Review: Casper – Lang lebe der Tod

Casper bringt 2016 endlich ein neues Album auf de

Casper sorgt mit „Lang lebe der Tod“ nicht gerade für gute Stimmung. Muss er auch nicht, denn mit seinem vierten Studioalbum hat er Musik geschaffen, die mehr Wert ist als die nächste Party, durch die alles vergessen werden soll.

 

Am 23. September 2016 hätte „Lang lebe der Tod“ erscheinen sollen. Erst zwölf Monate später stand die Platte tatsächlich in den Läden. „Mir war es immer wichtig, das Bestmögliche abzuliefern und nicht im Sinne des schnellen Geschäfts einfach ‚rauszuhauen‘ – mehr als je zuvor auch bei dieser Platte“, begründete Casper vor einem Jahr auf seiner Facebook-Seite die Verschiebung. Im Rahmen der aktuellen Albumpromotion machte es der Rapper jedoch in vielen Interviews klar: Ihm ging es mental nicht gut, er war ausgebrannt. Diese Stimmung zieht sich durch „Lang lebe der Tod“, das als Caspers wohl dunkelstes Album bezeichnet werden kann.

 

„Ein Jahr mehr Zeit und trotzdem nur zehn Lieder?!“

 

Mit zehn Songs ist die Tracklist überschaubar ausgefallen, was bei vielen Fans auf Unverständnis stieß. „Ein Jahr mehr Zeit zum Arbeiten und trotzdem nur zehn neue Lieder“, ließen sich vereinzelte Anhänger in den Kommentarbereichen des Internets aus. Doch die Qualität eines Albums definiert sich nicht über die Anzahl der darauf enthaltenen Lieder. In der Geschichte der populären Musik waren es gerade die kürzeren Werke, die den größten Einfluss hatten. Darüber hinaus kommt einem Blockbuster-Album wie „Lang lebe der Tod“, das musikalisch und inhaltlich auf 40 Minuten genug Stoff zum Verarbeiten bietet, diese Reduzierung nur zugute.

 

Casper steigt auf dem Opener mit seinem charismatischen „Ahhhh“ ein. Der Flexer-Casper, der Rap-Fanatiker, der XXXXL-T-Shirt-Träger ist auf kompletter Albumlänge trotzdem nicht zurückgekehrt. „Lang lebe der Tod“ ist eher „XOXO“ als „Hinterland“, lässt aber immer wieder Nuancen von „Hin zur Sonne“ durchblitzen. Der in Lemgo geborene Musiker schreibt nach wie vor Hymnen, die man von einem verschneiten Berggipfel ins Tal hinunterbrüllen kann. Statt Thees Uhlmann singt jedoch Drangsal auf dem „XOXO“-ähnlichen „Keine Angst“ – anderer Sänger, ähnlicher Sound. Sechs Jahre später klingt das zeitgemäßer als man vermutet.

 

Casper holt zum Befreiungsschlag aus

 

Textlich setzt Casper zum Befreiungsschlag an. Nicht das große Ganze, sondern sein Seelenfrieden steht im Mittelpunkt. „Bin eingeladen aber geh zu der Preisgala da nicht hin, will die scheiß Nazis gar nicht sehen“, rappt er auf „Lass sie gehen“, um ein paar Zeilen weiter auch noch gegen eine bekannte deutsche Tageszeitung auszuholen: „Bild mir keine Meinung aus dieser Zeitung, die von Verleumdungen lebt“. Deutschland behandelt Casper wie einen Star, er selbst scheint sich in der Rolle nicht wohlzufühlen. Für die allgemeine Belustigung das Zirkustier zu spielen, kommt nicht in Frage: „Spring durch den brennenden Reif, tanz‘ auf dem heißen Eisen, zeig‘ die Beißer, ja, führt ihn im Kreis“.

 

In „Morgellon“ prangert Casper das Verhalten von Menschen an, die ihre Lösungen in einfachen Wahrheiten suchen. Doch Casper nutzt „Lang lebe der Tod“ nicht nur, um Missstände anzuprangern. Er baut mit dem Album eine Mauer auf, die ihn vor Bösem schützen soll. Die passende Motivationsrede kommt am Ende von „Alles ist erleuchtet“ direkt aus dem Munde des BasedGods Lil B: „Keep lettin‘ your life shine. Keep on glowin‘. Look at you, you look amazin‘ tonight.“ Wer es nach den ersten sieben Liedern noch nicht verstanden hat, wird mit “Deborah” endgültig darauf hingewiesen. Casper kämpft mit seiner seelischen Gesundheit. Darüber hat er mit „Lang lebe der Tod“ ein Album geschrieben, das perfekt ist, so wie es ist.

 

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