Kurz & knapp #56: Ariana Grande, Blood Orange, Cloak & Dagger…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Wiz Khalifa, Ariana Grande, River Whyless, Blood Orange, Tamia, Jalil, All About the Washingtons, Marvel’s Cloak & Dagger, Disenchantment, The Walking : The Final Season & Tiny Troopers Joint Ops XL.

 

Wiz Khalifa „Rolling Papers 2“

Mit „Rolling Papers 2“ passt sich Wiz Khalifa dem Trend der Stunde an und bringt ein viel zu langes Album heraus. 25 Songs verteilt der Rapper auf fast eineinhalb Stunden, hält seine Hörer damit aber nicht durchgängig bei Laune. Der 30-Jährige will es musikalisch jedem recht machen: Musik zum Schmusen in „Very Special“, Workout-Hymnen in „Goin Hard“ und Rap wie früher in „Gin and Drugs“. Zwar können sich alle Hörer ihre Highlights herauspicken, dadurch klingt „Rolling Papers 2“ aber auch zu beliebig. Wird an den richtigen Stellen gestrichen, schlummert in Wiz‘ sechstem Studioalbum dennoch eine großartige Platte. +++ Zwei Jahre waren Ariana Grande und Mac Miller ein Paar. Vor einigen Monaten trennten sie sich. Nun verstarb Miller an einer Drogenüberdosis, was in Schuldzuweisungen von Fans gegenüber Grande gipfelte. Dass das völliger Quatsch ist, muss an dieser Stelle nicht betont werden. Angenehm wird es für Miller trotzdem nicht gewesen sein, dass Grande kurz nach dem Bruch in die nächste Beziehung ging und sich nur wenige Wochen später verlobte. Auf ihrer vierten Studioplatte „Sweetener“ benennt die 25-Jährige sogar einen Song nach der neuen Flamme Pete Davidson. Der wohl persönlichste Moment des Albums, denn der Rest klingt nach routinierter Popmusik, deren größte Schwäche in ihrer Überraschungsarmut liegt. Kollaborationen mit Pharrell Williams, Nicki Minaj und Missy Elliott verleihen der Platte zwar Würze, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass „Sweetener“ ein qualitativ hochwertiges, aber am Reißbrett entstandenes Meisterstück der Populärmusik ist. +++ River Whyless haben die Schnauze voll von der Welt. Eine Welt, in der „Kindness, A Rebel“ ist. Die aus North Carolina stammende Band klingt mit ihrem eingängigen Folk Rock zwar nicht gerade stinkig, doch auch der Widerstand kennt nicht nur das Schreien. Balladen wie „War Is Kind“ treffen auf tanzbare Songs wie „New Beliefs“. Dabei schwingt der Einsatz für die gute Sache nicht nur mit, er wird klar und deutlich herausgesungen: „Can you really blame me / Built on a system where some must fail / So that you can break through / If you’ve got the right skin / Or you’re born in the right country”.

 

Blood Orange „Negro Swan“

Dass Schriftstellerin und Transgender-Aktivistin Janet Mock auf „Negro Swan“ zu Wort kommt, unterstreicht die inhaltliche Tiefe, die Blood Oranges viertes Studioalbum besitzt. Das zeigt sich nicht zwingend in den Texten, sondern in einer toleranten Grundhaltung, die im Laufe der 49 Minuten mitschwingt. Blood Oranges R’n’B klingt nach schönen Stunden im Schlafzimmer, die von Synthesizer und Funk-Gitarre getragen und von der souligen Stimme des Briten abgerundet werden. Popmusik, die so eingängig wie komplex ausfällt. +++ Wie R’n’B dagegen auch gehen kann, zeigt Tamia auf ihrer siebten Langspielplatte „Passion Like Fire“. Hier wird nichts durchdacht, sondern – wie es der Titel erahnen lässt – mit voller Leidenschaft verkündet: „Love can change the world!“ Mit Liebe, Lust und Leidenschaft gegen den Weltuntergang. Balladen und Diskonummern reihen sich aneinander, möchten ohne Umwege ins Ohr und eine plüschige Stimmung verbreiten. So klingt Hochglanz-R’n’B, der nach einer funktionierenden, aber auch simplen Formel produziert wurde. +++ Nach einem erfolgreichen Kollaborationsalbum mit Labelchef Fler darf Jalil nun wieder Solo ran. „Black Panther“ setzt größtenteils auf die bekannten Themenfelder rund um leichte Frauen und schnelles Geld, glänzt aber durch das, was fernab der moralisch fragwürdigen Inhalte passiert. Ob Seelenstriptease in „Skyline“ oder Milieubeschreibung in „Kleinkriminell“ – der Berliner hat etwas zu erzählen und sollte das auf kommenden Releases unbedingt ausbauen. Smartphone-Lautsprecher werden den hochwertigen Instrumentalen auf keinem Fall gerecht. Wie für Maskulin üblich befinden sich die Produktionen auf einem Level, das im deutschsprachigen Hip-Hop nur wenige Künstler erreichen. Musik, über die diskutiert werden kann, deren handwerkliche Qualität aber (fast) unangreifbar ist.

 

All About the Washingtons

Was mit der Reality-Show „Run’s House“ Mitte der Zweitausender funktionierte, möchte Netflix per Sitcom-Format wiederholen. Rev Run alias ein Drittel der legendären Hip-Hop-Crew Run-D.M.C. spielt in All About the Washingtons einen pensionierten Rapper und damit quasi sich selbst. Wirkliche Tiefe besitzt die Serie nicht, hält sich stattdessen immer wieder mit den gleichen Familienproblemchen auf, die andere Sitcoms dieses Kalibers bereits vor dreißig Jahren thematisierten. Dennoch machen die harmlosen Generationskonflikte Spaß, da sie durch den Hip-Hop-Kontext besser in die Jetztzeit passen. Wer nach „The Ranch“ etwas zum Runterkommen benötigt, findet hier seinen kontrastreichen Stoff. +++ Die Fernsehlandschaft ist nicht gerade arm an Superheldenserien. Marvel’s Cloak & Dagger sticht trotzdem aus der Masse hervor. Die beiden Hauptfiguren Tandy (Olivia Holt) und Tyrone (Aubrey Joseph) besitzen außergewöhnliche Kräfte, die ihre voller Wirkung erst entfalten, wenn sie sich verbinden. Dadurch finden die Teenager, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen, zueinander. „Cloak & Dagger“ setzt nicht auf bunte Kostüme und vor Special Effects strotzende Superkräfte, sondern auf die Gegensätzlichkeit ihrer Protagonisten. Reale Themen wie Armut, Drogensucht und Polizeigewalt stehen im Mittelpunkt. Dadurch punktet die Serie auch ohne überbordende Weltrettungsgeschichte. +++ Was können Zuschauer 2018 von einer neuen Matt-Groening-Serie erwarten? „Futurama“ ist tot, „Die Simpsons“ sind seit gefühlt 20 Staffeln nicht mehr lustig und ansonsten ist auch nicht viel los in den Auftragsbüchern des Zeichentrickfilmers. Netflix hatte dennoch Vertrauen in Disenchantment, für das Groening Prinzessin Bean, den Elfen Elfo und den Dämon Luci durch das mittelalterliche Dreamland schickt. Und tatsächlich weiß die Serie durch eine hohe Gag-Dichte sowie Figuren, die noch reichlich Tiefe entwickeln könnten, zu überzeugen. Fans von „Futurama“ und „Die Simpsons“ fühlen sich vom „Look & feel“ sofort abgeholt. Der Rest erfreut sich an einer harmlosen, aber unterhaltsamen Serie, die in einer bereits angekündigten zweiten Staffel vorhandene Potenziale unbedingt verwerten muss.

 

Tiny Troopers Joint Ops XL

Telltale Games schlagen mit The Walking Dead: The Final Season das letzte Kapitel ihres Zombie-Adventures auf. In der ersten Episode treffen Clementine und ihr Schützling AJ auf eine Gruppe Jugendliche. Die anfängliche Freude über die neugewonnenen Freunde verfliegt jedoch schnell. Eine Zombie-Apokalypse macht eben keinen Spaß, ein Spiel darüber sollte es hingegen schon. Leider konzentriert sich die erste Episode zu sehr darauf, die Geschichte ins Rollen zu bringen, statt Spannung aufzubauen. Die entsteht erst in der letzten Viertelstunde. Neue Elemente wie ein leicht überarbeitetes Kampfsystem oder Levels mit größerem Bewegungsradius verleihen der finalen Staffel zudem nicht den bitter benötigten spielerischen Anspruch. Bleibt zu hoffen, dass die Geschichte mit der zweiten Episode in Fahrt kommt und auf ein würdiges Ende der Clementine-Saga zusteuert. +++ Der Top-Down-Shooter Tiny Troopers Joint Ops XL schickt seine Minisoldaten in den Kampf gegen die Zombiehorden. Dabei möchte er vom inhaltlichen Umfang bis zur Präsentation alles richtigmachen, krankt aber an der technischen Umsetzung. Das Spiel ruckelt, die Twin-Stick-Shooter-Elemente wirken nicht flüssig und das Sounddesign ploppt statt knallt. Wächst die Truppe auf eine Größe von vier Soldaten an, bleiben die Figuren an engeren Durchgängen schon einmal hängen. Spaß werden Switch-Besitzer mit den umfangreichen Soldaten-, Spec-Ops und Zombie-Kampagnen sowie der Zombie-Horde trotzdem haben. Eine Revolution im Shoot-Em-Up-Genre sollte trotzdem niemand erwarten.

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