Kurz & knapp #77: Baroness, Flaming Lips, Huge In France, Stranger Things…

Kurz-Reviews: Unter anderem mit der Netflix-Serie „Huge In France“

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Baroness, Hanne Hukkelberg, Global Dan, Flaming Lips, Missincat, Symmetry Lover, Huge In France, Stranger Things, Blazing Chrome & Anthem.

 

Baroness „Gold & Grey“

Mit „Gold & Grey“ beenden Baroness die Farblehre. Ihr fünftes Studioalbum klingt herausfordernder als alles, was die Band bisher aufnahm. Kurze Interludes, die sich selbst vor elektronischen Noise-Ausflügen nicht fürchten, dienen hierfür als Beweis. Frontmann John Baizley hat die Belegschaft vor den Albumarbeiten einmal ausgetauscht. Der charakteristische Baroness-Sound, der sich aus Heavy Metal, Prog- und Psych-Rock zusammensetzt, geht auf der vollgepackten Stunde trotzdem nicht verloren. Gewollt übersteuerter Stadionrock („Throw Me An Anchor“) trifft auf Stücke, die selbst ohne Schlagzeug wie Dampfwalzen klingen („I‘d Do Anything“). +++ Auch wenn Hanne Hukkelbergs Stimme auf „Birthmark“ die zentrale Rolle einnimmt, besteht ihre Musik aus vielen Elementen. Field Recordings, elektronische Drumsets und experimentelle Samples – die Norwegerin denkt auf ihrem sechsten Album das Singer-Songwriter-Genre konsequent weiter. Das Schreiben begann sie dennoch am Klavier ihrer verstorbenen Großmutter. Dieser gefühlvollen Platte hört man das an. +++ Wirklich eigen ist Global Dan auf „Global Meltdown“ nicht. Vorbilder wie Juice WLRD sind auf Stücken wie „W.A.N.T.S“ deutlich herauszuhören. Dennoch hat diese Wundertüten aus den besten Einflüssen der späten 2010er etwas für sich. Mit einer übersichtlichen Spielzeit von 30 Minuten verleitet das Album zu mehr als einer Rotation.

 

The Flaming Lips „King’s Mouth“

Die Flaming Lips kennen sich mit Konzeptalben aus. Schon auf „Yoshimi Battles The Pink Robots“ von 2002 erzählten sie eine Geschichte von mutigen Helden. Ohne an den alten Plot anzuknüpfen, wiederholen sie das nun auf ihrem 15. Studioalbum „King‘s Mouth: Music And Songs“. Näher war die Band noch nie an Filmmusik dran, was ein Stück wie „Electric Fire“ eindrucksvoll beweist. Trotzdem setzen sie nicht durchgängig auf Pomp, sondern spielen auf „All For The Life Of The City“ auch verträumten Rock. Mick Jones hält die Songs als Erzähler zusammen. In kleiner Auflage erschien die Platte bereits beim Record Store Day. +++ Das zehnjähriges Jubiläum als Musikerin feiert Missincat mit ihrem ersten italienischsprachigen Album. Mögliche Sprachbarrieren überwindet die Wahl-Berlinerin mit einer Melancholie, die alle Hörer_innen verstehen. Produziert wurde die Platte von Philipp Milner, der Missincat einen typischen Hundreds-Sound auf den Leib schneidert. Trotzdem stehen nicht die elektronischen Instrumentale, sondern die einzigartige Stimme der Sängerin im Vordergrund. +++ Zum Abschluss des Musikabschnitts noch ein Tipp für Freunde härterer Gitarrenmusik: Symmetry Lover spielen auf ihrem selbstbetitelten Album Hardcore mit leichtem Metal-Einschlag. Sängerin Ina spuckt gesellschaftskritische Texte darüber, die dank ihrer einnehmenden Präsenz in Kopf und Herz schießen.

 

„Huge In France“

Gad Elmaleh zählt zu den bekanntesten Film- und Fernsehgesichtern Frankreichs. Außerhalb des Landes kennen ihn nur wenige. Davon handelt die Netflix-Serie Huge In France, in der er sich in „jerks.“-Manier überspitzt selbst darstellt. Gad reist nach Los Angeles, um Kontakt mit seinem Teenager-Sohn aufzunehmen. Dass er sich erst einmal an das Otto-Normal-Dasein gewöhnen muss, verknüpft die Serie mit unverbrauchten Gags. Die charismatischen Nebenfiguren bieten wenig Projektionsfläche, unterhalten aber auf ihre Art. Menschen, die über sich selbst lachen können, unterhalten eben immer noch am besten. +++ Dritte Staffeln haben es nicht leicht. Da passt eine Statistik, die zeigt, dass Netflix Serien häufig nach der zweiten Season beendet. Stranger Things gehört nicht zu den Shows, die das besorgt. Die Mystery-/Sci-Fi-Serie brach auch nach der Premiere der dritten Staffel zahlreiche Rekorde. Und das zu Recht: Das Konzept geht noch immer auf. Hier und da wurde zwar an den Stellschrauben gedreht, doch das hält die Show frisch. So stoßen mit Robin und Erica zwei neue Figuren zur Jugendgang, Billy erhält die tiefste Hintergrundgeschichte des Casts und mit der Sowjetunion gibt es eine neue Bedrohung. Das alles überrascht nicht, reicht aber, um den Status als eine der interessantesten Serien unserer Zeit nicht zu verlieren.

 

„Blazing Chrome“

Bereits die ersten Minuten zeigen, wer mit Blazing Chrome Spaß haben wird: Frustresistente „Contra“- und „Metal Slug“-Ultras. Der Run‘n‘Gun-Plattformer aus dem Hause JoyMasher verzeiht nichts und fordert zu immer neuen Anläufen heraus. Die 16-Bit-Optik möchte nicht modern aussehen, sondern versteht sich als Reminiszenz an SNES-Tage. Bildschirmfilter erzeugen den klassischen Röhrenfernseher-Look. Für spielerische Abwechslung sorgen Power-Ups, unterschiedliche Waffen und Gadgets. Am Ende der Levels, die in mehrere Abschnitte unterteilt sind, wartet ein bildschirmfüllender Endgegner. Mit knapp zwei Stunden Spielzeit – natürlich je nach Können – ist „Blazing Chrome“ ein Spaß, der vor allem im Koop-Modus begeistert. +++ Für Anthem lief es zu Beginn nicht optimal. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung behob Bioware die meisten Kinderkrankheiten allerdings und setzte den Preis deutlich herab. Nun gibt es kaum noch Gründe, keinen Blick in den Third-Person-Shooter mit Online-Ausrichtung zu wagen. Die Science-Fiction-Fantasy-Welt rund um die Freelancer wird deutlich spannender erzählt, als es bei einem direkten Konkurrenten wie „Destiny“ der Fall war. Die endlosen Ballerorgien verlieren trotzdem schnell ihren Reiz. Freude bereitet dagegen das butterweiche Steuern der Kampfanzüge. Egal ob im Lauf- oder Flugmodus – Spieler_innen fühlen sich wie Iron-Man. Unverschämt sind die Ladezeiten immer noch, doch für faire 20 Euro sollte jeder Genre-Fan zurückgreifen.

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