Kurz & knapp #70: Léon, Lil Skies, Tua, Saweetie, Io, Serenity…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Léon, Nura, Kiefer, Tua, DJ Stylewarz, Saweetie, Facing Fears, Lil Skies, Suicidius, Io & Im Netz der Versuchung.

 

Léon „Léon“

Ein Debütalbum voller Soul-Pop-Ohrwürmer liefert Léon ab. Die nach ihr benannte Platte verzichtet zwar auf Überraschungen, setzt dafür aber auf das ausgeprägte Können der schwedischen Sängerin sowie Hochglanzproduktionen, die auf die oberen Plätze der Charts schielen. Während ein „You And I“ mit Uptempo und Synthesizer auf die Tanzfläche zieht, verzichtet das Akustikgitarrenstück „Cruel To Care“ auf jeglichen Schnickschnack. Für Abwechslung ist also trotzdem gesorgt und der Einstand damit geglückt. +++ Nach ihrem Kickstart mit Juju als SXTN kämpft sich Nura nun im Alleingang durch. Ihr Solodebüt „Habibi“ beweist, dass sie die Aufgabe stemmen kann. Die Wahlberlinerin besitzt ein Gespür für Melodien. Dieses nutzt sie, um kleine Hits über Drogen, Zweisamkeit und manchmal beides zusammen zu produzieren. Auch wenn Nura nicht die beste Rapperin im Spiel ist, unterstreicht sie einmal mehr ihre Qualitäten als Musikerin. +++ Kiefer liefert mit der EP „Bridges“ den Nachklapp zu seinem Album „Happysad“ von 2018. Auf den sechs Songs verläuft sich das Piano zuverlässig, wird dabei aber immer wieder von den verhältnismäßig geordneten Drum-Patterns eingefangen. Der Jazz-Pianist öffnet seinen Sound verstärkt für Synthie-Sounds, was den rein instrumentalen Stücken noch mehr Tiefe verleiht.

 

Tua „Tua“

Sein bisher stärkstes Album benannte Tua nach sich selbst. Die zwölf Stücke auf „Tua“ zeichnen ein so verstörendes wie faszinierendes Bild von einem Menschen, dessen Leben von Gewalt und engen Verbindungen geprägt ist. In „Vater“ steht er seinem Erzeuger am Sterbebett zur Seite, in „Bruder II“ berichtet er von einem Kumpel im Knast und in „Wem mach ich was vor“ verarbeitet er ein Beziehungsende. Musikalisch löst er sich von starren Hip-Hop-Regeln: Straighter Rap trifft auf Gesäusel mit dem Stimmverzerrer – Strophe-Refrain-Strukturen rücken dabei völlig in den Hintergrund. „Tua“ ist nichts für nebenher. +++ Schon der Titel lässt erahnen, dass sich DJ Stylewarz auf die alten Tugenden der Hip-Hop-Kunst besinnt. „Der letzte seiner Art“ ist trotzdem kein rückständiges Album, an dem nur die Traditionalisten Spaß haben. Von Lakmann bis Trettmann fängt Stylewarz alle Spielarten des heutigen Raps ein. Reine Turntablism-Tracks verdeutlichen, woher der DJ kommt. Ein Musiker, der in Würde altert und dabei am Zahn der Zeit bleibt. +++ Saweetie präsentiert sich auf der EP „ICY“ als starke Frau, die sich von Männern nichts sagen lässt und für Standardweiber nur Verachtung übrig hat. Was inhaltlich nicht nach einem Innovationspreis schreit, macht die Rapperin musikalisch wieder gut. Zwischen modernen Trap- und klassischen G-Funk-Elementen knallt der Sound ordentlich durch die Boxen.

 

Facing Fears „Horizons“

2015 als Spaßprojekt gestartet, entwickelten sich Facing Fears zu einer ernstzunehmenden Hard-Rock-Band. Auf ihrem Debütalbum „Horizons“ spielen sich die Ulmer durch elf melodiöse Gitarrenstücke, die ihre Härte trotz eingängiger Refrains nicht verbergen. Facing Fears fordern nicht heraus, beweisen dennoch Spielfreude und Fähigkeiten. +++ Nach „Life Of A Dark Rose” von 2018 wirft Lil Skies mit “Shelby” 14 neue Songs über die Schattenseiten des Lebens in die Spotify-Playlisten. Gewidmet ist die Platte seiner Mutter, der er – ganz nach dem Motto „alles Schlampen außer Mutti“ – das Frausein nicht übelnimmt. Wobei er für die zweitwichtigste Frau in seinem Leben (Girlfriend, nicht Side-Bitch) sogar die Drogen aufgeben würde. Lil Skies sagt zum Teil dumme Dinge, sticht aber dennoch aus der Masse an Lil-Rappern heraus. Das liegt an seinem unbedingten Willen, Inhalte mit Substanz produzieren zu wollen. Dadurch wirkt sein Mischwesen aus Rap und Autotune-Gesang sympathischer als es vielleicht sein möchte. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Freunde härterer Gitarrenklänge: Suicidius prügeln auf „Supremacy Of Destruction“ mit ihrem groove-orientierten Thrashmetal alles nieder, was nicht auf „Valhalla“ und die „Brotherhood“ schwört.

 

Io

Io erzählt die Geschichte der jungen Wissenschaftlerin Sam (Margaret Qualley), die als eine der wenigen Überlebenden einer Klimakatastrophe auf der Erde lebt. Eines Tages trifft sie auf Micah (Anthony Mackie), der sie überreden möchte, gemeinsam auf den titelgebenden Jupiter-Mond zu flüchten. Aufgrund der wenigen Figuren und des apokalyptischen Themas schwappt die düstere Stimmung schnell auf die Zuschauer_innen über. Dennoch verschenkt die Netflix-Produktion Potenzial, da die Welt nur aus wenigen Kulissen besteht. Regisseur Jonathan Helpert hätte das Szenario noch stärker ausarbeiten können. +++ Matthew McConaughey spielt in Im Netz der Versuchung einen Fischerboot-Kapitän mit einem entspannten Leben. Seine Welt stürzt allerdings ins Chaos, als die von Anne Hathaway gemimte Ex-Frau auftaucht. Sie bittet den Fischer, ihren neuen, gewalttätigen Mann umzubringen. Was mit einer augenschmeichelnden Inseloptik und einem McConaughey in schlurfigem Surfer-Look Interesse weckt, verspielt Regisseur und Drehbuchautor Steven Knight mit einer vorhersehbaren Geschichte. Der Film legt seinen finalen Twist bereits in der Mitte offen, weshalb die große Auflösung nicht zündet.

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