Kurz & knapp #40: Punisher, Jaden Smith, Stranger Things & The Big Sick

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Jaden Smith, Dialects, Makthaverskan, Noel Gallagher‘s High Flying Birds, Roddy Woomble, Leoniden, Retrogott, Flatliners, Marvel‘s The Punisher, Daddy‘s Home 2, Stranger Things, Rettet den Kapitalismus! und The Big Sick.

 

Makthaverskan „III“

Jaden Smith – der Sohn von Will und Jada Pinkett – ist jung, reich und berühmt. Zum Glück ist er auch talentiert, denn sonst würde sein Album „Syre“ ähnlich flach ausfallen wie Paris Hiltons selbstbetitelte Platte von 2006. Der 19-Jährige rappt und singt sich stattdessen durch ein ambitioniertes Werk, das auf gängige Songstrukturen verzichtet und dadurch nach allem anderen als Reißbrettmusik klingt. Das Etikett „style over substance“ kann den 17 Stücken trotzdem nicht angeheftet werden. Inhaltlich umfasst „Syre“ eine lose zusammenhängende Geschichte, die immer dann am stärksten ist, wenn sie sich auf Jadens Leben und nicht auf sozialkritische Themen konzentriert. Das Album ist mit 17 Liedern zwar ein Brocken, ist dank eines modernen Soundbilds, das von Trap bis Rock keine Grenzen kennt, aber auch erstaunlich abwechslungsreich. +++ Wer aus Glasgow stammt und Post-Rock macht, muss sich zwangsläufig mit Mogwai vergleichen lassen. Dialects, die mit „Because Your Path Is Unlike Any Other“ ihr Debütalbum veröffentlicht haben, machen trotzdem einiges anders. Ihre Musik ist weniger verspielt, klingt meistens, als könnte noch eine emotionale Gesangsspur darübergelegt werden. Auf „Light Echo“ erfahren wir sogar, wie das im Ansatz klingen könnte. Dialects machen wuchtigen Post-Rock, der häufig laut ist („Superluminal“), aber auch weiß, wie ruhigere Momente zu klingen haben („When you die, you’re truly alone“). Für Hörer mit weniger Post-Rock-Erfahrung bieten Dialects einen zugänglichen Einstieg. +++ Makthaverskan aus Göteburg machen laut Wikipedia Dream-Pop. Auf dem Abschluss ihrer Album-Trilogie „III“ klingt das wie ein Ausflug in die Achtziger Jahre. Dabei stehen aber nicht Synthesizer-Klänge, sondern die Stimme von Sängerin Maja Milner im Vordergrund. Diese ist so eindringlich, dass Songs trotz minimaler Instrumentierung ausproduziert klingen. „III“ bietet Popmusik im besten Sinne, die auf Stücken wie „Vienna“ und „Leda“ süßlich in die Ohren kriechen.

 

Leoniden „Leoniden“

Kaum haben wir Liam Gallaghers Soloalbum verdaut, schießt Noel Gallagher mit seinem neuen Werk “Who Built the Moon?” um die Ecke. Und der geht es im Vergleich zu den einfachen Rockstampfern des Bruders geradezu experimentell an. „Fort Knox“ ist ein sphärischer Opener, der ins Ohr, aber nicht in Fahrt kommen möchte, „Dead In The Water“ ist ein akustischer Live-Mitschnitt aus den Dubliner RTE 2FM Studios und mit dem ersten und zweiten Teil von „Wednesday“ betritt der Musiker rein instrumentale Gefilde. Nicht falsch verstehen, was Noel zusammen mit seinen High Flying Birds abliefert, ist immer noch herrlich prollig, wie man es sich von einer Gallagher-Platte wünscht. Diesmal steckt nur etwas mehr drin, als erwartet. +++ Idlewild-Sänger Roddy Woomble ist auch im Alleingang sehr fleißig. Mit „The Deluder“ erschien vor ein paar Monaten sein bereits sechstes Soloalbum. Darauf beschäftigt sich der 41-Jährige mit dem Älterwerden, was ihm nicht allzu große Freude zu machen scheint. Wenn eine Midlife-Crisis jedoch zu so harmlos schönem Indierock führt, soll der Schotte für immer darin gefangen sein. Lieder wie „First Love Is Never Returned“ und „I’ll Meet You By The Memorial“ sind eingängige Herbstkuschelstücke, zu denen die Mütze noch tiefer ins Gesicht gezogen werden kann. Das hat dann auch den Vorteil, dass die Geheimratsecken nicht mehr zu sehen sind. +++ Mitte November haben Leoniden den New Music Award gewonnen. Es sei ihnen gegönnt, denn schlecht sind die vier Herren aus Saarbrücken und Kiel wahrlich nicht. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum holen sie genau die Menschen ab, die den Lautstärkeregler auch bei Maroon 5 hochdrehen würden. Zahnlos wie nach einer Kneipenschlägerei musizieren sich Leoniden durch die 36 Minuten Spielzeit. Nur, dass man zu dieser Musik mit Wattebällchen statt Fäusten in den Kampf zieht. Die zehn Songs sind hervorragend produzierte Popmusik, denen ein paar Ecken und Kanten gut stehen würden. +++ Zum Abschluss der Musikrubrik noch ein kostenloser Download-Tipp: Ganz überraschend hat Retrogott das Album „Hardcore“ herausgebracht. Darauf sind wiedergefundene Songs enthalten, die zwischen 2009 und 2010 produziert wurden.

 

Flatliners

Ellen Page spielt in Flatliners eine Medizinstudentin, die zusammen mit ihren Kommilitonen aus Forschungszwecken Nahtoderfahrungen erlebt. Doch die aus dem Jenseits Zurückgekehrten werden von bösen Erinnerungen eingeholt, die sie endgültig in den Tod treiben möchten. Regisseur Niels Arden Oplev, der die Pilotfolge von „Mr. Robot“ drehte, hat ein spannendes Thema gewählt und hanebüchen umgesetzt. Das wäre verkraftbar, würde die Geschichte die Logiklöcher durch eine treibende Inszenierung vergessen machen. Stattdessen ziehen sich die knapp zwei Stunden wie eine Medizinvorlesung zum Thema „eingeschlafene Füße“. Horrorelemente, die sich fast ausschließlich auf Jump-Scares verlassen, runden den langweiligen Gesamteindruck ab. „Flatliners“ ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen Streifens aus dem Jahre 1990. Dieser kam deutlich besser an, weshalb ein Gang in die Videothek empfehlenswerter wäre. +++ Bevor Disney alle Lizenzen für den eigenen Streamingdienst zurückholt, baut Netflix das Marvel-Serienuniversum noch einmal kräftig aus. Marvel’s The Punisher beleuchtet in 13 Episoden, was mit Frank Castle aka dem Punisher nach der zweiten Staffel von „Daredevil“ passiert ist. Wie auch schon bei „Iron Fist“ wird die Geschichte auf zu viele Folgen gestreckt, weshalb sich die Serie gerade zum Ende hin zieht. Und auch wenn Protagonist Jon Bernthal in der Rolle des Killers aufgeht, fehlt die Identifikation mit der Figur, um 780 Minuten zu fesseln. Der Punisher ist ein durchgeknallter Druffi, der eiskalt mordet und foltert. Da hilft es auch nicht, ihm mit Micro einen Partner an die Seite zu stellen, der deutlich sympathischer ist. Vielleicht ist der Charakter für eine Serie dieser Art einfach nicht geeignet. +++ „Mehr Väter, mehr Probleme!“ lautet der Untertitel von Daddy’s Home 2. Und dieser reicht völlig als Inhaltsangabe aus. Mark Wahlberg und Will Ferrell kehren als Oberhäupter einer Patchwork-Familie zurück, müssen sich diesmal aber nicht nur untereinander, sondern auch mit ihren Vätern – gespielt von Mel Gibson und John Lithgow – herumschlagen. Kalauer, die der Kinozuschauer bei einer Komödie dieser Art erwartet, bekommt er. „Daddy’s Home 2“ ist ein harmloser Familienspaß, der ein bisschen für Weihnachtsstimmung sorgt und ein bisschen lustig ist. Wer den Vorgänger nicht gesehen hat, wird keine Verständnisprobleme haben.

 

The Big Sick

Stranger Things war 2016 die Bewegtbildproduktion, auf die sich ungefähr alle einigen konnten. Figuren, Optik, Geschichte – einfach alles hat in der Netflix-Serie gestimmt. Mit der zweiten Staffel kann es also nur schlechter werden. Wobei schlecht in diesem Falle unfair wäre. „Stranger Things“ fesselt noch immer wie zu Beginn, fühlt sich nur nicht mehr so frisch an. Charaktere und Achtziger-Feeling sind gesetzt, weshalb Überraschungen größtenteils aus bleiben. Wer der Serie das vorwirft, lässt auch das Essen im Gourmet-Restaurant zurückbringen, weil es wie immer schmeckt. +++ Robert Reich war in der Bill-Clinton-Regierung als Arbeitsminister tätig. Danach schrieb er das Buch „Saving Capitalism: For the Many, Not the Few“, in dem er auf die unfaire Verteilung des Reichtums und die Methoden einging, dies beizubehalten. Zusammen mit Netflix bringt Reich diese Inhalte nun in der Dokumentation Rettet den Kapitalismus! auf den Bildschirm. Der Film bereitet das teils komplizierte Thema mit Grafiken auf. Reich trifft sich zudem mit Menschen, die negativ vom System betroffen sind, wodurch nicht nur schlüssig aufbereitete Informationen, sondern auch emotionale Einzelschicksale beleuchtet werden. Die Doku dreht sich zwar um das US-amerikanische System, ist aber auch für Zuschauer darüber hinaus interessant. Nicht umsonst ist die Occupy-Bewegung auch in Deutschland aktiv. +++ Stand-Up-Comedian Kumail Nanjiani erzählt in The Big Sick die wahre Kennenlerngeschichte mit seiner Ehefrau Emily. Nach einigen Monaten des Datings trennen sie sich, da Kumail die Beziehung gegenüber seinen Eltern verheimlicht. Kurz danach muss Emily in ein künstliches Koma versetzt werden. Das schweißt ihn und die Eltern seiner Ex-Freundin zusammen. „The Big Sick“ ist eine romantische Komödie, die in keinem Moment übertreibt. Die Figuren sind Ottonormalos, die normal erfolgreich sind, normal aussehen und normale Einstellungen zum Leben haben. Wer bei dem Begriff „Romcom“ angeekelt das Kino verlässt, sollte „The Big Sick“ trotzdem eine Chance geben. Der Film beschäftigt sich nicht nur mit der Liebe zwischen den Protagonisten, sondern auch mit dem Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Kulturen.

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