Kurz & knapp #67: Fidlar, Ariana Grande, Kool Savas, Prodigy…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Fidlar, Chili and the Whalekillers, Ariana Grande, Odette, Kool Savas, Wicca Phase Springs Eternal, JD Eicher, Sex Education, Lionheart, Dating Around, Gunning For Hits, Man Without Fear & Prodigy.

 

Fidlar „Almost Free“

Beim dritten Album ist immer wieder von der schwierigsten Platte die Rede. Die kalifornische Rockband Fidlar denkt gar nicht erst darüber nach und macht auf „Almost Free“, was ihr in den Kram passt. Und das bedeutet, die Genres wild zu vermischen. Ob Crossover („Get Off My Rock“), Ohrwurm-Ska (“Scam Likely”) oder Punkballade („Called You Twice“) – das Quartett tobt sich mit einer hörbaren Freude aus. +++ Chili and the Whalekillers ist keine herkömmliche Alternative-Rockband. Auch auf ihrem siebten Album „Are You Happy“ möchte die österreichisch-isländische Gruppe mehr als nur Schlagzeug und Gitarre. Hierfür setzt das Sextett – befeuert von Klavier, Klarinette, Saxofon, Mundharmonika, Violine und mehrstimmigem Gesang – auf eine außergewöhnliche Stilvielfalt. Gelungene Platte von einer Band, die zu Unrecht unter dem Radar fliegt. +++ Mit ihrem fünften Studioalbum “thank u, next“ verarbeitet Ariana Grande ihr von Schicksalsschlägen geprägtes 2018. Im Vergleich zum Vorgänger „Sweetener“ fällt die Platte mit zwölf Songs kompakter aus. Prinzessinnen-Balladen und Skurr-Skurr-Pop zielen noch direkter auf den Zeitgeist ab, ohne dabei an Spannung einzubüßen. „Bloodline“ kommt mit Bläsern, „Ghostin‘“ mit Streichern und „Fake Smile“ mit dem Wendy-René-Sample, das schon der Wu-Tang Clan für „Tearz“ verwendete. „thank u, next“ krönt Grande endgültig zur Königin des Pops.

 

Odette „To A Stranger“

Auf ihrem Debütalbum “To A Stranger“ legt Odette ihre Gefühlswelt offen. Dafür nutzt die Australierin alle Mittel, die ihr zur Verfügung stehen: Gesang, Rap, Spoken Word. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Pop und Jazz. Doch statt gemeinsam mit Björk-Produzent Damian Taylor Musik nach Schablonen zu erschaffen, geht es ihr um große Emotionen. Gerade das letzte Drittel überzeugt mit Balladen, die ganz unkitschig berühren. +++ Auch auf seinem fünften Studioalbum ist bei Kool Savas alles beim Alten. „KKS“ ist so technisch anspruchsvoll wie anstrengend und vereint damit alle Stärken und Schwächen des Rappers. Mit einem Autotune-Ausflug auf „KDR“ und einem Mammuttreffen mit Cr7z, Olli Banjo, Boz, Daev Yung und Infinit auf „Universum/Hawkings“ sorgt er für Überraschungen. Würde Savas endlich auf Punchlines mit homophobem Anstrich verzichten, wäre (fast) alles gut. +++ So sperrig wie der Künstlername ist die Musik von Wicca Phase Springs Eternal zum Glück nicht. Der aus Pennsylvania stammende Rapper erzählt auf „Suffer On“ von den dunklen Phasen seines Lebens. Und auch wenn Themen wie Depressionen und Sucht nach einer ordentlichen Portion Schwermut klingen, geht der emotionale Rap dank sphärischer Soundflächen und Wiccas Händchen für Melodien ins Ohr. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Fans leicht zugänglicher Musik: JD Eicher spielt auf seiner „The Compass EP“ Pop für den Massengeschmack.

 

Sex Education

Auf dem Papier klingt Sex Education wie „Schulmädchen-Report 2.0“. Teenager Otis ist der Sohn einer berühmten Sexualtherapeutin, hat seine eigene Sexualität aber nur spärlich erforscht. Dennoch schwappte vom Talent der Mutter etwas auf ihn über. Zusammen mit Schwarm Maeve beginnt er einen Beratungsdienst für Schulkamerad_innen mit intimen Problemen. Die Prämisse wirkt konstruiert, dient aber nur als Vehikel für die Interaktionen der Figuren. Statt auf Provokation setzt die Netflix-Serie auf realistische Herausforderungen, mit denen jungen Menschen in der Pubertät ringen. Die acht Folgen der ersten Staffel sind herzlich, tragisch und schön. Eine zweite Season bestätigte der Streaming-Dienst bereits. +++ Nachdem ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt, muss Adaeze das finanziell angeschlagene Familienunternehmen retten. Das nigerianische Drama Lionheart setzt auf sympathische Darsteller_innen und Humor an den richtigen Stellen. Hauptdarstellerin Genevieve Nnaji bewirbt sich mit der Netflix-Produktion für die internationale Bühne, da sie zudem für Drehbuch und Regie verantwortlich war. Bessere Werbung gibt es für nigerianische Filmschaffende nicht. +++ In Dating Around schickt Netflix Singles auf Blind Dates. Dabei werden die Treffen nicht aus dem Off kommentiert, sondern möglichst unverfälscht und unaufgeregt dargestellt. Dadurch entsteht ein Gefühl des Mittendrinseins, das – im Vergleich zu Dating-Shows wie „Der Bachelor“ – authentischer erscheint. Die sechs Episoden der ersten Staffel eignen sich mit Längen zwischen 24 und 30 Minuten als Zwischendurchhäppchen.

 

Gunning For Hits

John Nivens „Kill Your Friends” in Comicform: Gunning For Hits spielt im New York der Achtziger Jahre. Die Musikindustrie verdient sich mit der Einführung der CD dumm und dämlich. In diesem Szenario sucht Talentscout Martin Mills nach neuen Musiker_innen. Ausgabe eins ist ein Kammerspiel mit einem langen Mittelteil, der die ausbeuterischen Mechanismen großer Plattenfirmen erläutert. Für Musikfans lesenswert, alle anderen sollten prüfen, ob ihnen der Crime-Anteil der Geschichte genügt. +++ In Man Without Fear hat Matt Murdock genug von seinem Alter-Ego Daredevil. Nachdem er einen Einsatz nur knapp überlebt möchte er seinen Superheldenanzug endgültig an den Nagel hängen. Krankenhausbesuche von Freunden und Feinden lassen ihn jedoch an diesem Vorhaben zweifeln. Autor Jed Mackay konfrontiert seinen Protagonisten mit existenziellen Fragen, dreht sich jedoch inhaltlich im Kreis. Rückblicke und Gastauftritte machen die fünfteilige Minireihe dennoch zu einem kurzweiligen Spaß. +++ Edison Crane ist der schlauste und athletischste Mensch der Welt. Diese Fähigkeiten nutzt er aber nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern unterstützt auch andere. Autor Mark Millar und Zeichner Rafael Albuquerque erzählen mit Prodigy eine Agenten-/Abenteuergeschichte, deren Hauptfigur aufgrund ihrer übermenschlichen Darstellung unnahbar wirkt. Auch die blassen Gegenspieler und ein unsympathischer Sidekick können keine Emotionen beim Lesen wecken. Bleibt zu hoffen, dass der Plot im Laufe der letzten vier noch nicht veröffentlichten Ausgaben an Fahrt aufnimmt.

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