillaz seit ihrem ersten Album leben. Damon Albarn geht auf „Humanz“ noch einen Schritt weiter. Er hat sich mit seinem Oasis-Erzfeind Noel Gallagher versöhnt und den programmatischen Albumrausschmeißer „We Got The Power“ geschrieben. Bei so viel inhaltlicher Ernsthaftigkeit kann Jeremy Winograd vom Slant Magazine nur recht gegeben werden: „If we can’t even count on a virtual band to deliver effective escapism from the horror show that is 2017 for a full 50 minutes, can we get it anywhere?”

 

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