Kurz & knapp #19: Iggy Pop, Brian Fallon, Akte X, Hitman, The Division…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Megaloh, Iggy Pop, Muncie Girls, Brian Fallon, Blut & Kasse, Akte X, My Beautiful Broken Brain, Criminal Activities, Hitman, Tom Clancy’s The Division, Howard The Duck, Batgirl & Avengers.

 

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Iggy Pop „Post Pop Depression“

Mit „Regenmacher“ legt Megaloh den Nachfolger zu seinem Erfolgsalbum „Endlich unendlich“ von 2013 nach. Und der Berliner Rapper hat qualitativ mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar noch einen draufsetzend, abgeliefert. Mit auffallend viel Bläserunterstützung in den Beats rappt er über nicht besonders leichte Kost wie Flucht, Beziehungsprobleme und sein beinahe schon Markenzeichenthema Arbeitsalltag. Dabei setzt der Berliner offensichtlichen Radio-Hits wie „Ernte Dank“, „Geradeaus“ oder „Himmel berühren“ auch trockene HipHop-Knaller wie „Zapp Brannigan“ oder „Er ist“ entgegen. Eine gelungene Platte, durch die er jetzt hoffentlich seinen Zweitjob kündigen kann. +++ Wer hätte gedacht, dass ein Rock-Dinosaurier wie Iggy Pop im Jahre 2016 mit seinem bereits siebzehnten Studioalbum „Post Pop Depression“ noch einmal so ein Ding raushaut? Okay, spätestens nachdem bekannt wurde, dass Josh Homme mit am Start ist, war zumindest klar, dass es keine egale Platte werden wird. Was auf den neun neuen Songs letztendlich passiert, ist aber sowas von zeitgeistig schön – man könnte meinen, Pops Karriere würde nun von vorne beginnen. „Is anybody in there and can I bring a friend“, fragt er in „American Valhalla”, denn Humor und Hoffnungslosigkeit gehören auf diesem Tonträger zusammen wie Polizist und Verbrecher. Iggy Pops sexy Whiskeystimme trifft auf den groovigen Stoner Rock der Queens Of The Stone Age und es entstehen einnehmende Stücke, die alles vergessen machen, was zwischen „The Idiot“ und diesem Album veröffentlicht wurde.

 

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Brian Fallon „Painkillers“

Diese unschuldig klingenden aber nach vorne preschenden Hymnen, die in ihrer Mixtur aus Härte und Melancholie die wilde und aufregende Jugendzeit einfangen, kann man lieben oder hassen, eine absolute Daseinsberechtigung haben sie auf jeden Fall. Die Langspielplatte „From Caplan To Belsize“ des britischen Punk-Trios Muncie Girls beinhaltet genau zehn dieser Lieder, welche gegenseitig um die Ohrwurmqualitäten ihrer Refrains wetteifern und inhaltlich das Erwachsenwerden in die schönsten Worte seit deinem liebsten Coming-Of-Age-Roman packen. Frontfrau Lande Hekt klingt dabei so sympathisch, dass das Album mit seiner guten halben Stunde Spielzeit einmal gestartet in Dauerschleife gerät. +++ Nun ist es also offiziell: Brian Fallon hat das siebte Album von Gaslight Anthem im Alleingang herausgebracht. Denn der 36-jährige Musiker, der mit seiner Band zuletzt 2014 die durchwachsen aufgenommene Platte „Get Hurt“ veröffentlicht hat, macht auch auf seinem Solodebüt „Painkillers“ nicht viel anders. Zwölf eingängige Stücke, die mehr Folk- als Punk-Rock sind, reihen sich in 40 Minuten aneinander und tun – das muss man leider sagen – einfach niemandem weh. Das Ganze hört sich so vertraut an, dass „Painkillers“ in seinen schlechtesten Momenten einfach nur beliebig klingt. Trotzdem erwischt man sich bei Songs wie der ersten Single „A Wonderful Life“, „Among Other Foolish Things“ oder „Rosemary“ immer wieder dabei, mitzusummen und die Rückspultaste zu drücken. Das sagt möglicherweise mehr über den Hörer als den Musiker aus?! +++ Und der Download-Tipp der Ausgabe kommt von Rapper Blut & Kasse: Dieser gibt mit seinem kostenlosen Mixtape „Macher Muzik“ einen doch etwas überladenen 80-minütigen Einblick in sein Schaffen. Trotzdem auscheckenswert!

 

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Akte X

Als im März 2015 eine Miniserie bzw. zehnte Staffel mit sechs neuen Folgen von Akte X angekündigt wurde, konnte die Freude unter den Fans nicht größer sein. Zu viele offene Fragen mussten nach dem Serienende von 2001 noch geklärt werden, bevor Mulder und Scully in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen durften. Leider geben sich die neuen Folgen nicht wirklich Mühe, alte Storylines aufzugreifen und entsprechend sinnig fortzuführen. Praktisch in einem Nebensatz wird die Lächerlichkeit von den einst so spannenden Rebellen-Aliens abgetan. Stattdessen schlagen die neuen Episoden in eine vermeintlich modernere Kerbe rund um YouTube-Verschwörungsvideos und Überwachungsapparate. Das steht der Serie nicht durchgängig und gibt einem immer wieder das Gefühl, man hätte diesen TV-Meilenstein einfach in Frieden ruhen lassen sollen. Episoden wie die fast schon klassischen Monster-of-the-Week-Folgen „Mulder und Scully gegen das Wer-Monster“ oder „Heimat“ stimmen das Fan-Gemüt zum Glück etwas milder. Da ich „Akte X“ über den sogenannten „Mystery Monday“ auf Pro Sieben kennenlernte, wuchs ich nicht mit dem Originalton, sondern mit der synchronisierten Version auf. Entsprechend ungewohnt fühlte sich Mulders Stimme an, die von Sven Gerhardt statt dem sonst üblichen Benjamin Völz gesprochen wurde. Das ist jedoch einer der wenigen Punkte, den man den Machern nicht ankreiden kann. Ne, irgendwie war das nix und wird – sind wir doch mal ehrlich – auch nur geschaut, weil „Akte X“ draufsteht.

 

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Criminal Activities

Die Dokumentation My Beautiful Broken Brain begleitet die 34-jährige Lotje Sodderland nach einem Schlaganfall über mehrere Monate durch ihre Rehabilitation. Dabei schafft es der Dokumentarfilm nicht nur die Therapiefortschritte, sondern auch die dazugehörigen Gefühle der Protagonistin präzise einzufangen. So kommt man Lotje und den Menschen aus ihrem direkten Umfeld sehr nahe und fiebert weit über die Maße herkömmlicher Dokus mit. Visuelle Effekte, die dem Zuschauer zeigen sollen, wie Lotje Dinge sieht und wahrnimmt, ziehen den Zuschauer noch weiter in ihre Welt hinein. Zusammen mit Sophie Robinson schrieb und drehte Lotje Sodderland diesen eindrucksvollen und vor allem lebensbejahenden Film, der seit einigen Wochen auf Netflix zu sehen ist. +++ John Travolta ist zurück und sieht aus wie eine aufgedunsene Version von Arnold Schwarzenegger. Das macht aber nix, denn in Jackie Earle Haleys Gangsta-/Rachefilm Criminal Activities stehen ihm mit Michael Pitt, Dan Stevens, Edi Gathegi, Rob Brown und Jackie Earle Haley fünf junge Kerle zur Seite, die gut harmonieren und folglich beim Zusehen auch ordentlich fetzen. Vier alte Schulfreunde brauchen Geld, pumpen sich dieses von der Mafia und geraten – wie es halt so ist, wenn man mit dem Feuer spielt – in einen Strudel aus Gewalt und Verbrechen. Ein Finale, das mit seiner Auflösung „Fight Club“ und „Shutter Island“ Konkurrenz machen möchte, gibt dem Film einen angenehmen Überraschungseffekt. „Criminal Activities“ ist nicht im Ansatz der Genre-Film des Jahres, hat die miserablen Wertungen der Fachpresse meiner Meinung nach aber nicht verdient, denn die Geschichte ist ansatzweise schlüssig, trumpft durch charismatische Figuren auf und verläuft sich nicht in einer endlosen Erzählung mit Plotlöchern. Völlig okayer Film für zwischendurch.

 

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Tom Clancy’s The Division

An sich bin ich ein großer Freund von Videospielen, die in Episodenform erscheinen. So kann ich in überschaubaren Happen ein Spiel beenden, ohne dass es mich von vorne herein mit 20 oder mehr Zockstunden erschlägt. Warum nun aber gerade für den Auftragskiller Agent 47 und dessen sechsten und simpel Hitman betitelten Serienteil dieser Veröffentlichungsweg gewählt wurde, ist fraglich. Episode 1 beinhaltet zwei kurze Tutorial-Missionen, die den Glatzkopf mit dem Barcode im Nacken bei seiner Aufnahmeprüfung vor 20 Jahren zeigen, sowie eine große Attentatsmission während einer Modenschau in Paris. Gerade letzterer Auftrag macht tatsächlich Laune, da die Möglichkeiten seine Opfer zu töten sehr vielfältig sind. Auch die Größe des Schauplatzes erinnert eher an eine kleine Open World als an ein abgegrenztes Level. Im Monatstakt sollen nun neue Folgen erscheinen, die jeweils ein frisches Szenario bieten. Irgendwie ungünstig gelöst, denn bei „Hitman“ geht es nicht darum, eine emotionale Geschichte mit Cliffhangern zu erleben, sondern ein Videospiel des Gameplays und nicht der Story wegen zu genießen. Ich denke, mir reicht das Reinschnuppern, weshalb ich auf Folge 2 verzichten werde. +++ Kaum ein Videospieler kam in den letzten Wochen an Tom Clancy’s The Division vorbei. Wikipedia bezeichnet das Ubisoft-Spiel treffend als Open-World-Online-Rollenspiel-Shooter und bringt damit alles auf den Punkt, was man wissen muss. In einem apokalyptischen New York muss man sich in Third-Person-Sicht von Deckung zu Deckung schießen, Missionen mit dem immer gleichen Aufbau abschließen und Looten und Leveln bis Borderlands-Spieler nur noch neidisch gucken können. Das ist alles nicht die Revolution der Videospielwelt, auf dem Papier gar lahm, bockt aber trotzdem wie ein Ritt durch den Wildwasserkanal. Denn mit Freunden durch Manhattan zu schlendern, Räuberbanden auszuschalten und gemeinsam Aufträge in berühmten Gebäuden wie dem Madison Square Garden zu erledigen, bringt einen immer wieder dazu, erstaunt auf die Uhr zu gucken und sich zu fragen, wo die letzten Stunden eigentlich hin sind.

 

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Howrd The Duck: Ein Erpel für alle Fälle

Nachdem er in der After-Credits-Szene des 2014er Kinoerfolgs „Guardians Of The Galaxy“ einem größeren Publikum vorgestellt wurde, darf Howard The Duck nun in einem neuen Comicband mit dem zugegebenermaßen etwas einfältigen Titel „Ein Erpel für alle Fälle“ ran. Eine so sympathische wie außergewöhnliche Figur trifft in ihrem frischen Soloabenteuer auf das halbe Marvel-Universum und zeigt sich dabei als ein vom Leben gebeutelter aber dennoch herzlicher Zeitgenosse, der mal eben so die Welt rettet. Eine wunderbare Abwechslung zwischen all den bierernsten Superheldencomics, die der Verlag sonst so veröffentlicht. +++ Barbara Gordon aka Batgirl zieht aus Gotham City in den Hipster-Außenbezirk Burnside, um als Verbrechensbekämpferin Social-Media-Ruhm abzugrasen. In den ersten sieben Kapiteln ihrer neuen Serie, die unter dem Titel „Willkommen in Burnside!“ erschienen sind, kämpft die Partnerin von Batman nicht nur gegen das Gesindel des Viertels, sondern muss sich auch mit Problemen herumschlagen, die ihre Doktorarbeit, das Nachtleben und die Liebe betreffen. Der nerdige Einschlag, das „old schoolige“ Batgirl-Kostüm und die farbenfrohen Panels machen dabei tierisch Laune. Mit diesem quietschbunten Style könnte sie fast bei Harley Quinn und deren Soloserie vorbeischauen. +++ Mit der abgeschlossenen Mini-Story Avengers: Ultron Forever wurde vor einigen Wochen ein weiteres Abenteuer mit der künstlichen Intelligenz, die sich die Welt Untertan machen möchte, veröffentlicht. Dr. Doom versammelt darin Avengers aus den unterschiedlichsten Zeiten, um sich gegen Ultron und seine Terrorherrschaft aufzubäumen. Die von Alan Davis im Stile der Achtziger gezeichnete Geschichte bietet einen von Al Ewing geschriebenen Plot, der mit einem überraschenden Twist und spektakulären Kämpfen aufwarten kann. Unterhaltsamer Band, den man jedoch nicht zwingend gelesen haben muss, da er der Figur Ultron keine wirklich neuen Facetten hinzufügt.

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