Kurz & knapp #26: Die Antwoord, Stranger Things, Narcos, Battlefield 1…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Touché Amoré, Every Time I Die, Maeckes, Jenny Hval, Bonez MC & RAF Camora, Die Antwoord, Ahzumjot & Lance Butters, 101, Tanguy, Stranger Things, Narcos, Ajin, Battlefield 1, Batman, Star Trek & Robin War.

 

Maeckes „Kreuz“

Auf „Stage Four“ – das nunmehr vierte Soloalbum von Touché Amoré – verarbeitet Sänger Jeremy Bolm den Krebstod seiner Mutter. Das ist wahrlich kein Gute-Laune-Programm, womit sich die Kalifornier aber zumindest im Ton treu bleiben. Bolm schreit sich hochemotional den Schmerz von der Seele, öffnet den Sound der Band in Stücken wie „Rapture“, „Benediction“ oder „Skyscraper“ erstmals aber auch für längere Gesangspassagen. Hart und dennoch melodiös setzen sich die 32 Minuten der Platte im Ohr fest und wollen dort erst wieder raus, wenn man als Hörer das Gefühl hat, man habe lang genug zusammen mit Bolm gelitten. Das kann jedoch dauern. +++ Die Komplikationen während der Schwangerschaft seiner Frau hat Keith Buckley – Sänger der Metalcore-Gruppe Every Time I Die – auf dem achten Studioalbum seiner Band verarbeitet. „Low Teens“ ist inhaltlich schwere Kost, die in Form von ballernden Drums und schweren Gitarrenriffs eine entsprechende musikalische Unterlage erhalten hat. Das Album prügelt eine Dreiviertelstunde auf den Hörer ein und lässt nur in ganz wenigen Momenten von ihm ab. „What I need is a cigarette / No more prayers“, singt Buckley im finalen Stück „Map Change“ und resümiert damit nüchtern das Gefühl völliger Erschöpfung, das man nach dem Konsum der Platte auch als Empfänger seiner Kunst empfindet. Zusammen mit „Stage Four“ von Touché Amoré eine der intensivsten Platten des Herbstes. +++ Maeckes – ein Viertel der HipHop-Boygroup Die Orsons – hat mit „Tilt“ ein Album veröffentlicht, das die 12. und 13. Klässler abholen möchte, denen Prinz Pi zu oberflächlich ist. Das könnte man zumindest meinen, wenn man sich gut gemachte, aber durchaus kitschige Stücke wie „Kreuz“ oder „Wie alle Kippenstummel zwischen den Bahngleisen zusammen“ anhört. Es ist eine wahre Freude, den 14 weit über typische Rap-Musik-Muster hinaus arrangierten Stücken zu lauschen, um am Ende freudig festzustellen, dass es scheinbar doch noch Alben gibt, die nicht bloß als Hintergrundbeschallung ihren Weg in iTunes-Playlisten finden. Mit „Tilt“ ist Maeckes, der schon immer künstlerischen Anspruch über billige Rap-Posen stellte, einen weiteren wichtigen Schritt gegangen, sich von der HipHop-Etikette zu lösen und unabhängig von Genre-Grenzen als großartiger Künstler wahrgenommen zu werden.

 

Jenny Hval „Blood Bitch“

Die norwegische Musikerin Jenny Hval hat mit „Blood Bitch“ ein hochgelobtes 36-minütiges Album veröffentlicht, auf dem verhältnismäßig klassische Popsongs wie „Conceptual Romance“ und „Period Piece“ neben Soundcollagen und Klangexperimenten wie „In The Red“ oder „The Plague“ stehen. Das ist schön bis anstrengend und klingt häufig wie der inoffizielle Soundtrack zur Netflix-Serie „Stranger Things“: Düster, kalt und sperrig, aber immer wieder bricht die Stimmung auf und entblößt süßliche Melodien, die darüber hinweghelfen. +++ Gerade mal drei Monate nach „High & hungrig 2“ mit Gzuz legt der Chef der 187 Straßenbande nach. Das Kollaboalbum „Palmen aus Plastik“ von Bonez MC & RAF Camora ist deutschsprachiger Dancehall mit Unterstützung von unter anderem Trettmann, Hanybal und dem zurückgekehrten D-Flame. Brutale In-die-Fresse-Hymnen wie „Attackieren“ oder „Mörder“ treffen auf Gute-Laune-Stücke wie „Ohne mein Team“ und melancholische Momente wie „Ruhe nach dem Sturm“. Jetzt wo sich der Winter in Deutschland einnistet, ist „Palmen aus Plastik“ der perfekte Soundtrack, um den Sommer zurückzuholen. +++ Die Antwoord haben nie langweilige Alben gemacht, doch die Zusammenarbeit mit Cypress Hills DJ Muggs muss den Südafrikanern zusätzliche Kreativschübe verpasst haben. So abwechslungsreich wie auf „Mount Ninji And Da Nice Time Kid“ waren Ninja, Yo-Landi Vi$$er und DJ Hi-Tek noch nie. Inhaltlich und ästhetisch fällt das Ganze natürlich wieder so absurd aus, als wären sie der wahrhaftige Suicide Squad. Ob theatralische Momente („We Have Candy“), poppige Schmusenummer („Alien“), beinharte Gangster-Mucke („Shit Just Got Real“) oder der altbekannte Rummelbums („Banana Brain“) – auf Platte Nummer 4 geht einiges. +++ Zum Abschluss der Musikrubrik noch ein paar kostenlose Download-Tipps: Ahzumjot & Lance Butters haben mit „Die Welle“ eine EP voller Abneigung gegen die Rap-Szene und mit ganz viel Liebe für die Bruhs und die Musik gemacht. Drei instrumentale Songs und ein besungenes Stück, die haarscharf am entspannten Ambiente-Sound vorbeischrammen, bekommt der Hörer auf „An Autumn Sunset“ von 101. Und aggressiv runtergespuckte Battle-Tracks sowie sozial- und gesellschaftskritischen Rap gibt es auf der 5-Track-EP „Prisma“ von Tanguy.

 

Stranger Things

Stranger Things ist eine weitere von Kritikern und Zuschauern zu recht gefeierte Serie aus dem Hause Netflix. Mit einer Mischung aus „Twin Peaks“ und „Goonies“ verneigen sich die Macher nicht nur in Form des Soundtracks und Settings authentisch vor der Popkultur der Achtziger Jahre, auch die Geschichte rund um einen verschwundenen Jungen und die daraus resultierende übernatürliche Suche seiner Familie und Freunde ist so spannend erzählt wie die ersten drei Staffeln von „Akte X“. Mit „Stranger Things“ feiert nicht nur Winona Ryder die Rückkehr zu schauspielerischen Höchstleistungen, auch die Jungdarstellerriege um Millie Bobby Brown und Finn Wolfhard leistet erstklassige Arbeit. Eine zweite Season wurde glücklicherweise bereits angekündigt. +++ Dagegen fällt die zweite Staffel der Pablo-Escobar-Heist-Serie Narcos etwas ab. Nach wie vor großartig inszeniert, fehlt den zehn Episoden dennoch die Abwechslung, die letztes Jahr die erste Season lieferte. Denn nicht der ausführlich behandelte Aufstieg des Pablo Escobars und seine anschließende Inhaftierung in La Catedral stehen im Fokus der Geschichte, sondern der verhältnismäßig kurze Zeitabschnitt der finalen Jagd auf den Drogenkartellchef. Das wirkt stellenweise repetitiv und ermüdend, da der Ausgang klar ist, er aber bis zur letzten Folge hinausgezögert wird. Gemessen an der Qualität, die diese Netflix-Serie immer noch bietet, lohnt sie sich trotzdem. +++ Die in Japan sehr erfolgreiche Manga-Reihe Ajin wurde Anfang des Jahres auch in Anime-Form veröffentlicht. Hierzulande zeigt Netflix alle 13 Episoden, in denen die titelgebenden unsterblichen Wesen von den Menschen gejagt werden. Inhaltlich absolut spannend erzählt, schrecken mich hingegen die vollständig computergenerierten Bilder ab. Wer einen klassisch gezeichneten Anime erwartet, wird enttäuscht.

 

Battlefield 1

Einer der großen Videospiel-Blockbuster des Jahres ist ohne Frage Battlefield 1. Nach dem eher verhalten aufgenommenen Polizeiausflug in „Battlefield: Hardline“ geht es nun zurück in den Ersten Weltkrieg. In dieser Review behandle ich ausschließlich die Single-Player-Kampagne, die mit ihren sechs Stunden Spielzeit relativ kurz ausgefallen ist, dennoch für Verfechter des Multiplayers ein lohnender Pausenhappen sein könnte. Sechs unabhängig voneinander erzählte Geschichten werden in knappen einstündigen Episoden abgehandelt. Ob aus der Sicht eines Panzerbesatzungsmitglieds, eines Kampfpiloten oder einer Anhängerin von T.E. Lawrence – „Battlefield 1“ möchte alle Aspekte des Mehrspieler-Modus in der Kampagne abbilden. Dabei steht nicht unbedingt der brutale Waffenporno im Vordergrund, sondern tatsächlich ein Krieg, der als schrecklich dargestellt wird. Statt eines eindimensionalen Superheldensoldaten wird aus der Perspektive von sechs menschlich inszenierten Protagonisten erzählt, die sich im Laufe ihrer kurzen Episoden entwickeln. Dazu gibt es vor, zwischen und nach den Abschnitten geschichtliche Einordnungen und Fakten, die das grausame Ausmaß dieses Krieges in das richtige Licht rücken. Musikalisch wird das Ganze mit dramatischen und eben nicht heroischen Orchesterklängen untermalt. Den deutschen Jugendschützern reichte das überraschenderweise, um dem Titel eine Freigabe ab 16 Jahren zu geben. Bitte nicht falsch verstehen, DICE hat mit „Battlefield 1“ keinen virtuellen Geschichtsunterricht produziert – geballert, explodiert und gemessert wird immer noch im Sekundentakt – doch im Vergleich zur plumpen „Battlefield 3“-Story ist das hier „Apocalypse Now“. Ein wichtiger Schritt, den der Marktführer im Bereich First-Person-Shooter gemacht hat und mit der einen oder anderen DLC-Episode doch noch toppen könnte?!

 

Robin War

Frank Millers Comic-Klassiker „Die Rückkehr des dunklen Ritters“ von 1986 hat mit Batman: Der letzte Kreuzzug ein Prequel erhalten. Von John Romita Jr. angelehnt an die Vorlage gezeichnet und von Brian Azzarello und Frank Miller höchstpersönlich geschrieben, erleben die Leser, was vor Robins schicksalsträchtigem Alleingang in die Lagerhalle, in der der Joker auf ihn wartete, passiert ist. Ein Muss für Fans – und wer ist das nicht – des großen Batman-Meilensteins. +++ Für Fans von Star Trek bietet der Cross Cult Verlag mit den Megabänden 12 und 13 jede Menge Lesestoff. In Ausgabe 12, die sich auf die Abenteuer der neuen Kino-Truppe konzentriert, gibt es gleich drei Geschichten: Kirk und seine Mannschaft treffen auf eine Doppelgänger-Crew mit Mitgliedern des jeweils anderen Geschlechts, die Enterprise erlangt ein Bewusstsein und erscheint in humanoider Gestalt und auf einem paradiesischen Planeten taucht ein ganz besonderes Exemplar der menschlichen Spezies auf. In Band 13, der die abgeschlossene Geschichte „Hive“ beinhaltet, kämpft die TNG-Crew um Captain Picard gemeinsam mit Seven Of Nine gegen eine erneute Invasion der Borg. Beide Hefte lesen sich zügig durch, doch gerade Band 12 ist inhaltlich lediglich Durchschnittskost, welche mittelmäßige Storys liefert, die man so schon in einer der zig TV-Folgen gesehen hat. +++ Robin, Batmans Partner in Crime, genießt derzeit größere Popularität unter den Comiclesern. Allein mit „We Are Robin“, „Der Sohn des Dunklen Ritters“ und „Grayson“ gibt es drei aktuelle Reihen, die reißenden Absatz finden. „Robin War“ ist die vierte Sonderveröffentlichung, die in zwei Bänden erzählt, wie sich Gotham City gegen den Trend der Jugend wehrt, sich als Robins zu verkleiden und geschlossen gegen das Verbrechen zu kämpfen. Natürlich haben da auch die echten Robins rund um Dick Gayson, Jason Todd, Tim Drake und Damian Wayne ein Wörtchen mitzureden. Neben den ersten drei Kapiteln der Geschichte gibt es mit „Robins vs. Zombies“ noch ein Sonderkapitel aus „Gotham Academy“. Band 2 ist mittlerweile ebenfalls erhältlich.

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