Kurz & knapp #29: Metallica, Split, Watch_Dogs 2, Deadpool…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Metallica, Solange, Rapsody, Dumbfoundead, Jae Millz, Call of Duty: Infinite Warfare, The Last Guardian, The Walking Dead: A New Frontier, Watch_Dogs 2, One Day At A Time, Split, Catherine Meurisse, Suicide Squad & Deadpool.

 

Solange „A Seat At The Table“

Nach einer Reihe enttäuschender Platten sind Metallica mit dem Doppelalbum „Hardwired… To Self-Destruct“ so hart wie schon lange nicht mehr zurück. „War is never done / rub the patch and battle on“, singt sich James Hetfield energisch durch „Confusion“ und beschreibt damit das, was Gitarren und Schlagzeug auf den zwölf Anspielpunkten veranstalten, wohl selbst am besten. Ein Geknüppel, das erfrischend angriffslustig klingt und auf voller Lautstärke unterhaltsames Ohrenbluten verursacht. +++ Wo Beyoncé mit ihrer 2016er Veröffentlichung „Lemonade“ auf die Rückenstärkung der Frau und das Kopfwaschen des Mannes setzte, holt ihre Schwester Solange deutlich weiter aus. Auf ihrem Weltverbesserungsalbum „A Seat At The Table“, das gut eine Woche vor den US-Präsidentschaftswahlen veröffentlicht wurde, singt Solange über das Schwarzsein, die Schönheit daran, aber auch die Probleme, die dies in einer von weißen alten Männern regierten Welt mit sich bringt. Immer wieder werden die zugänglichen jedoch nie zu radiotauglichen R’n’B-Schmusenummern verwaschenen Stücke von Interludes unterbrochen, in denen Master P sowie Solanges Eltern von ihren Lebenswegen berichten. „A Seat At The Table“ ist pro-black – wer das als anti-white interpretiert, hat nichts verstanden. Ein Album, das zu keinem besseren Zeitpunkt hätte erscheinen können. +++ Zum Abschluss noch drei kostenlose Download-Tipps aus dem Genre Rap: Roc-Nation-Signing Rapsody gibt mit der „Crown EP“ einen skizzenhaften Vorgeschmack auf das, was 2017 noch kommen mag. Dumbfoundead verbreiten mit ihrem 10-Tracks-Mixtape „We Might Die“ schlechte Stimmung. Jae Millz ist zurück und hat mit „Back In My Bag“ eine textlich und musikalisch abwechslungsreiche EP veröffentlicht.

 

The Last Guardian

Der Trailer zu Call of Duty: Infinite Warfare gehört auf YouTube zu den Videos mit den meisten Dislikes. Und auch die Verkaufszahlen des gefühlt 1000. Serienteils blieben hinter denen der Vorgänger weit zurück. Zumindest die Kampagne – um die es in dieser Kurzreview geht – hat diesen Misserfolg nicht verdient. Zwar kommt das Gefühl auf, die Entwickler von Infinity Ward hätten sich großzügig an Gameplay-Elementen aus „Titanfall“ bedient und diese mit CoD-typischen Actionmomenten gemischt, der daraus entstandene Cocktail schmeckt jedoch hervorragend. Das futuristische Setting ermöglicht Raumschiffschlachten, die nach einer Weile repetitiv wirken, sich aber geschmeidig führen lassen. Getoppt wird das Sci-Fi-Gefühl durch eine Auswahl an Waffen und Gadgets, die „Advanced Warfare“ wie ein Mittelalterspiel aussehen lassen. Inhaltlich verdient sich „Infinite Warfare“ keinen Autorenpreis. Mit dem von Kit Harington gespielten Antagonisten und dem herzlichen Roboterpartner Ethan bietet die Geschichte aber viele emotionale Anknüpfungspunkte. „Call of Duty: Infinite Warfare“ ist die gutgemachte Fast-Food-Kost, die seit Jahren aufgetischt wird. +++ 2009 wurde The Last Guardian angekündigt. Erst sieben Jahre später ist das Spiel von den „Ico“- und „Shadow of the Colossus“-Machern exklusiv für die PlayStation 4 erschienen. Entsprechend groß waren die Erwartungen und auch wenn „The Last Guardian“ gut ist, perfekt ist das Spiel nicht. Gemeinsam mit dem dinosauriergroßen Fabelwesen Trico muss sich der Spieler aus Third-Person-Sicht durch eine malerische Spielwelt bewegen, kämpfen und rätseln. Trico wird durch simple Tastenbefehle gesteuert und für Kletterpassagen in Position gebracht. Das fällt häufig so unpräzise wie die Steuerung der eignen Spielfigur aus. Genervtes Abbrechen einer Session kann bei diesem zickigen Gameplay vorkommen. Trotzdem ist „The Last Guardian“ ein märchenhaftes Spiel, das die von Actiontiteln übersättigte Spielebibliothek angenehm entschleunigt.

 

The Walking Dead: A New Frontier

Zur Veröffentlichung der dritten Staffel von Telltale Games erfolgreichsten Adventure-Reihe standen gleich zwei Episoden zur Verfügung, die erzählerisch einiges anders machen als ihre Vorgänger. The Walking Dead: A New Frontier ermöglicht es, neben der bereits bekannten Hauptfigur Clementine auch in den neuen Charakter Javi zu schlüpfen. Das gibt der spielerisch auf der Stelle trabenden Serie frischen Wind und ermöglicht neue Beziehungskonflikte. Da wir nur in Rückblenden die zur Teenagerin gereiften Clementine steuern können, in der Gegenwart hingegen mit Javi Entscheidungen treffen müssen, fühlt sich die Episoden jedoch wie eine Staffelstabübergabe an. Clem wirkt wie ein Fremdkörper in ihrem eigenen Spiel. +++ Nach dem ersten Teil von 2014 wurde geschimpft und gewütet: Ein viel zu langweiliges Gameplay, die Grafik sah schlechter aus als im Vorfeld versprochen und die Hauptfigur war ein rachsüchtiges Ekelpaket, das man einfach nicht durch das graue Chicago steuern wollte. Watch_Dogs 2 macht alles anders. San Francisco, das als farbenfroher Open-World-Spielkasten jede Menge Entdeckungen und Nebenbeschäftigungen bietet, ist die Kulisse für den etwas zu hippen, aber deutlich spannenderen Marcus Holloway. Dieser fährt, rennt, schießt, prügelt und hackt sich durch eine simple, dennoch interessante Geschichte, die von echten Vorfällen inspirierte Themen behandelt. Mit „Watch_Dogs 2“ ist Ubisoft das Kunststück gelungen, das sie bereits mit „Assassin’s Creed 2“ vollbracht haben. Aus Fehlern lernen und im zweiten Anlauf richtig abliefern. Schade nur, dass Ubisoft die Spielerschaft längst vergrault hat. Die Verkaufszahlen liegen weit hinter denen des Vorgängers zurück.

 

Split

Nach „The Ranch“ und „Fuller House“ hat Netflix eine weitere eigenproduzierte Sitcom veröffentlicht. One Day At A Time erzählt aus dem Alltag der Veteranin Penelope, die als Krankenschwester arbeitet und mit der Unterstützung ihrer Mutter Lydia die beiden Kinder Elena und Alex großzieht. Da die Protagonisten kubanischer Abstammung sind, ermöglicht dies der Serie Themen anzusprechen, die in der stark von weißen Familien geprägten Sitcom-Kultur bisher zu kurz kamen. Dabei gibt sich gerade Hauptdarstellerin Justina Machado keine Blöße und stellt eine starke unabhängige Frau dar, die sich mit Witz und Ausstrahlung gegen widrige Umstände durchsetzt. Die von Gloria Calderon Kellett und Mike Royce entwickelte Serie basiert auf der gleichnamigen Sitcom aus den siebziger Jahren, in der Bonnie Franklin das Familienoberhaupt spielte. +++ M. Night Shyamalan hat es schon wieder getan: Er nimmt sich eine coole Idee und torpediert sie mit einem durchwachsenen Finale. Das ist schade, denn Split ist – bis auf das letzte Viertel – nervenaufreibend und zeigt stilistisch, zu was der Kopf hinter „The Sixth Sense“ fähig ist. Der von James McAvoy gespielte Kevin leidet an dissoziativer Identitätsstörung, weshalb er davon überzeugt ist, in seinem Körper 23 verschiedene Persönlichkeiten zu vereinen. Nachdem die bösartigen Identitäten Kontrolle über Kevins Körper übernehmen, entführt dieser drei junge Mädchen. Psychoterror bricht aus, da sowohl die Figuren als auch die Zuschauer immer wieder unsicher sind, mit wem sie es zu tun haben. Shyamalan verstärkt dieses beklemmende Gefühl mit seinen typischen Stilmitteln bestehend aus Licht- und Schattenspielen sowie Kameraeinstellungen, die die Hauptfiguren entweder aus der Ferne beobachten oder so nah herangehen, dass die Übersicht verloren geht. Leider übertreibt es Shyamalan zum Ende hin, indem er fast schon paranormale Phänomene einführt und emotionale Verbindungen zwischen den Hauptfiguren aufbaut, die nicht nachvollziehbar sind.

 

Catherine Meurisse „Die Leichtigkeit“

Catherine Meurisse ist Karikaturistin beim französische Satiremagazin Charlie Hebdo und überlebte das Attentat vom 7. Januar 2015 vermutlich nur, weil sie an diesem Morgen verschlief. Auf den 144 Seiten ihrer Graphic Novel Die Leichtigkeit verarbeitet sie die schreckliche Tragödie mit allen Werkzeugen, die ihr zur Verfügung stehen: Wut, Trauer, Angst, Galgenhumor, aber auch Freude über die Schönheit des Lebens. „Die Leichtigkeit“ ist ein unerbittliches Werk, das der Frage nachgeht, ob man nach solch fürchterlichen Ereignissen noch weitermachen kann und wenn ja, wie? +++ Der Hype um das Antiheldenteam mit Harley Quinn und Deadshot bekommt per zweiteiligem Special weiteres Futter: Die neue Suicide Squad. In den beiden Ausgaben legt sich die Truppe mit einer deutschen Sekte an. Dabei wird nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen und dämlichen Sprüchen (Harley Quinn und so) gespart. Gerade für Neueinsteiger und Querleser, die keine Geschichte mit großer Tragweite erwarten, lohnen sich diese Spezialausgaben, da Vorwissen nicht benötigt wird. +++ In der siebten Ausgabe der monatlichen Deadpool-Reihe gibt es neben dem zweiten Teil der „Deadpool 2099“-Geschichte auch den Start einer neuen Story. „Die letzten Tage der Magie“ ist ein besonders farbenfrohes Klassentreffen von Marvels Zauberern, in dessen Verlauf dem unsterblichen Söldner tatsächlich die Sprache wegbleibt. Ein herber Schicksalsschlag zeigt, dass Deadpool nicht immer der lustige Sprücheklopfer sein kann. Die deutschen Marvel-Herausgeber von Panini Comics haben vermutlich selbst gemerkt, dass die Schwemme an zusammenhanglosen Deadpool-Veröffentlichungen unübersichtlich wird. An das Ende des Heftes ist daher eine Übersicht der letzten Hefte samt empfohlener Lesereihenfolge angehängt.

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