Kurz & knapp #37: Foo Fighters, Ace Tee, The National, Knack 2…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Queens of the Stone Age, LCD Soundsystem, Cold Reading, The National, Open Mike Eagle, Ace Tee, Foo Fighters, Lirr, American Playboy: The Hugh Hefner Story, Bojack Horseman, American Vandal, Star Trek: Bridge Crew und Knack 2.

 

Queens of the Stone Age „Villains“

Mit ihrem siebten Studioalbum “Villains” verfolgen die Queens of the Stone Age einen musikalisch sehr gefälligen Ansatz. Auf Hochglanz durchproduziert, flutscht das Album von Hördurchgang zu Hördurchgang runter, als hätte es Produzent Mark Ronson mit der fettesten Butter eingeschmiert, die er auftreiben konnte. Hits wie „The Way You Used to Do“, „Un – Reborn Again“ und „Viallains of Circumstance“ wirken dadurch etwas zahnlos, machen „Villains“ aber zu einer Blockbuster-Platte, von denen es im Rockbereich nur noch wenige gibt. +++ „American Dream“ ist das vierte Studioalbum der Dance-Punk-Band LCD Soundsystem, das sich innerhalb kürzester Zeit zum Kritikerliebling gemausert hat. Auf knapp 70 Minuten lassen sich James Murphy und seine Gang viel Zeit, um Dinge geschehen zu lassen. Häufig geschieht zwischen all den langgezogen Synth-Flächen aber nix. „American Dream“ ist ein herrlich langweiliges Album, dessen Reiz darin liegt, sich zu den großartigen Momenten durchzubeißen. Das erfordert Geduld, weshalb die Platte nichts für Gelegenheitshörer ist. +++ Wer den herzzerreißenden Emo der Nullerjahre vermisst, wird mit der „Sojourner EP“ von Cold Reading seine Freude haben. Die vier Schweizer wickeln den Hörer mit Melodien und leidvollen Texten um den Finger, bis sich auch 30-Jährige wieder halb so alt fühlen. So prescht ein „Books & Comfort“ nach vorne, als müsse es die letzten 15 Jahre innerhalb von vier Minuten nachholen. Der Titelsong „Sojourner“ startet dagegen zurückhaltend, um sich dann trotzdem zu entladen. Diese Veröffentlichung hat eine klare Zielgruppe und diese wird mit der EP nicht enttäuscht. +++ Mit ihrem siebten Studioalbum „Sleep Well Beast“ haben The National endlich akzeptiert, dass sie eine richtige Rockband sind. Keine schlechte noch dazu. Songs wie „Nobody Else Will Be There“ oder „Carin at the Liquor Store“ sind – im wahrsten Sinne des Wortes – schlichtweg schöne Lieder, deren Stärke in der ruhigen Vortragsweise liegen. Das ist im Laufe der knappen Stunde Spielzeit nicht immer spannend, aber – man kann es nicht oft genug betonen – eben schön.

 

Foo Fighters „Concrete and Gold“

Aus dem „Project Blowed“-Umfeld rund um Aceyalone und Abstract Rude stammt Rapper Open Mike Eagle. Mit „Brick Body Kids Still Daydream“ hat er Mitte September sein sechstes Soloalbum veröffentlicht. Verschlafene Flows, warme Samples und schleppende Drums ergeben ein eigenes Soundbild, das inhaltlich größtenteils Raum für ernstere Töne bietet. „So don’t be mad at me / I used to breathe asthmatically / No strategy for whenever brain / Gets going, counting the stars through the growing pains”, erklärt sich der 36-Jährige auf “Daydreaming In The Projects”. Eine abwechslungsreiche Platte, die trotz elf unterschiedlicher Producer erstaunlich kohärent wirkt und mit Songs wie “Breezeway Ritual” sogar durch Soundexperimente überrascht. +++ Wenn es um Ace Tee geht, kann über einen Hype gesprochen werden, der nicht nur in YouTube-Hits, sondern auch in einer H&M-Kollektion gipfelte. Die EP „Tee Time“ nutzt die Aufmerksamkeit der Stunde und liefert passend zum Herbstanfang fünf Stücke plus einen Remix, die dem Rap beziehungsweise R‘n‘B Mitte der Neunziger näher sind als aktuellen HipHop-Strömungen. Sie fordert „Bounce auf dem Beat“, repräsentiert das „Hamburg City Life“ und fragt „Bist du down?“. Alles keine musikalische Revolution, dafür aber gutgemachte Musik, die zum Fühlen da ist. +++ „Concrete and Gold“ schimpft sich das neunte Studioalbum der Foo Fighters. Und der Name ist Programm: Mit Songs wie „Run“ oder „The Line“ beweist die Band rund um den Coolheitsbeauftragten Dave Grohl ein weiteres Mal, dass sie sowohl Härte als auch Massentauglichkeit beherrscht. Auf „Concrete and Gold“ klingt das zwar meistens wie Rock nach Vorschrift, doch auch eine solide Foo-Fighters-Platte ist immer noch eine hervorragende Platte. +++ Über Grand Hotel van Cleef erschien Anfang September „God’s On Our Side; Welcome To The Jungle“ von der norddeutschen Rockband Lirr. Trotz der 28 Minuten Spielzeit bieten die zehn Stücke eine Abwechslung, die andere Musiker nicht auf einem Doppelalbum bieten. Im ersten Teil von „Jungle“ holt Sänger Joe die Hörer mit bitterbösen Growls ab, um zwei Lieder später auf „Sour, Pt. 1“ mit einer astreinen Kopfstimme zu überraschen. Der zweite Part von „Sour“ lebt hingegen von den instrumentalen Parts, die fast schon Post-Rock schreien. Lirr haben mit „God’s On Our Side…“ ein Album veröffentlicht, das zu vielfältig ist, um es mit einem begrenzten Label wie Emo auszuzeichnen.

 

American Vandal

In einer Mischung aus Dokumentation und Schauspiel erzählt American Playboy: The Hugh Hefner Story die Geschichte des berühmten Magazingründers. Sowohl nachgedrehte Szenen, in denen Matt Whelan die Rolle des Hefners mimt, als auch Interviewschnipsel mit dem leibhaftigen Hefner sind zu sehen. Das ergibt einen von Zeitzeugen kommentierten und dadurch fesselnden Blick auf den Playboy-Chef und sein Schaffen. Um den jeweiligen Zeitgeist einzufangen, gehen die Macher auch auf geschichtliche Ereignisse ein. Da die Serie eine Gemeinschaftsproduktion von Amazon und Playboy ist, wird Hefner als herzensguter Mensch dargestellt, der selbst dann reflektiert und bedacht agiert, wenn er Dummheiten macht. Dennoch sind die zehn Episoden ein spannender Einblick in eine Welt, die sich über die Jahrzehnte komplett verändert hat. +++ Anfang September startete die vierte Staffel der Animationsserie Bojack Horseman auf Netflix. Und was in den 36 vorangegangenen Episoden funktioniert hat, gelingt den Machern auch mit den zwölf neuen Folgen. Die Schattenseiten der Unterhaltungsindustrie werden satirisch durch den Kakao gezogen. Diesmal wird der Fokus jedoch verstärkt auf Nebenfiguren gelegt. In der ersten Episode ist Protagonist Bojack nicht einmal zu sehen. Das bekommt der Serie, die Themen wie Depressionen, Beziehungsprobleme und Familienkonflikte dadurch noch eindringlicher zu behandeln weiß. +++ Der Plot von American Vandal klingt absurd und das ist er auch: Ein Unbekannter besprüht 25 auf dem Lehrerparkplatz parkende Autos mit Penissen und löscht anschließend die Aufnahmen der Überwachungskamera. Ein perfektes Verbrechen, dem die beiden Schüler Peter und Sam in Form eines Dokudrehs auf die Schliche kommen möchten. Die acht Episoden der Mockumentary nehmen Crime-Dokus, die sich nicht erst seit „Making A Murderer“ großer Beliebtheit erfreuen, auf die Schippe. Der Ton ist ernst, die Präsentation hochtrabend. Als Zuschauer ist man angespannt, kann die nächste alles verändernde Entdeckung kaum abwarten und vergisst dabei, dass es eigentlich nur um infantile Schmierereien geht. „American Vandal“ funktioniert dank des Casts, dessen Spiel so echt wirkt, als wäre die Hanover High School tatsächlich Opfer der Penisstraftat geworden.

 

Star Trek: Bridge Crew

Bereits seit Mai ist Star Trek: Bridge Crew erhältlich und richtet sich ausschließlich an Besitzer einer Virtual-Reality-Brille. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Besatzungsmitglieds der USS Aegis – zur Auswahl stehen Captain, Steuermann, Chefingenieur und taktischer Offizier. Jeder Posten hat eigene Aufgaben wie das navigieren des Schiffes, das Reparieren von Systemen oder das kommunizieren mit anderen Weltraumtouristen. Zwar ist es möglich, in Solo-Sessions alle Aufgaben zu übernehmen, doch gerade das Zusammenspiel mit drei weiteren Menschen aus Fleisch und Blut macht „Bridge Crew“ erst reizvoll. Wer die richtigen Mitspieler hat, kann sich in ein Rollenspiel fallen lassen, dass eine „Star Trek“-Atmosphäre erzeugt, die es in dieser Form noch nicht gab. Da lassen sich auch die mageren Missionsinhalte verschmerzen. +++ Was haben PlayStation-4-Besitzer Ende 2013 über den Launch-Titel „Knack“ geschimpft: Langweiliges Gameplay, unsympathische Protagonisten und ein Szenario, das nicht einmal die jüngeren Geschwister begeistern könnte. Umso überraschender ist es, dass Sony an der Marke festhält und mit Knack 2 knapp vier Jahre später einen Nachfolger veröffentlicht hat. Und nach wie vor bewirbt sich der Action-Plattformer des Entwicklerstudios SIE Japan nicht um Innovationspreise. Der Titel wirkt optisch, als hätte ihn die B-Mannschaft von Pixar zusammengeschustert. Auch spielerisch passiert nichts, was es nicht schon woanders gab. Schieberätsel, Sprungpassagen und Hack-and-Slay-Abschnitte müssen gemeistert, erarbeitete Fähigkeitspunkte wollen auf Talentbäume verteilt und versteckte Kisten können entdeckt werden. Leider ist das Spiel viel zu lang, was sich mit dem repetitiven Gameplay beißt. Wer „Knack 2“ auslässt, wird nichts verpassen. Wer dem Spiel dennoch eine Chance gibt, erhält ein harmloses 12-Stunden-Abenteuer, das mit 40 Euro fair bepreist ist.

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