Kurz & knapp #10: Public Enemy, Dr. Dre, Narcos, Harley Quinn, Thor…

So viele spannende Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringe ich es daher in Kurzreviews auf den Punkt. Diesmal mit dabei: Sleaford Mods, Public Enemy, Frank Turner, Andreas Spechtl, Dr. Dre, Neck Deep, Straight Outta Compton, Narcos, Harley Quinn, Nightwing, Iron-Man und Thor.

 

Public Enemy „Man Plans God Laughs“

Ihr bereits achtes Album haben die Kritikerlieblinge von Sleaford Mods mit „Key Markets“ veröffentlicht. Herrlich trockene Beats, die in Kombination mit den Raps/Spoken Words eine hypnotische Wirkung entfalten. Das ist monoton ohne langweilig zu werden. Denn die Instrumentale setzen die nur so vor cleverer Gesellschaftskritik triefenden Texte ordentlich in Szene. Vorgetragen mit einem penetranten britischen Dialekt entfaltet sich eine Klangwelt, die als perfekter Soundtrack für den trostlosen Alltag ohne Ausweg dient. Mit „Man Plans God Laughs“ haben Public Enemy ihrer umfangreichen Diskografie eine weitere Platte hinzugefügt. „Unser neues Album ist das erste Album einer HipHop-Gruppe nach ihrer Aufnahme in die Hall Of Fame des Rock’n’Roll“, erklärte Chuck D dem Juice Magazin und stellt damit noch einmal klar, mit was für Legenden wir es hier zu tun haben. Elf Stücke, die jeweils nur Spielzeiten zwischen zwei und drei Minuten haben, prasseln kompakt und heftig auf den Hörer ein. Chuck reimt mit prägnanter Stimme und einem etwas überraschungsarmen Flow über dafür umso abwechslungsreichere Beatunterlagen, die ihn auf „Honky Talk Rules“ sogar in Country-Gefilde führen. Flavor Flav tritt mit lediglich einem Part in Erscheinung, der aber auch zeigt, dass das besser so ist. Die inhaltliche Wucht, die sich – wie von der Band gewohnt – nicht um Statussymbole und Clubnächte, sondern um den Status Quo unserer Gesellschaft dreht, kommt textlich dennoch bestens zur Geltung. Hier altert eine einst wegweisende Gruppe tatsächlich in Würde. Mit seinem sechsten Studioalbum „Positive Songs For Negative People“ meldet sich Singer/Songwriter Frank Turner zurück. Endgültig zum Hymnenlieferant geworden, bietet das Album zwölf Stücke, die die Regenwolken rechtzeitig zum Feierabend vertreiben können. „If life gives you demons, make a deal / meet them at the crossroads / cross your fingers and then sign and seal“, heißt es in „Demons“. Rotzige und mutmachende Gitarrenmusik eben, die mit Band im Rücken genauso funktioniert wie akustisch, was sich in der Deluxe Edition dank Bonus-CD auch nachprüfen lässt. Wer Turner mag, wird hier ein weiteres überaus befriedigendes Werk ohne Überraschungen bekommen, das dafür kompakter ausgefallen ist als der ebenfalls großartige Vorgänger „Tape Deck Heart“.

 

Dr. Dre „Compton“

Andreas Spechtl – seines Zeichens Frontmann von Ja, Panik, Spex-Abonnent und ergiebiger Themengeber für das Feuilleton – hat mit „Sleep“ ein Solo-Album zum Dösen und Kräftesammeln veröffentlicht. Auf den acht Stücken singt Spechtl verträumte Zeilen wie „Broken tongues in my mouth / pull me north and push me south“, lässt atmosphärischen Sounds Raum zum fließen und verbindet Saxophon, Vocal-Samples und exotische Instrumente wie die Kemençe zu unaufgeregten Hits für die Schlafstunden. 35 Minuten, die die Hektik vor der Tür der Großstadtwohnung vergessen lassen. Passend zum N.W.A.-Biopic „Straight Outta Compton“ releaste Dr. Dre seine neue Langspielplatte, die nicht auf den Namen “Detox” – sondern passend zum Film – auf den Titel „Compton“ hört. Saubere Produktionen, die in die Zeit passen und die Autoboxen mit wummigen Kick-Snare-Bass-Kombinationen ordentlich in Anspruch nehmen, treffen auf Gastbeiträge von alten Weggefährten wie Xzibit, Ice Cube, The Game, Eminem und Snoop Dogg sowie frische Namen am Rap-Himmel wie Dres neuen Snoop Kendrick Lamar, King Mez oder BJ The Chicago Kid. Der Doktor selbst greift ebenfalls erstaunlich häufig zum Mikro, was nebenbei gehört gut funktioniert, bei genauerem Lauschen aber in verschenktem „Back In The Days“-Geschwafel oder uninspiriertem „I dit it“-Geprotze mündet, mit dem er seine Karriere und die daraus resultierende heutige Situation relativ oberflächlich aufarbeitet. Weshalb dieses Album eben nicht „Detox“ heißt, ist ganz klar: Solide Rap-Musik mit verdammt guten Beats, die trotzdem ein wenig egal ist. Den nächsten großen Solo-Alben-Klassiker ist uns Dr. Dre also noch schuldig. Wer seine Musik am liebsten mit verstärktem Gitarreneinsatz mag, wird möglicherweise Gefallen an „Life’s Not Out To Get You“ von den Walisern Neck Deep finden. Zwölf Stücke, die nach dem typischen Pop-Punk-Muster funktionieren, hauen dem Hörer verschwenderisch einen klebrigen Ohrwurm-Refrain nach dem anderen vor die Füße. Das kann man völlig zurecht eklig und unhörbar finden, aber eben auch völlig zurecht total dufte. Hier klingt ein Lied wie das andere, was geil ist, weil eben schon der Opener „Citizens Of Earth“ mit dem Schlachtengesang „Every earthquake starts with a little shake“ den Ohrenschmalz rauspustet wie ein HNO-Doktor. Das Ding ist nun wirklich Geschmackssache!

 

Straight Outta Compton

Ice Cube und Dr. Dre höchstpersönlich haben das Biopic Straight Outta Compton produziert, das auf dem Aufstieg und Fall ihrer Gangsta-Rap-Crew N.W.A. und den darauf folgenden Solokarrieren der Mitglieder Eazy-E und eben Dre und Cube basiert. Das ist nicht nur popkulturell historischer Stoff, sondern geht weit darüber hinaus. Der Film hätte beinahe noch mehr Zeit als die ohnehin schon rund 150 Minuten benötigt, wird aber trotzdem stringent und nachvollziehbar erzählt. Die Darsteller – allen voran Ice Cubes Sohn O’Shea Jackson Jr. als Ice Cube und Jason Mitchell als Eazy-E – sehen wie Klone ihrer realen Vorbilder aus und spielen zum Glück nicht die überdrehten Ghetto-Heroen, die nonstop mit dem N-Wort um sich schmeißen, sondern empathische Menschen, deren Lebensrealität durch die harten Straßen Comptons geprägt wurde. „Straight Outta Compton“ ist nicht nur der beste Musikfilm des Jahres, nein, er reiht sich in die ganz großen Kinohighlights 2015 ein. Bleiben wir im Gangsta-Milieu: Die erste Staffel der Pablo-Escobar-Saga Narcos können Serienjunkies seit Ende August auf dem Streaming-Portal Netflix binge-watchen. Der Kampf zwischen dem kolumbianischen Drogenbaron und dem Staat Kolumbien bzw. der USA wird aus der Sicht des DEA-Agenten Steve Murphy erzählt. Detailliert werden die Ereignisse auf beiden Seiten der Front beleuchtet, wodurch ein ernstzunehmendes Krimi-Drama mit charismatischen Figuren entstanden ist. Spannend, atmosphärisch und in Szene gesetzt, als wären die zehn Episoden tatsächlich vor 25 Jahren entstanden, weiß „Narcos“ durchgehend zu überzeugen. Wie auch bei der heißen Ware Escobars herrscht bei dieser Serie Suchtpotential. Glücklicherweise wurde bereits eine zweite Season angekündigt.

 

Nightwing: Der Tod der Familie

In der bereits vierten Ausgabe von Harley Quinns Soloserie trifft Jokers Freundin auf Supermans Cousine Power Girl. Alberner Quatsch, der zwischen all den Weltuntergangsgeschichten anderer Comics herrlich belanglos daherkommt. Harley wird dabei erfolgreich als die DC-Version von Deadpool in Szene gerückt – nur etwas lieber und aufreizender. Inhaltlich kein Meisterwerk, dafür aber unterhaltsam wie ein Fler-Interview. Richtig leiden muss Nightwing in seiner Ausgabe von „Der Tod der Familie“. Joker kehrt nach einem Jahr Abwesenheit nach Gotham City zurück und macht Dick Grayson das Leben zur Hölle. Wie viel kann ein Mensch vertragen, bevor er komplett durchdreht, ist das Leitthema dieses lesenswerten rund 130-seitigen Comics, das mit Kyle Higgins (Autor), Eddy Barrows (Zeichner), Tom DeFalco (Autor) und Andres Guinaldo (Zeichner) echte Könner ihres Fachs verbuchen kann. Auch ohne die restlichen Kapitel der „Der Tod der Familie“-Geschichte gelesen zu haben, wird man sich in diesem Comicbuch zurecht finden. Wer etwas mehr Abwechslung braucht, holt sich die erste Ausgabe des monatlich erscheinenden Iron Man/Thor-Comics. Zwei separate Geschichten mit jeweils einem Rächer, von denen gerade die des göttlichen Hammerträgers zu überzeugen weiß. Denn hier wird nicht weniger als der Plot rund um die weibliche Thor erzählt, der seit seiner Ankündigung für mächtig Furore sorgte. Aber auch Tony Starks Heftseiten wissen zu überzeugen. Ein ambivalenter Held, dessen Erlebnisse nach dem großen „Axis“-Spektakel beleuchtet werden, fährt hier mit ordentlich ekligen Charaktereigenschaften auf.

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