2015 – Freunde blicken zurück (Teil 1)

Es ist mittlerweile zur schönen Tradition geworden, neben meinem ausführlichen Jahresrückblick auch ein paar Freunde meines Blogs die zurückliegenden 365 Tage Revue passieren zu lassen. Im ersten Teil von „2015 – Freunde blicken zurück“ berichten daher Noiscount, Tim Gerrits, Pyrin, Benni und Heppy von ihren Highlights des Jahres. Morgen geht es dann weiter mit der zweiten Runde.

 

Noiscount

(Beatmaker)
www.soundcloud.com/noiscount

 

Filme: Hab nur „James Bond“ und „Jurassic World“ gesehen. Bond war besser. Und „Birdman“. Zu wenig für ein Ranking.

Comics: Kann ich mir nicht leisten.

Bücher: Will ich mir nicht leisten.

Ausstellungen, Theaterstücke und andere Events: Peter Krause (Donald Duck) in Tübingen, Georg Stefan Troller (Dokumentarfilmer) in Tübingen

Musik (Alben): Tuxedo – Tuxedo, Crack Ignaz – Kirsch, The Alchemist – Israeli Salad

Musik (Konzerte): Fashawn in Heidelberg, DJ Premier in München, Makethehoodlookgood Festival in Aarau

Videospiele: Spiele ich seit Lana del Rey nicht mehr.

Größter Scheiß: Norbert Gastell & Sean Price sterben, Haftbefehlgate, der vegane Döner Wrap in Lindau

Serien: Sind für mich kein Muss.

Dokumentationen: Die dunkle Seite der Wikipedia… Spaß! Kollegah auf Bali.

 

Tim Gerrits

(Singer-Songwriter)
www.timgerrits.eu

 

Filme: Natürlich muss hier der neue Star-Wars-Teil erwähnt werden, auf den ich mich, dank der guten Trailer, doch sehr gefreut habe. Allen anderen wichtigen, gehypten Neuerscheinungen bin ich dieses Jahr irgendwie erfolgreich aus dem Weg gegangen, so dass für mich der wichtigste Filmspruch dieses Jahres bleibt: “And I’ll drop my gun”

Comics: Neu verliebt in Web Comics wie “The Awkward Yeti, “Saturday Morning Breakfast Cereal, “Dinosaur Comics! und “PHD Comics. Wobei ich mit Freude auch das Kartenspiel des Comiczeichners “The Oatmeal, das mit wunderbaren Bildern versehen ist, und auch “Thing Explainer” von “XKCD-Schoepfer Russel Monroe erworben habe.

Bücher: Zum Lesen bin ich leider viel zu wenig gekommen, sodass ich ewig an einem mittelmäßigen Buch (Nach zwei Tagen Regen folgt Montag) hing, bin ich zu meinem Jahreshighlight “Darm mit Charme” kommen konnte. Unfassbar informativ aber dabei charmant und lustig geschrieben, absolute Empfehlung!

Ausstellungen, Theaterstücke und andere Events: Als Juror beim Local Heroes Landesfinale dabei gewesen zu sein, war nicht nur eine große Ehre, sonden zeitgleich auch spannend und lehrreich.

Musik (Alben): Lambert mit “Stay in the dark” für die ruhigeren Zeiten.

Musik (Konzerte): Die höchste Eisenbahn in Berlin sowie Nils Frahm in Leipzig.

Videospiele: Kostenfrei und sehr lustig für alle Fans vom NEO Magazin Royal gab es als Weihnachtsgeschenk das “Neo Magazin Game Royale: Jäger der verlorenen Glatze. Ein großer Spaß für alle Point-and-Click Fans mit Referenzen zu Klassikern wie “Monkey Island”.

Größter Scheiß: Das Erstärken von Pegida, AFD und Co. hat mich dieses Jahr sehr traurig und wütend gemacht.

Serien: Doctor Who – die neue Staffel war sehr gut.  (Und die alten Folgen von 1963 an habe ich auch endlich durchgeschafft, die aber nicht allzu gut oder spannend sind.) Southpark war weiterhin wunderbar als Lückenfüller nebenher. Über Game of Thrones muss ich hier ja nicht reden 😉

 

Pyrin

(Rapper)
www.pyrin.de

 

Alben
Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase
Zwei Jahre nach dem letzten Meisterwerk folgt das nächste. Großartige, vertrackte Melodien, 70er-Jahre-Prog-Nostalgie, Ausflüge ins Elektronische und Mut zum Pop. Das Genie hat mal wieder gesprochen.

Caspian – Dust & Disquiet
Mein persönliches Album des Jahres. Ich kam zufällig durch eine Plattenkritik auf laut.de dazu. Postrock in Perfektion und nein, nicht wieder eine Band, die nach Mogwai klingt, sondern etwas völlig Eigenständiges. Die Kompositionen sind schlichtweg schwindelerregend. Beeindruckende Berg- und Talfahrten durch Sehnsucht, Wut, Leben, Tod, Liebe, Hass und alles, was Mensch ist.

Sunn O))) – Kannon
Recht eingängiges Album für die dunklen Herren mit den Kapuzen. Überwältigende Stimmungsmusik zwischen Meditation und Satansbeschwörung. Dröhnende Gitarren, geradezu okkult klingender Gesang, keine Drums. Zu solcher Musik werden Jungfrauen auf Altären geopfert.

Lana del Rey – Honeymoon
Ein drückendes, nostalgisches und schmerzvoll schönes Album. Weniger gitarren- und distortionlastig als „Ultraviolence“, meiner Meinung nach auch nicht ganz so gut. Trotzdem immer noch ein verdammt packendes Album für schwermütige Stunden.

Faith No More – Sol Invictus
Das erste Album nach nahezu 20 Jahren. Die Erwartungen türmen sich dementsprechend – und werden nicht enttäuscht. Patton & Co. haben ein – zugegeben, kurzes – Meisterwerk hingelegt, das an alte Faith No More Zeiten anknüpft und doch modern klingt. Nein, nicht modern, zeitlos. Der alte Mike spielt immer noch mit seiner Stimme wie kein anderer (dass die Herren um ihr Aushängeschild wissen, hört man daran, wie laut die Stimme gemischt ist) und liefert mit seinen Kollegen zehn tiefgehende, originelle und eigenwillige Songs ohne typische Part-Bridge-Hook-Struktur. Hut ab, meine Herren.

Between the Buried and Me – Coma Ecliptic
Wahnsinnig, brutal, zart, brüllend laut, hauchdünn, alles vereint sich in dieser Platte. Strukturen, die einem das Hirn nach außen stülpen. Mathematisches Death Metal Chaos mündet in seelenstreichelnden Melodien, die wenig später wieder rabiat zerstampft werden. Technische Perfektion bis ins Detail. Ein Leviathan von einem Album!

God is an Astronaut – Helios/Erebus
Postrock-Album Nummer 2 in meiner Liste und auch hier wieder etwas vollkommen Eigenständiges. Wie der Name sagt, ein ständiger Wechsel zwischen Licht und Schatten, verträumten Melodien und schweren Riffs. Eine emotionale und spirituelle Reise der Superlative.

My Sleeping Karma – Moksha
Psychedelic Instrumental Rock aus Aschaffenburg. Die Jungs machen da weiter, wo sie mit „Soma“ aufgehört haben, setzten technisch noch eine Schippe drauf und entführen den Hörer auf eine mystische Reise durch den Zauberpilzwald. Großartiger Sound mit hypnotischer Sogwirkung und sehr dynamischen Songstrukturen.

Foals – What went down
Fans der ersten Stunde und Musikjournalismus sprechen von „Stadionrock“. Völliger Blödsinn ist das. Im Vergleich zu alten Großtaten ist dieses Werk durchaus weniger komplex, dafür roher, wilder, urschreiartiger. Hier treffen sich viele Höhen und auch ein paar Tiefen zu einem stimmigen und runden Tête-à-Tête, das mitzureißen und zu berühren vermag.

Konzerte
2015 war ein recht konzertarmes Jahr bei mir. Momentan kommt mir nur Caspian im Jugendhaus West in den Sinn. Kleine, schummrige Location, mittelmäßig abgemischter Sound und eines der geilsten Konzerte meines Lebens. Was die Jungs auf Platte schon großartig hinkriegen, steigert sich in der Liveperformance zur Grenzerfahrung. Technische Perfektion, eine unvergleichliche Bühnenpräsenz und das gefühlsmäßige Auf und Ab zwischen Sanftheit und brachialen Riffactions mündet schließlich in einem furiosen Finale, im Zuge dessen die gesamte Band (sechs Mitglieder) auf der Bühne steht und drummt. Abartig. Meine bessere Hälfte wusste davor nichts von der Band, hatte auch nicht so recht Lust auf das Konzert. Hinterher musste ich ihr am Merch-Stand einen Pulli kaufen.

Filme
Natürlich hab ich viele Filme gesehen, das tu ich immer, aber im Kino war ich vergleichsweise wenig. Von den 2015 erschienen Filmen hier mal die zwei, die mir gerade im Kopf rumschwirren:

Der Marsianer
Science Fiction kann Ridley Scott einfach. Virtuos in Szene gesetzt und atemberaubend bebildert. An der Story mag man dieses oder jenes bemäkeln, wie die teilweise doch etwas klischeehaft geratene Darstellung der NASA, aber darum soll es auch nicht gehen. Das ist in erster Linie ein Bilderfilm, und zwar ein verdammt guter.

Inherent Vice
Nachdem ich das Buch gelesen und für unverfilmbar befunden habe, hat mich Paul Thomas Anderson mit einem durchweg perfekten Cast, tollen Bildern, einer weisen Reduktion der schon im Roman äußerst verwirrenden Story auf wesentliche, äußerst verwirrende Komponenten und einer genialen Inszenierung vom Gegenteil überzeugt. Geiler Film.

Birdman
Einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Story, Kamera, Darsteller, Dialoge, genial, genial, genial. Ein Kunstwerk.

Mad Max: Fury Road
Eine Höllenfahrt. Keine Story, kaum Dialoge, und doch kommt man zwei Stunden lang nicht zum Atmen. Visuell eine Wucht. Einzigartiges Meisterwerk.

Bücher
Wiedermal keine Bücher gelesen, die wirklich im besagten Jahr geschrieben bzw. veröffentlicht wurden (außer dem neuen von Salman Rushdie, das ich aber nicht gut fand). Dafür mal diejenigen, die ich gelesen habe, und die mich beeindruckt haben. Aufgrund des Platzes sag ich nicht viel dazu.

Dostojewski: Der Doppelgänger
Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
ETA Hoffmann: Die Elixiere des Teufels
Thomas Mann: Der Tod in Venedig
Gustav Meyrink: Der Golem
Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns
Albert Camus: Die Pest
Kafka: Der Verschollene
Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein
Thomas Pynchon: Inherent Vice
Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte

 

Benni

(Autor, like it is ’93)
www.twitter.com/HolgerHathart

 

Filme: „Pitch Perfect 2“, „Maze Runner – Die Außerwählten der Brandwüste“ – sonst halt echt keinen 2015er Film angeschaut

Comics: Nichts aktuelles aber viel altes Zeug von Mawil (bester Mann)

Bücher: Nochmal schnell „A Song Of Ice And Fire“ durchsuchten, „A Knight Of The Seven Kingdoms“, „Arbeit und Struktur“ (auch nicht 2015), war traurig und lustig zugleich, ein grandioses Buch

Ausstellungen, Theaterstücke und andere Events: Der totale armselige „Krieg“ zweier verfeindeter Toy-Writer-Gruppen in der Unterführung der S-Bahnhaltestelle München-Solln, Planetarium im Deutschen Museum, Surfen auf Fuerteventura

Konzerte: Kadavar.

Videospiele: nicht gezockt aber interessant: Bloodborne, Just Cause 3, das neue Fallout

Größter Scheiß: Leute, die sterben (gsd nicht im privaten), die ganzen xenophoben Affen in Deutschland/Europa/der Welt, Trump

Serien: Supernatural-Marathon, GOT, Naruto-Marathon

Dokumentationen: Die RAF-Doku der Online-Mediathek des Zweiten

Sport: Surfen, Boxen

Für Sie am Zahn der Zeit: Benjamin

 

Heppy

(Rapper)
www.heppy-music.de

 

Letztes Jahr war für mich das Indie-Jahr der Filme. Meine persönlichen Events dieses Jahres waren dann doch eher die großen Blockbuster. „Avengers: Age of Ultron“ war eine sehr gute Fortsetzung zum 1. Teil, wenn auch etwas durcheinander. Ich hätte mir weniger Studioeinmischungen gewünscht und mehr Ultron, aber an sich zieht der Film gut an und bietet das Übliche neu verpackt. Hoffentlich werden die nächsten Filme dann mutiger. „Ant-Man“ war dann ein Film, der mich zwiespaltet. Ich mag das etwas persönlichere Gefühl des Filmes. Ich mag die visuellen Gags. Das Problem: DIe Politik hinter dem Film und das Herausekeln von Edgar Wright von Marvel aus. Schade um einen potentiell großartigen Film. „Star Wars Episode 7“ – grandioser Fanpleaser. Praktische Effekte, gute neue Charaktere und das Eintauchen in den Star Wars Mythos bringen mir Freudentränen. Einziges Problem: Ist zu sehr ein Remake von Episode 4. Und Oberführer Snooke, oder wie auch immer der heißt. CGI Crap. Hoffentlich wird der noch in den folgenden Episoden ausgetauscht mit einem Schauspieler oder einer Puppe. Kleinere Sachen, die ich gesehen habe: „Ex Machina“. Ich glaube, ich liebe Oscar Issac jetzt offiziell. Hab dieses Jahr auch endlich „Inside Lewin Davids“ gesehen. Absolut mein Lieblingsschauspieler… wenn es nicht Michael Fassbender gäbe. Puh, klingt als hätte ich nicht so viel gesehen dieses Jahr, aber ich verliere manchmal den Überblick, weil ich auch Filme aus den USA im O-Ton schaue und die kommen auch früher raus oft. Oh und „Fan4stic Four“ oder was auch immer das war, suckt wohl ass. Möchte ich das anschauen? Nicht wirklich.

Ich muss Jedem da draußen „Ash vs Evil Dead“ ans Herz legen. Here you go. Serientechnisch geht es immer wieder aufwärts gerade. Die neue Staffel „American Horror Story“ bietet mit Lady Gaga eine überraschend solide Performance und eine so bizzar, wahnwitzige Season dieses Jahr. Naja, typisch AHS halt. Empfehlenswert! „Walking Dead“ dagegen war mit seiner neuen Staffel gleichzeitig so stark wie noch nie zuvor, aber auch so zäh und hohl wie noch nie zuvor. Das Dümmste an TWD sind meistens oft die Entscheidungen der verschiedenen Charaktere. SPOILER : Glenns Fake-Tod war ein massiver Cop-Out und unnötig für die Serie und die letzten Sekunden der letzten Folge sorgen bei mir für Wutanfälle. Naja. On to the next one I guess…

Mein persönlicher Konzertmoment war dieses Jahr auf dem ASD-Konzert zu stehen und zwei fast 40-jährigen Männern zuzuhören, wie sie übers Kiffen rappen und dabei merkwürdige Menschen neben mir getanzt haben, dessen Hosen immer noch zu groß sind. Manche Dinge ändern sich niemals.

„Größter Scheiß“ geht wohl an ISIS dieses Jahr. Congrats ihr Pappnasen, ihr habt euch den „Scum of the Earth“ Award verdient.

Ich möchte diese Chancen nutzen und mich bei vielen Leuten da draußen bedanken, die mir immernoch treue Fans sind. Sorry Leute. Es kommt bald was. Ich arbeite seit Anfang 2014 an diesem Kram, aber das dauert eben.

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