Musik-Review: Heppy – Kill All Humans!

Mit „Kill All Humans!“ beweist Heppy, dass wir für die Apokalypse keine Schutzbunker, sondern Tanzschuhe brauchen.

 

Wer Heppy auf die Musik reduziert, verpasst einiges. Der 26-Jährige verfolgt ein audiovisuelles Gesamtkonzept, für das er so wenig Verantwortung wie möglich aus der Hand gibt. Seine neue EP „Kill All Humans!“ legt davon Zeugnis ab. Zum Minialbum gehören nicht nur sieben Songs, sondern auch zwei aufwändig produzierte Musikvideos, für die er höchstpersönlich mit Regieklappe und Schere hantierte.

 

Was der Plattenschrank der Eltern hergibt

 

Klassischer Rap-Sound spielt für Heppy seit gefühlt zehn Veröffentlichungen keine Rolle mehr. Stattdessen mischt er Hip-Hop mit allem, was der Plattenschrank seiner Eltern hergibt. „Kill All Humans“ klingt trotzdem nicht wie ein zusammengewürfeltes Soundexperiment, das direkt aus Ilja Richters Disco-Hölle stammt. Das musikalische Mittel seiner Wahl ist Electroswing. Dieser klingt, als hätte er die Cantina Band besoffen und dann zu Hip-Hop-Fans gemacht. Miesepeter Chewbacca würde gute Laune bekommen.

 

Heppy rappt mit gepresster, fast schon heißerer Stimme. Das muss er auch, würde er doch ansonsten auf den üppig ausproduzierten Instrumentalen untergehen. Bei flüchtigen Hördurchgängen lenken die Beats von den Texten ab. Was schade ist, hat Heppy doch einiges zu sagen. Der desolate Zustand dieser Welt ging auch an ihm nicht spurlos vorüber. Effekthascherische Holzhammerkritik – wie es der EP-Titel vermuten lässt – kam dem Schwaben trotzdem nicht aufs Textblatt.

 

Musik und Texte stehen im Kontrast

 

„Mein Telefon hat Bauchweh“ tadelt die unaufhaltsame Digitalisierung der Welt. „Schwing die Hüfte“ zählt erst Probleme auf und liefert dann per Tanzbefehl den richtigen Umgang mit ihnen. Und „Träumen Zeitreisende von multiplen Dimensionen“ versprüht mit dem Wunsch nach einem besseren Leben mehr Schwermut als Hoffnung. Dabei stehen Musik und Texte in einem Kontrast, durch den die Inhalte erst verdaulich werden.

 

Autotune und Trap-Beats gehören nicht zu Heppys Werkzeugen. Eigenständig und zugänglich – Heppy grenzt sich mit „Kill All Humans!“ ein Stück mehr von der deutschen Hip-Hop-Szene ab. Dabei bringt er Bewegungsapparate mit Beats in Fahrt, die Genre-Grenzen sprengen. Von der tanzbaren Oberfläche sollten sich alle anstecken, aber trotzdem niemand täuschen lassen. „Kill All Humans!“ entwickelt auch inhaltliche Tiefe.

 

Mehr über Heppy lesen!

Anfang des Jahres sprachen wir mit Heppy über Kunstfiguren, Kompromisse und seine Hip-Hop-Historie. Das Interview findet ihr hier!

 

Wo gibt’s die EP?

„Kill All Humans!“ könnt ihr hier hören und hier kaufen.

 

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