Wie übersetze ich einen Filmtitel möglichst dämlich???

Oder: „Besonders Kreative in hirnloser Mission!“

 

Neulich kam ich durch ein Filmplakat des neuen „Alvin & The Chipmunks“-Films auf die Idee für diesen Blogeintrag. Der deutsche Untertitel des Streifenhörnchenstreifens lautete nämlich „Chipbruch“. Ein mittelmäßiges Wortspiel, das im deutschen eigentlich überhaupt keinen Sinn macht. Im Original heißt der Film nämlich ganz sinnig „Chip-Wrecked“, was von „Shipwrecked“ kommt und übersetzt eben „Schiffbrüchig“ bedeutet. Nicht das Beste, aber eines von vielen Beispielen für englische Filmtitel, die für den deutschen Markt verhunzt wurden.

 

Die Liste ist unendlich lang und teils sehr kurios. Wer kommt zum Beispiel auf die Idee, aus „Stripes“ einen Quatsch wie „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ zu machen? Selbstverständlich geht es noch schlimmer. Aus „The Man Who Know Too Little“ wird „Agent Null Null Nix – Bill Murray in hirnloser Mission“. Aus „Liar Liar“ wird „Der Dummschwätzer“. Aus „The Hook“ wird „Männer – hart wie Eisen“. Aus „Nine To Five“ wird das reißerische „Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?“. Aus „The Long Kiss Goodnight“ der adventliche Film „Tödliche Weihnachten“. Und aus „Love Has Many Faces“ das schwachsinnige „Heißer Strand Acapulco“.

 

Am härtesten scheint es das Genre der Liebeskomödie erwischt zu haben. Besonders kreative Übersetzer scheinen sich in dem Bereich gerne auszutoben. Oder werden die Kunden für derartige Filmchen von vornerein nicht ernst genommen? Man weiß es nicht. So wird zumindest an ein recht stylisches „Honeymoon In Vegas“ ganz schnell mal der Zusatz „Aber nicht mit meiner Braut“ geklatscht. Aus einem simplen „Hall Pass“ wird „Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln“. Und aus „The Wedding Singer“ wird „Eine Hochzeit zum Verlieben“. Alles klar?!

 

Doch angeschnallt! Denn richtig idiotisch wird es erst, wenn englische Titel in englische Titel „übersetzt“ werden. Warum in aller Welt wird zum Beispiel aus „Bloodmatch“ ein „Bloodchamp“? Aus „Cradle 2 The Grave“ ein „Born 2 Die“? Aus „Knights“ ein „Cyborg Warriors“? Oder aus „Scissors“ ein „Final Instinct“? Spätestens jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr!

 

Aber nicht nur Filmtitel werden schlimmer verschandelt als Briefkästen am 1. Mai. Auch vor Fernsehserien wird nicht Halt gemacht. Immer mit dem Hintergedanken, dass das deutsche Publikum zu doof ist und der Inhalt einer Sendung mit vier bis sieben schmissigen Wörtern zusammengefasst werden muss. Wie kann man sich sonst erklären, dass Hulk Hogans Dummbatz-Show „Thunder In Paradise“ in Deutschland mit dem dämlichen Untertitel „Heisse Fälle, coole Drinks“ bestückt wurde? „Baywatch“ kommt für den durchschnittlichen Sat1-Zuschauer wohl auch nicht ohne ein erklärendes „Die Rettungsschwimmer von Malibu“ aus? Warum machen die aus einem „Grounded For Life“ plötzlich ein idiotisches „Keine Gnade für Dad“? Oder weshalb wird – zumindest in der ersten Staffel – aus einem lässigen „Two And A Half Men“ ein nach Disney Filmparade riechender Spatentitel wie „Mein cooler Onkel Charlie“?

 

Film- und Fernsehjournalist Jan-Rüdiger Vogler schrieb 2009 auf zehn.de: „Nicht selten hat man den Eindruck, die Köpfe, in denen diese übertragenen Titel entstehen, seien von bewusstseinshemmenden Drogen vernebelt. Oder sind etwa einige dieser kreativen Herrschaften tatsächlich des Englischen nicht mächtig?“ Recht hat er! Wieso belässt man es nicht beim Originaltitel? „Welcome To The Jungle“ würde doch auch als „Willkommen im Dschungel“ ganz gut kommen. Da übersetzt man komischerweise aber trotzdem nicht. „City Of God“ bleibt die „City Of God“. „Little Miss Sunshine“ kennen wir nur als „Little Miss Sunshine“. Bei „My Big Fat Greek Wedding“ fragt niemand nach, obwohl da mindestens sieben komische Wörter drin sind. Und aus „Wayne’s World“ wurde ebenfalls nicht „Waynes Welt“. Es scheint doch zu funktionieren?!

 

Mittlerweile gibt es schon in Grundschulen Englischunterricht. Werbung, Videospiele, Bücher, überall Englisch. Die Sprache ist längst in unserem Alltag angekommen. Die Frage ist, glauben die Verantwortlichen für diese Titel tatsächlich, dass wir derartige „Übersetzungen“ benötigen? Dr. Christoph Schubert stellte sich diese Frage 2005 in einem Fachartikel ebenfalls: „Damit sollen sie zum einen verständlicher werden zum anderen auch mehr Interesse und Neugier wecken“, erklärte er sich dämliche Übersetzungen und vermeintlich sinnlose Untertitel. Als Paradebeispiel zählte er hierfür „Ein Schweinchen namens Babe“ (Org.: „Babe“), „Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten“ (Org.: „Blind Date“) und „Das Ding aus einer anderen Welt“ (Org.: „The Thing“) auf.

 

Da es bei Filmtiteln aber nicht aufhört, sondern damit erst anfängt, sollte man sich – natürlich nur bei entsprechenden Englischkenntnissen – vielleicht komplett von den deutschen Übersetzungen und Synchronisationen verabschieden. Witze und Redewendung, die in unserer Sprache vielleicht gar keinen Sinn machen, müssen für das hiesige Publikum übersetzt werden. Das kann ab und an einfach in die Hose gehen. Also nix wie rein mit der Originaltonspur. Macht sowieso mehr Spaß!

 

Welche Übersetzungen könnt ihr nicht nachvollziehen? Was ist in euren Augen besonders witzig geraten? Wo könnt ihr nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen? Ich bin gespannt!

 

4 Comments

  1. HAHA! Danke Stefan 🙂

  2. ABER „welcome to the jungle“ ist keineswegs der originaltitel. der wäre nämlich „the rundown“

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