Mein USA-Tagebuch: Hawaii (Teil 8)

Im September 2016 bin ich drei Wochen durch die USA gereist: Burlingame, San Francisco, Santa Cruz, Monterey, Pismo Beach, Los Angeles, Hawaii, New York. In meinem USA-Tagebuch erzähle und zeige ich euch, was ich alles erlebt habe. Von Segnungen in hawaiianischen Sandwichläden bis zu 163-Dollar-Rechnungen in New Yorker Sportkneipen lasse ich nichts aus – jeden Samstag gibt es eine neue Ausgabe meines USA-Reiseberichts!

 

Flughafenausgang in Honolulu

Während ich mir beim Hotelfrühstück in Los Angeles noch darüber Gedanken machte, wann ich an welchem Flughafenterminal erscheinen muss, um meinen Flieger nach Hawaii rechtzeitig zu erwischen, kam ein ganz schlauer Hotelgast auf die Idee, seinen Schoko-Donut zu toasten. Der Brotröster ging in Flammen auf, woraufhin im Frühstücksraum heilloses Chaos ausbrach. Ich verabschiedete mich von dem Gedanken, mir noch einen weiteren Bagel knusprig zu machen. Egal, denn ich wollte mir sowieso nicht allzu viel Zeit lassen, da ich meinen Mietwagen und die in den letzten Tagen angesammelten Pfandflaschen loswerden musste. Ihr kennt es aus bereits erschienenen Tagebuchteilen: Die Flaschen ließ ich samt Trinkgeld im Papierkorb des Hotelzimmers zurück. Den Mietwagen konnte ich in der Nähe des weltberühmten LAX abgegeben. Den Weg zum Terminal bestritt ich mit einem Shuttle-Bus, der von einem sehr amüsanten Typen namens Aaron gefahren wurde. Er machte es sich zur Aufgabe, während der zwanzigminütigen Fahrt ein Showprogramm vom Stapel zu lassen, das nach einer großen Samstagabendsendung schrie. Der dicke schwarze Busfahrer im vorangeschrittenen Alter begrüßte spießige weiße Touristen mit High-Five und einem „What’s up, Brother?“, spielte einen völlig verballerten Reiseführer, indem er uns Schrottplätze als Sehenswürdigkeiten verkaufte und behauptete zur Belustigung der restlichen Fahrgäste, ich hätte mein Terminal verpasst. Der Verzweiflung nahe, bemerkte ich, dass ich hereingelegt worden war, worüber ich mich ein wenig geschämt hatte.

 

die Skyline im Hintergrund

Nach sechs Stunden im Flugzeug der United Airlines kam ich in Honolulu, der rund 340.000-Einwohner-großen Hauptstadt des Bundesstaates Hawaii, an. Der Airport wurde tatsächlich mit Ukulele-Musik beschallt, die Angestellten trugen Hawaii-Hemden und über der Treppe am Ausgang war ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Aloha“ angebracht. Klischees können die Hawaiianer also schon mal. Meine ersten Schritte an der frischen Luft machten mich ebenso fertig, denn die Hitze und vor allem die extreme Luftfeuchtigkeit, die die Luft unangenehm dick wirken ließ, habe ich bis dato noch nirgendwo erlebt. Mein Körper fühlte sich an, als hätte er einen permanenten Schweißfilm auf der Haut. So ein Klima ist wirklich nur zum Urlaubmachen geeignet. Alles andere wäre die reinste Verschwendung. Hieße ich mit Nachnamen Kachelmann, würde ich an dieser Stelle möglicherweise mehr über das Wetter berichten, aber während meiner ersten Stunden auf Hawaii habe ich noch viele andere Eindrücke gesammelt, die ich so nicht erwartet hätte. Dass die Hauptstadt Honolulu eine richtige Skyline besitzt, war mindblowing bzw. gehirnwegblasend. Honolulu besitzt die viertmeisten Hochhäuser der USA und liegt damit noch vor San Francisco. Allein zehn Gebäude überschreiten eine Höhe von 120 Metern. Der Unterschied zu New York, Chicago und Los Angeles ist aber, dass es sich in Hawaii um Bettenburgen handelt. Am Ende ist Honolulu eben nur das Palma de Mallorca des Pazifiks und – zumindest an den Stellen, die ich gesehen habe – kein Postkartenort mit einsamen Stränden und Luxushütten unter Palmen.

 

meine Unterkunft

Untergebracht war ich in einem eher mittelmäßigen Hotel im von asiatischen und australischen Touristen überlaufenen Stadtteil Waikiki. Gerade für asiatische Pärchen scheint es nichts Schöneres zu geben, als auf Hawaii zu heiraten. Ein Brautpaar nach dem anderen lief mir in voller Hochzeitsmontur über den Weg. Erschreckend musste ich feststellen, dass ich nach der Sichtung des zwanzigsten Pärchens einen ähnlich verächtlichen Blick drauf hatte wie in Deutschland bei Junggesellenabschiedsgruppen. Nachdem in Waikiki um 1880 die ersten Hotels gebaut wurden, entwickelte sich der Stadtteil schnell zur größten Urlaubshochburg Hawaiis. Entsprechend teuer sind auch die Lebensmittel- und Souvenirshops. Essen und Trinken muss trotzdem sein, also rein in den Supermarkt. Kleiner Fun Fact: Es gibt Bier auf Hawaii. Das sonstige Angebot ist dennoch stark auf das asiatische Publikum ausgerichtet, was sich auch an den unzähligen japanischen und chinesischen Restaurants zeigt. In meinem Hotel musste ich ein weiteres Mal feststellen, worauf es in amerikanischen Mietzimmern ankommt: Klimaanlage, Mikrowelle und diesmal auch eine PlayStation 3. Wow. Das täuschte aber nicht über die ungemütliche Bahnhofskloatmosphäre hinweg, die durch die voll verspiegelten Wände zustande kam. Nein, dieses Hotelzimmer mochte ich nicht. Abgesehen von der ab und an genutzten Möglichkeit „WWE Raw“ und „WWE SmackDown“ auf dem USA Network live sehen zu können, wollte ich sowieso nicht allzu viel Zeit im Hotel verbringen.

 

„Brown Paper Bag“

Meine erste intensive Berührung mit dem Pazifik erlebte ich in Waikiki Beach. Zum Glück habe ich mir vorher noch Flip-Flops – die String-Tangas für die Füße – gekauft, sonst hätte ich den feinen weißen Sand nie wieder aus meinen Sneakern herausbekommen. Keine Minute im Meer und schon schlug ich mir die Hand an einem Stein an. Ein kleiner Kratzer plus ein blauangelaufener Handballen waren meine Trophäen. Ich zahlte es dem Pazifik heim, indem ich ihn als die größte Toilette der Welt missbrauchte. Die Natur revanchierte sich anschließend mit einem kleinen aber schmerzhaften Sonnenbrand. Daraufhin hatte ich nix mehr zu verlieren, riss mir eine braune Einkaufstüte zurecht und trank mein eigentlich für später gekauftes Bier ganz stilecht per „Brown Paper Bag“. Eine sehr umständliche Art, Alkohol zu konsumieren. Kein Wunder, dass die Amis keinen englischen Begriff für „Wegbier“ haben. Trotzdem machte ich mich mit einem zweiten Brown Paper Bag auf den Weg in einen Sandwichladen, wo ich eine nette ältere Dame kennenlernte, die vor einigen Jahren vom Festland nach Hawaii gezogen war. Ich bat sie um ein paar Tipps, die der typische Urlauber aus Deutschland nicht kennen würde. Sie nannte mir erst ein Restaurant und dann ihre Kirchengemeinde und deren Gottesdienstzeiten. Bevor ich mich von ihr verabschieden konnte, erkundigte sie sich nach meinem Namen, nahm meine Hand und segnete mich mit den Worten: „…whatever Stefan will do in Germany, god will bless him!“

 

Galerie: Impressionen von Hawaii

 

Im neunten Teil erkunde ich den Traumstrand Hanauma Bay, den Manoa-Wasserfall und den Diamond Head. Außerdem mache ich Honolulu unsicher, indem ich einen Comedy Club und den Plattenladen Hungry Ear Records besuche.

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