Review: Agrip Nassim – Hayet

Ursprünglich sollte Agrip Nassims Album “Hayet” (zu Deutsch “Leben”) über EMI veröffentlicht werden. Aufgrund des immer größer werdenden Konflikts zwischen islamischen und christlichen Glaubensgemeinschaften entschieden sich die großen Plattenbosse gegen ein Release des Tonträgers unter ihrem Banner.

 

Denn was Agrip Nassim auf der in edler Metallhülle daherkommenden Platte von sich gibt, ist mehr als nur eine objektive Betrachtungsweise zu aktuellen Themen wie Terrorismus, Glaubenskriege und US-amerikanischer Außenpolitik. Hier rappt der 24jährige Tunesier seine ganze Trauer, seinen ganzen Hass aus sich heraus.

 

Von Wut und Leid geprägt

 

Auf dem Opener „Blutiger Staub“, der auch als erste Singleauskopplung dient, kann man einem jungen von Wut und Leid geprägten Menschen hören, der sich fragt, warum seine Schwestern und Brüder wegen geldgeilen Menschen wie George Bush leiden müssen. Auf weiteren Tracks wie dem bewegenden „Palästina“ führt Agrip diese Inhalte konsequent fort.

 

Doch auch härtere Ansagen wie der Aggro-Berlin-Diss „Hessenstyle Kanaken“ oder „Bloodsport“ mit Kidbull am Gastreim befinden sich auf „Hayet“. Hier präsentiert sich der aus einem Frankfurter Vorort stammende Rapper als aggressiver und nicht zu bändigender Rapper, der spürt, dass er von dieser Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Sprüche wie „Wo es keine Gespräche mehr gibt, beginnt die Gewalt“ (von Sokrates) werden nicht umsonst in der Presseinfo zitiert.

 

Ausbaufähige Technik

 

Das alles täuscht nicht über Agrip Nassims Defizite hinweg. Auf der einen Seite schafft er es überzeugend Gefühle, Ängste und Wut zu transportieren, auf der anderen Seite ist es anstrengend das komplette Album am Stück zu hören. Nassims Flow ist – gelinde gesagt – ausbaufähig. Und auch die Reimtechnik und Metaphern hätten ein wenig raffinierter ausfallen können.

 

Dennoch ist „Hayet“ ein interessantes Album mit definitiver Daseinsberechtigung. Wenn Aggrip Nassim seinen eingeschlagenen Weg weitergeht, könnte aus dem noch unbeholfen wirkenden Reimer ein echter Ausnahmerapper werden, der sich an die ganz heißen Themen heranwagt.

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