Review: Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

Da ist er nun also: Der Start einer weiteren Trilogie aus J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“-Universum. Basierend auf dem Kinderbuch „Der kleine Hobbit“, das 1937 – 17 Jahre vor „Die Gefährten“ –erschien, möchte man eigentlich meinen, dass diese Vorlage nicht genug Stoff für eine dreiteilige Filmreihe hergibt. Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Peter Jackson plante wohl wissend lediglich zwei Teile, kündigte im Juni letzten Jahres jedoch einen dritten Teil an, der Inhalte aus Tolkiens Epilog zu „Die Rückkehr des Königs“ zeigen soll.

 

Da fehlen Girl-Power, Strahlkraft und ein wenig Apokalypse

 

„Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ist ein guter und vor allem kurzweiliger Film mit der zu erwartenden Überlänge (169 Minuten). Bilbo Beutlin, Hobbit und Frodos Onkel, geht von Gandalf eingeladen mit dreizehn Zwergen auf Wanderschaft, um den Drachen Smaug aus der ehemaligen Zwergenfestung im Einsamen Berg zu vertreiben. Dabei besteht der lustig auszuschauende Wandertagsverein massig Abenteuer und findet in Form von Bilbo ganz nebenbei den berühmten Einen Ring. Im Original eine spannende Abenteuergeschichte , die weniger düster, dafür aber humorvoller als die „Der Herr der Ringe“-Trilogie ausfällt. Die Buchvorlage ist jedoch nicht auf eine mehrteilige Reihe in cineastischer Form ausgelegt und bietet daher nur begrenzten Stoff, um drei Blockbuster auszuschmücken. Klar, im Buch funktioniert es, aber im Film fällt gleich auf, dass eine weibliche Haupt- bzw. Nebenrolle fehlt, Zwergenkönig Thorin nicht die Strahlkraft eines Aragorns besitzt und das epische Ende der (Mittel-) Erde nicht permanent über den Köpfen der Protagonisten schwebt. Um die ganze Chose etwas in die Länge zu ziehen und Bezug zur ursprünglichen Trilogie aufzubauen, werden kleine Erwähnungen im Buch zu großen Szenen aufgebauscht (der Auftritt von Radagast), dazu erfunden (die Gründung des Weißen Rates) oder aufgemotzt (Kampf der Steinriesen).

 

Versteht mich nicht falsch, Neues oder gar Verbessertes kann ebenso unterhalten. Und wenn dann das gegenseitige Rätselraten zwischen Gollum und Bilbo (klasse gespielt von Martin Freeman) dermaßen spaßig ausfällt, dass die entsprechenden Seiten des Buches tatsächlich zum Leben erweckt werden, verzeiht man Jackson sogar die komischerweise neu gedrehte und anders als in „Die Gefährten“ dargestellte Version von Bilbos Findung des Einen Ringes. Apropos Gollum: Neun Jahre sind seit “Die Rückkehr des Königs” vergangen. Ein Zeitraum, der nicht spurlos an den technischen Möglichkeit vorbeigegangen ist. Gerade Gollum sieht deutlich realistischer aus als noch in der ursprünglichen Trilogie. Und auch die Adler, die Steinriesen oder Feuerdrache Smaug in seinem Dagobert‘schen Geldspeicher wirken nahezu lebensecht.

 

Vergleiche muss sich „Der Hobbit“ gefallen lassen

 

Vergleiche mit der „Herr der Ringe“-Trilogie muss sich „Der Hobbit“ wohl oder übel gefallen lassen. Denn an den inhaltlich so epischen Einschlag der ersten Filmreihe kommt die neue Trilogie definitiv nicht heran. Die Vermutung es handelt sich bei den Hobbit-Filmen um eine Kuh, die für den schnellen Dollar gemolken wird, liegt nahe. Nichtsdestotrotz macht der erste Teil einiges anders und manches sogar besser. Humor spielt in „Eine unerwartete Reise“ eine viel gewichtigere Rolle. Dreizehn Zwerge und ein Hobbit, die sich einen verbalen Schlagabtausch mit Trollen liefern während sie schon über der Feuerstelle hängen oder ein gemeinsames Festmahl mit anschließendem Spottgesang austragen, geben mehr Klamauk und lustige Momente her, als ein Boromir, der sich am Ende von „Die Gefährten“ einfach so – auf dramatischste Art und Weise – erschießen lassen muss.

 

„Der Hobbit“ wirkt an manchen Stellen zwar bildgewaltiger (Bruchtal raubt einem den Atem) und aus den oben genannten Gründen lockerer, aber dadurch auch deutlich weniger bedrohlich als seine drei Vorgänger. Es fühlt sich an, als ginge es um nicht viel. Die zum Teil austauschbar wirkenden Zwerge sind eher Witzfiguren als strahlende Helden in goldenen Rüstungen, Antagonist Azog wirkt nicht wie der mieseste Typ, den die Orks klarmachen konnten, sondern gerade mal wie ein Türsteher aus Pandora und dass da irgendeine Hauptfigur sterben könnte, glaubt man nicht einmal, wenn die putzige Zwergengruppe von tausenden Bergorks überrannt wird.

 

In keinster Weise enttäuschend

 

Eine emotionale Bindung zu den Hauptfiguren ist nur schwerlich aufzubauen. Klar, Bilbo ist auf seine leicht biedere und verschrobene Art sympathisch, Thorin der unnahbare Held, der über den Dingen steht und der eine oder andere Zwerg witziger als Mr. Bean, Bülent Ceylan und Ricky Gervais zusammen, doch am Ende sind es halt nur zu klein geratene Personen, denen das Identifikationspotential fehlt. Durch Erwähnungen (Mordor), Gastauftritte (Frodo, Saruman, Galadriel, Elrond) und musikalische Themen (Auenland, Ring) wird eine Brücke zur „Herr der Ringe“-Trilogie geschlagen, die notwendig ist. Denn Menschen, die noch keine Berührungspunkte mit dem Universum haben, sei erst einmal der Griff zu „Die Gefährten“ empfohlen.

 

Trotzdem ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ in keinster Weise enttäuschend. Im Gegenteil, der Film hat seine Sache durchaus gut gemacht. Drache Smaug wurde einem am Ende noch einmal richtig schmackhaft gemacht. Ich sehe keinen Grund, warum ich mir den zweiten („Die Einöde von Smaug“) und den dritten Teil („Hin und zurück“) nicht anschauen sollte. Momentan denke ich zwar, dass ein Film gereicht hätte, doch wer weiß, was Jackson noch aus dem Hut zaubern wird. Einen zweiten Star-Wars-Reboot wird sich der Mann definitiv nicht erlauben.

 

1 Comments

  1. Gut geschrieben und trifft auch meine Meinung.

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