Kurz & knapp #28: Shindy, sido, The OA, Titanfall 2, Deathstroke…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Stranger Things OST, sido, Shindy, Genetikk, A Tribe Called Quest, Vanishing Life, Das römische Reich: Eine blutige Herrschaft, Der 13., The OA, Titanfall 2, Steep, Deathstroke, Venom & Vision.

 

Shindy „Dreams“

Von Kyle Dixon und Michael Stein stammt der Soundtrack zur Netflix-Erfolgsserie Stranger Things. „Volume 1“ beinhaltet 36 synthetische Instrumentalstücke, die von schön, weird bis gruselig jede Stimmungslage der Serie abdecken. Wer sich dem Soundtrack mit voller Aufmerksamkeit widmet, könnte trotz Retrocharme schnell Langeweile verspüren. „Volume 2“ mit 39 weiteren Liedern ist ebenfalls erhältlich. +++ sido ist zurück und trägt wieder Maske. Und zwar passend zur neuen Platte „Das goldene Album“ eine vergoldete. Ob es am Einfluss seines neuen Schützlings Estikay liegt, ist schwer zu sagen, doch der 37-jährige wirkt so hungrig wie schon lange nicht mehr. sido verzichtet auf eine Deluxe Box und legte der CD stattdessen ein dickes Booklet mit allen Texten bei. Kein Mensch braucht billige Aufkleber oder T-Shirts, wenn die Musik für sich spricht. Auf von DJ Desue und sido selbst produzierten Beats schießt der Maskenmann sowohl gegen die Szene als auch Szenekritiker, blickt in Songs wie „Papa ist da“ in die Zukunft, versetzt sich in „Ganz unten“ aber auch zurück in seine ärmeren Zeiten im Märkischen Viertel. Wer hätte gedacht, dass sido mit seinem bereits siebten Studioalbum noch einmal so viel Spaß macht. +++ Seit 2013 haut Shindy jedes Jahr verlässlich ein neues Album raus, auf dem er sich thematisch stets im Kreis dreht: Er beschreibt detailliert seinen verschwenderischen Lebensstil, kann die Möglichkeit, diesen führen zu können, selbst nicht fassen und erniedrigt an der Seite von Bushido seine schlecht gekleideten Gegner. Auch „Dreams“, die neue Langspielplatte des mit deutlich heiserer Stimme rappenden Künstlers, ist keine Ausnahme. Wer sich also auf ein Feuerwerk der Innovationen freut, wird enttäuscht. Wer der Shindy-Formel jedoch nicht überdrüssig ist, bekommt die gewohnt hohe Qualität geliefert.

 

The Vanishing Life „Surveillance“

Und schon wieder ein neues Album: „Fukk Genetikk“. Karuzo rappt nach wie vor in seiner eigenwilligen, aber einzigartigen Art und Sikk bastelt immer noch verlässlich Beats, die den Seitenspiegel zum Wackeln bringen. Inhaltlich trifft Reichtum auf Elend, verpackt in sprachliche Bilder, die von Karl-May-Filmen und den sozialen Brennpunkten dieser Welt inspiriert sind. Wer „D.N.A.“ mehr mochte als „Achter Tag“, wird sich über „Fukk Genetikk“ freuen. +++ Spätestens nach dem Tod von Phife Dawg hätte niemand mehr daran geglaubt, doch vor einigen Wochen erschien mit „We Got It From Here… Thank You 4 Your Service“ ein neues Album der HipHop-Legenden A Tribe Called Quest. 16 schnörkellose Stücke in guter alter ATCQ-Tradition, die in Zeiten von Donald Trump mehr Relevanz denn je besitzen. Die Musik ist jazzig und unaufgeregt, holt sich mit Beiträgen von Kanye West über Busta Rhymes bis hin zu Elton John große Gäste ins Boot, die sich dem Tribe-Sound unterzuordnen wissen. Schade, dass es das mit A Tribe Called Quest nun vermutlich wirklich gewesen ist. +++ Walter Schreifels, Zach Blair (Rise Against), Autry Fulbright und Jamie Miller (beide …And You Will Know Us By The Trail Of Dead) bilden die Post-Hardcore-/Punk-Supergroup Vanishing Life, die Mitte November kurzfristig ihr Debütalbum “Surveillance” veröffentlicht hat. Die darauf enthaltene Musik schiebt sich wie eine Dampfwalze durch elf Anspielpunkte und macht erst halt, wenn der letzte Ton im finalen Stück „Big Other“ ausgeklungen ist. Inhaltlich hebt Schreifels die Faust und holt trotz seiner 47 Jahre mit gefühlt jugendlichem Elan gegen Establishment und Ungerechtigkeiten aus.

 

The OA

Mit Das römische Reich: Eine blutige Herrschaft wagt Netflix ein besonderes Experiment: Dokumentation trifft auf TV-Serie. In den sechs Episoden der ersten Staffel werden Erklärungen und Einordnungen von renommierten Historikern mit geschauspielerten Szenen unterlegt, die wiederum von Sean Bean als Erzähler begleitet werden. So wird aus einer vermeintlich trägen Geschichtsstunde ein packender Bastard aus Doku- und Dramaserie, der das Leben von Marcus Aurelius und Commodus anschaulich nacherzählt. +++ Ava DuVernays Netflix-Dokumentation Der 13. zeigt auf, in welchem Zusammenhang die Masseninhaftierungen in US-Gefängnisse mit der jahrhundertelangen Versklavung der Afroamerikaner stehen. Dabei macht es sich die Doku nicht einfach, indem sie nur plump über Gut und Böse urteilt, sondern wagt einen tiefschürfenden Blick auf komplexe Sachverhalte. „Der 13.“ erzeugt ein bedrückendes Bild, das durch den Erfolg des erzkonservativen Rammbocks Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl noch düsterer wirkt. +++ Die 28-jährige Prairie Johnson kehrt sieben Jahre nach ihrem Verschwinden in die Heimat zurück. Von ihrer Blindheit geheilt und von Narben übersät, wirft die geheimnisvolle Rückkehr Fragen auf, die sich in den acht Episoden der ersten Staffel von The OA nur langsam klären. Netflix hat mit „The OA“ eine Serie veröffentlicht, die nicht ganz so bildgewaltig wie „Stranger Things“ ausfällt, in Sachen Spannung aber mindestens ebenbürtig ist. Protagonistin Brit Marling, die die Serie sowohl erdacht als auch geschrieben hat, ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das den Charme einer hochwertig produzierten Mystery-Serie aus den 90er Jahren versprüht.

 

Titanfall 2

Als 2014 der futuristische First-Person-Shooter „Titanfall“ für Xbox und PC veröffentlicht wurde, ärgerten sich die PlayStation-Spieler noch über die Exklusivität. Nun ist Titanfall 2 erschienen und steht für alle großen Plattformen zur Verfügung. Neben einem Online-Multiplayer, der sich nicht vor den großen Shooter-Konkurrenten zu verstecken braucht, überrascht das Spiel vor allem durch die hervorragend inszenierte Kampagne. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Titan-Piloten Cooper, der gemeinsam mit seinem „Kampfroboter“ BT-7274 die feindliche IMC stoppen muss. Dabei überzeugen nicht nur die wuchtigen Feuergefechte und lauten Explosionen, sondern auch die abwechslungsreichen Spielelemente, mit denen fast verschwenderisch umgegangen wird: Es gibt Sprungpassagen, die alles aus dem gut funktionierenden Gleit- und Wallrun-System herausholen, die Möglichkeit per Knopfdruck in der Zeit zu springen und somit die Umgebung zum eigenen Vorteil zu verändern und eine Welt, die sowohl gegnerische Droiden und Soldaten als auch eine feindlich gesinnte Tierwelt bereithält. Das Highlight ist jedoch die glaubhafte Beziehung, die zur KI des Titans aufgebaut werden kann. Der Spieler fängt tatsächlich an, sich um seinen Blechkameraden zu Sorgen. Neben „Doom“ bietet „Titanfall 2“ die wohl unterhaltsamste Shooter-Kampagne des Jahres. +++ Wintersportspiele sind eine Rarität, weshalb es eine begrüßenswerte Entscheidung von Ubisoft war, mit Steep Anfang Dezember einen entsprechenden Titel zu veröffentlichen. In einer riesigen Spielwelt, die an die Schweizer Alpen angelehnt ist, kann sich der Spieler per Snowboard, Skier, Wingsuit oder Paraglider ohne Ladezeiten fortbewegen. Dabei steht die Suche nach neuen Strecken, Turnieren und Herausforderungen im Mittelpunkt. Das Gefühl, einen nicht enden zu wollenden Berg hinunterzubrettern, fängt das Spiel großartig ein. Leider legt sich die Euphorie bereits nach wenigen Stunden, wenn – der ständigen Wiederholung von Spielelementen geschuldet – Ermüdungserscheinungen einsetzen. „Steep“ hat trotzdem das Potenzial, die Lücken zwischen den Blockbuster-Titeln in der kalten Jahreszeit zu füllen.

 

Venom: Space Knight – Galaktische Symbiose

Mit Band 3 „Nicht ohne seine Tochter“ bietet die Deathstroke-Comicserie den perfekten Startpunkt für Quereinsteiger. Der schwertschwingende Söldner versucht Suicide-Squad-Befehlshaberin Amanda Waller zu töten, um von Harley Quinn Hinweise über den Verbleib seiner Tochter zu erhalten. In einem modernen Stil gezeichnet, bietet die Geschichte mehr Action als Dialoge und macht gerade durch die Simplizität des Plots Spaß. Mit Snakebite wird zudem ein frischer Bösewicht eingeführt, der an Gegenspieler der alten Comicschule erinnert. +++ „Galaktische Symbiose“ nennt sich die erste Ausgabe der Sonderbandreihe Venom: Space Knight. Darin trägt Flash Thompson den aus „Spider-Man“ bekannten Venom-Symbionten in sich und tritt als neustes Mitglied der Guardians of the Galaxy gegen Weltraumpiraten an. Wer auf eine düstere Geschichte mit dem ehemaligen Erzfeind des Spinnenmanns hofft, wird zum Glück enttäuscht. „Venom: Space Knight“ ist eine erstaunlich witzige Geschichte, die mit allerlei Superheldenkonventionen bricht und daher als kleine Überraschung gewertet werden kann. +++ Vision – der synthetische Mensch, der an der Seite der Avengers für das Gute kämpft – baut sich in dem malerisch gezeichneten Sonderband „Eine (fast) normale Familie“ Frau und Kinder, um ein (fast) normales Leben in einer US-amerikanischen Vorstadt zu führen. Dass das nicht gutgeht, wird für niemanden eine Überraschung sein, denn nicht nur Grim Reaper, sondern auch ängstliche Nachbarn machen es der jungen Familie schwer. Die Geschichte thematisiert die Auswirkungen von Fremdenfeindlichkeit auf das Familienleben, schafft es dabei aber größtenteils, auf Plattitüden und Zeigefinger zu verzichten. Die Vorbehalte gegenüber den Visions sind ebenso nachvollziehbar wie deren Wunsch Normalität zu erlangen, um ein Teil der Gesellschaft zu werden.

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