Kurz & knapp #74: David Allred, Steve Lacy, On My Block, Devil May Cry 5…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Seba Kaapstad, Guts, David Allred, Witten Untouchable, Steve Lacy, $uicideboy$ & Travis Barker, On My Block, How To Sell Drugs Online (Fast) & Devil May Cry 5.

 

Seba Kaapstad „Thina“

Seba Kaapstad besteht aus Südafrikanern, Swazi und Deutschen. Entsprechend viele Einflüsse verarbeitet das Quartett auf dem Album „Thina“. Afrikanische Polyrhythmen, Neo-Soul und elektronische Einsprengsel vermischen sich zu einem lebensbejahenden Sound. Die zwölf Stücke nehmen sich Zeit zum Scheinen, indem viele Lieder mit ausufernden Instrumentalen beginnen oder enden. Ein Album, das in seiner Schönheit Zusammenhalt symbolisiert. +++ Eigentlich wollte Guts zu seinen Wurzeln zurückkehren und ein Album mit Hip-Hop-Beats produzieren. Der Franzose entschied sich am Ende für das Gegenteil: Zusammen mit seiner Band Pura Vida nahm er ein Album auf, das auf Instrumente statt Computer setzt. Das, was auf „Philantropiques“ passiert, bezeichnet der Musiker als „Afro-tropical“. Stücke wie „Sa Ce Kado“ oder „Nosso Carimbo E Do Mundo“ gehen in Ohr und Bein und strahlen einen unwiderstehlich lebensbejahenden Vibe aus. +++ Songwriter David Allred nimmt sich auf dem Mini-Album „The Cell“ deutlich zurück. Nur auf drei der sieben Stücke singt er. Zu einem tieftraurigen Klavier und melancholischen Streichern erzählt er von einer Welt, die immer verrückter wird. Die vier instrumentalen Lieder befeuern die Stimmung zwar, mehr Raum für Allreds charismatische Falsettstimme wäre allerdings wünschenswerter gewesen.

 

Witten Untouchable „Trinity“

Ich will raus aus der Dunkelheit, weg von den Problemen“, klagt Magic Mess bereits im Intro und setzt damit den Ton des dritten Albums von Witten Untouchable. Zusammen mit Lakman und Al Kareem beschreibt er auf „Trinity“ ein düsteres Leben, in dem es zwar Liebe für die Sache, aber nur sehr wenig Geld gibt. Die drei Hip-Hop-Urgesteine battlen erst gegnerische MCs und danach sich selbst durchs Leben. Rap mit Herz, der klingt, als wäre er aus der Zeit gefallen. +++ Hauptberuflich spielt Steve Lacy bei der kalifornischen Soul-Band The Internet Gitarre. Der gerade einmal 20 Jahre junge Künstler arbeitete aber auch als Studiomusiker und Beatproduzent für Größen wie Solange, Vampire Weekend, Blood Orange, Mac Miller und Kendrick Lamar. All diese Einflüsse vereint er nun auf seinem Solodebüt „Apollo XXI“. Ob eingängige Soul-Pop-Stücke wie „Hate CD“ und „Love 2 Fast“, instrumentale Verschnaufpausen wie „Amandla’s Interlude“ oder Epen in mehreren Akten wie „Like Me“ – Lacy pfeift auf Konventionen. Das macht „Apollo XXI“ zu einem so abwechslungsreichen wie patenten Stück Musik. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Crossover-Freunde: Die $uicideboy$ teamen für die EP „Live Fast Die Whenever“ mit Travis Barker von Blink 182. Und weil doppelt besser hält, darf auch Korn-Gitarrist James Shaffer mitmachen.

 

On My Block

Die zweite Staffel der Coming-of-Age-Serie On My Block schließt direkt an die Ereignisse der ersten an. Monse, Cesar, Ruben und Jamal halten den Kopf in einer Gegend oben, die von Gangkriminalität und Perspektivlosigkeit geprägt ist. Dass die Netflix-Produktion trotzdem auf Humor setzt, macht die zum Teil schrecklichen Schicksale der Hauptfiguren erträglich. „On My Block“ ist eine wichtige Serie, da sie das Leben in den sozialen Brennpunkten US-amerikanischer Großstädte nachvollziehbar und in keiner Weise sensationserhaschend darstellt. +++ Die deutsche Netflix-Serie How To Sell Drugs Online (Fast) beruht auf der wahren Geschichte des 18-jährigen Maximillian S., der 2013 über das Internet Drogen im Wert von fast vier Millionen Euro verkaufte. Weil er als Badass gelten und damit seine Ex-Freundin zurückgewinnen möchte, versucht Moritz mit seinem Kumpel Lenny in den sechs Episoden ähnliches. Die Coming-of-Age-Serie mit starkem Comedy-Einschlag wirkt dank Bild-in-Bild-Szenen von Chatfenstern und Augmented-Reality-Elementen nicht nur modern, sondern fürs Auge auch frisch. Leider lässt sich nicht jede unlogische Handlungsweise mit der jugendlichen Naivität der Protagonisten schönreden. Dennoch hat die Kölner bildundtonfabrik auf internationalem Niveau abgeliefert.

 

Devil May Cry 5

Wer mit Devil May Cry 5 in das „DMC“-Universum einsteigt, wird sich von der wirren Geschichte völlig überfordert fühlen. Da hilft auch der beigelegte Rückblick auf die vorangegangenen Serienteile nichts. Egal, denn im Vordergrund steht sowieso das Hack’n’Slay-Gameplay, das über jeden Zweifel erhaben ist. Dieses entfaltet sich allerdings erst im zweiten Spieldurchlauf, wenn alle Erweiterungen gekauft und die nervigen Tutorials überstanden wurden. Neben Dante, der das komplexeste Move-Set besitzt, kämpfen sich Nero und Serienneuling V durch die Gegnermassen. Letzterer lässt die Schlachtarbeit von dämonischen Begleitern erledigen, deren Angriffe per Knopfdruck gesteuert werden. Dadurch kommt zwar frischer Wind in die Serie, der Anspruch bleibt aber auf der Strecke, da sich nur durch Button-Smashing hohe Punktwertungen erzielen lassen. Optisch macht „Devil May Cry 5“ einen guten Eindruck. Im letzten Spieldrittel hapert es im Level-Design jedoch an Abwechslung. Trotz aller Schwächen überzeugt Capcoms Action-Adventure mit einer Spieltiefe, die sich erst nach mehreren Anläufen vollständig entfaltet. Dranbleiben lohnt sich also.

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