Mein USA-Tagebuch: Anreise (Teil 1)

Im September 2016 bin ich drei Wochen durch die USA gereist: Burlingame, San Francisco, Santa Cruz, Monterey, Pismo Beach, Los Angeles, Hawaii, New York. In meinem USA-Tagebuch erzähle und zeige ich euch, was ich alles erlebt habe. Von Segnungen in hawaiianischen Sandwichläden bis zu 163-Dollar-Rechnungen in New Yorker Sportkneipen lasse ich nichts aus – jeden Samstag gibt es eine neue Ausgabe meines USA-Reiseberichts!

 

man achte auf das Sonic-Kofferschild

Mein USA-Urlaub begann schon in Freiburg furchtbar aufregend. Und ich rede nicht vom Ausfüllen des ESTA-Antrags, auf dem ich bestätigen musste, dass ich keine terroristischen Aktivitäten plane. Nein, nach wochenlangen Bauarbeiten fuhr die Straßenbahnlinie 1 endlich wieder ihren gewohnten Weg von Landwasser bis zum Hauptbahnhof. Wow, die VAG hat sich also alle Mühe gegeben, mich rechtzeitig und ohne beschwerliche Busumstiege auf frischgelegten Schienen an mein Ziel zu bringen. Was das Freiburger Nahverkehrsunternehmen richtiggemacht hat, habe ich in einem Anflug völliger Verpeiltheit jedoch vergeigt. Ich ließ meinen mit sorgfältig ausgewählten Playlisten bestückten mp3-Player tatsächlich zuhause liegen. Zum Glück mag ich Puffer nicht nur aus Kartoffeln. Ich hatte also genug Zeit, zurückzufahren und das Musikabspielgerät, ohne das ich den 11-stündigen Flug nicht überstehen würde, einzupacken. Für eine Frühstücksbretzel hat es vor der Zugabfahrt nach Frankfurt trotzdem noch gereicht. So planen Reiseprofis.

 

 

Flughafen Frankfurt

Die Zugfahrt vom Freiburger Hauptbahnhof bis zum Frankfurter Flughafen verlief für DB-Verhältnisse problemlos. Wobei dieses Bahn-Gebashe auch etwas unfair ist. Laut Statista kamen im September 2016 94,2 % aller Züge im Personenverkehr pünktlich an. Und da kann man doch nicht meckern. Schmerzlich musste ich mir jedoch eingestehen, dass Platzreservierungen nicht das Dümmste sind. Na ja, im Flugzeug wird das besser laufen, dachte ich mir, klemmte die „Retro Gamer“ unter den Arm und ging auf die Suche nach einem neuen Sitzplatz. In Frankfurt angekommen, musste ich mich in dem wilden Gewusel der täglich knapp 170.000 an- und abreisenden Passagiere erst einmal orientieren. Denn auf diesem Flughafen sollte ich noch heute entjungfert werden. Richtig gehört. Zum ersten Mal stieg ich in ein Flugzeug und entsprechend war mir auch das wilde Treiben auf so großen Airports fremd. Bis dato kannte ich nur den Hobby-Flugplatz aus meiner Heimat, auf dem die krassen Segelflieger des hiesigen Dorfvereins rauf- und runtergehen. Kein Vergleich zum Flughafen Frankfurt am Main, der der viertgrößte Verkehrsflughafen Europas ist. Von Nervosität oder gar Aviophobie – wie Flugangst in Fachkreisen genannt wird – gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Spur.

 

Oktoberfest im „deutsch“

Nachdem Familie und Freunde im Vorfeld so viel Panik bezüglich der verschärften Sicherheitskontrollen bei USA-Reisen gemacht hatten, plante ich – ihr kennt das bereits – entsprechenden Zeitpuffer ein. Denn so planen Reiseprofis. Zweieinhalb Stunden vor Abflug bin ich ohne größere Probleme durch den Sicherheitscheck gekommen. Innerlich habe ich schon Familie und Freunde verflucht, doch auch Totschlagzeit ist Lebenszeit – Menschen, die in Büros arbeiten, dürften das kennen. Ein Besuch der Flughafenkneipe „deutsch“ machte die Wartezeit erträglich. Noch auf deutschem Boden wurden hier deutsche Klischees gelebt und – viel wichtiger – für teures Geld verkauft. Ein Radler später war die Stimmung wieder besser und das Boarding konnte beginnen. Ein wenig Aufregung konnte ich nun nicht mehr verbergen. Ich beruhigte mich mit Musik, die ich dank der mp3-Player-Action am Morgen genießen konnte: „Sie fliegen, um zu siegen, fliegen Fracht und fliegen Ziegen, fliegen bis die Fetzen fliegen, sie sind Sieger, wenn sie fliegen…!“ Eine Boeing 777 flog mich zum Sieg, wobei ich mich mit meinen 1,90 Meter Körpergröße auf einem 44 cm breiten Sitz eher wie auf meiner letzten Berlinreise im Flixbus gefühlt habe. Egal, Economy-Klasse ist keine Frage des Geldes, sondern eine Einstellungssache.

 

atemberaubender Ausgang

Der Flug selbst war entspannt. Dank meines Urvertrauens in die ausgeklügelte Luftfahrttechnik und die fundierte Ausbildung des United-Airlines-Piloten hatte ich keinen Bammel, nicht sicher auf dem International Airport in San Francisco zu landen. Die Nachricht von den zwei betrunkenen United-Airlines-Piloten, die im August in Glasgow festgenommen wurden, blendete ich gekonnt aus. Die elf Stunden verbrachte ich mit „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“, der sich – oh, was für eine Überraschung – als ganz großer Scheiß entpuppte, einer fettigen Pasta zum Abendessen sowie dem fantastischen Ausblick, den ich von meinem Fensterplatz hatte. Kinder, was ich bei herrlichem Wetter und klarer Sicht alles gesehen habe: Wasser, Grönland, Wasser und Wasser. Geil. Zwischenzeitlich hatte ich auch die großartige Idee, mir für 17 Dollar einen Internetzugang für mein Smartphone geben zu lassen. Tipp: Macht mir das nicht nach. War eine blöde Idee, denn das WWW stand mir trotz dieses Wucherpreises nur sporadisch zur Verfügung. Für ein paar angeberische Nachrichten inklusive Bildmaterial in der Familien-WhatsApp-Gruppe hat es aber gereicht. Um 16 Uhr landete ich in San Francisco. Mittags in Deutschland zu starten und am gleichen Nachmittag in den USA aus dem Flugzeug zu steigen, war dermaßen Interception, mein USA-Urlaub konnte beginnen!

 

Galerie: Mein Blick aus dem Flugzeugfenster

 

Im zweiten Teil miete ich ein Auto beim sympathischen Warren, wage mich zu deutschem Gangsta-Rap das erste Mal in den amerikanischen Straßenverkehr und erkunde das kleine Städtchen Burlingame. Nächsten Samstag geht es weiter!

2 Comments

  1. Ha! Geil!
    Mehr davon.

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