Review: Der Hobbit – Smaugs Einöde

Ist schon wieder ein Jahr vergangen? Peter Jackson erinnert uns mit seiner Mittelerde-Saga erneut daran, wie schnell die Zeit vergangen ist. Bleibt die Frage, ob sich für „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ ein Jahr Wartezeit gelohnt hat!

 

Alle Fragen, die „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ aufgeworfen hat, treffen natürlich auch wieder auf den zweiten Teil zu: Muss ein verhältnismäßig kurzes Kinderbuch in einen dreiteiligen Kinoepos mit Überlänge aufgeteilt werden?! Kann sich die neue Filmreihe mit der „Herr der Ringe“-Trilogie messen?! Bietet J.R.R.-Tolkiens-Prequel genug Helden, um mit den Aragorns, Boromirs und Gimlis des Vorgängers mithalten zu können?! Für den ersten Teil waren derartige Fragen tatsächlich elementar, doch mittlerweile kennen wir unsere neuen Figuren, die Welt haben wir bereits gemeinsam mit ihnen durchstreift und die Prämisse ist klar. Eine viel entscheidendere Frage ist daher, ob der Film im Laufe seiner stolzen 161 Minuten unterhält?!

 

Der Wandertagsverein kommt an

 

Nachdem sich Bilbo im ersten Teil mit seinem Wandertagsverein – bestehend aus einer Fußballmannschaft von Zwergen – in Richtung des Einsamen Berges aufmachte, um den Drachen Smaug zu töten, kommt er in dieser Fortsetzung endgültig beim Berg an und trifft schlussendlich auf den riesigen Feuerspucker. Der Film nimmt sich kaum Zeit, den Zuschauer an die Hand zu nehmen und ihm noch einmal kurz die Eckpunkte der Handlung zu erklären. An sich kein Problem, doch der erste Teil liegt ein Jahr und das Lesen des Buches womöglich noch länger zurück. So fragt man sich beim Schauen des Films beispielsweise, was die Zwerge denn nun eigentlich in Erebor wollen, warum die Orks so scharf auf die Reisegruppe sind und weshalb Gandalf eine Einzelmission in Dol Guldur antritt.

 

Auf der optischen Seite wurde – Achtung: große Überraschung – wieder alles richtig gemacht. Peter Jackson hat mit „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ bereits 2001 begonnen, das Mittelerde-Universum auf eine visuell derart beeindruckende Art und Weise in Szene zu setzen, dass seitens der Buchfans kaum negative Stimmen laut wurden. „Smaugs Einöde“ steht dem natürlich in Nichts nach. Nach wie vor bleibt einem der Atem weg, wenn Azog und seine ekelhaften Orks auf der Bildfläche erscheinen, riesige Spinnen im Düsterwald angreifen, Waldelben so cool und gefährlich wie im Buch herüberkommen oder Städte wie Bree und Esgaroth eine ordentliche Portion Atmosphäre liefern. Gutaussehen konnten Filme dieses Universums schon immer und das wird nie ein Kritikpunkt sein. Auch die musikalische Untermalung ist ein Genuss und zeigt seine Stärken beispielsweise dann, wenn über die Hobbits gesprochen und dabei das Thema des Auenlandes angestimmt wird. So fühlt sich Heimkommen an.

 

Galgenhumor statt Pipi in der Hose

 

Leider hat der Drache Smaug, der am Ende des ersten Teils mit einem aufblitzenden Auge lustmachend angeteasert wurde, nicht vollends überzeugt. Er sieht hervorragend aus und lädt dazu ein, jede einzelne Schuppe des detaillierten Körpers zu zählen, doch irgendwie erscheint er zu unspektakulär perfekt. Da sehen die Protagonisten aus Fleisch und Blut schon etwas spannender aus. Martin Freeman spielt Bilbo Beutlin den entscheidenden Tick sympathischer als Elijah Wood Frodo. Wo sich der Nachwuchshobbit mit seinen Gefährten noch regelmäßig Pipi in die Hosen gemacht hat, gönnt sich Bilbo stets eine unterhaltsame Portion Galgenhumor. Auch die Zwergengruppe bekommt so langsam ein Gesicht. Im ersten Teil konnte man sie – abgesehen von Thorin und dem dicken Bombur – kaum auseinanderhalten. Mittlerweile bleiben Typen wie der Schönling Kili, der weise Balin oder der robuste Dwalin im Kopf hängen. Thorin Eichenschild – seines Zeichens rechtmäßiger König von Erebor –wirkt deutlich vielschichtiger als noch im Vorgänger. Es ist spannend, seine Absichten zu entschlüsseln und seine Entscheidungen nachzuvollziehen.

 

Klar, es gibt einige Kritikpunkte, die wie Erbsenzählerei wirken mögen. Und dass sich der Film ab dem Verlassen des Düsterwaldes zieht, mag auch eher ein persönliches Gefühl und weniger eine Tatsache sein, doch perfekt ist „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ wahrlich nicht. Er hat seine Schwächen, die er durch Bildbombast und Vortäuschen epischer Momente zu kaschieren weiß. Der Film endet mit einem Cliffhanger, der bedrohlich wirken und Lust auf mehr machen möchte. Doch an die Dringlichkeit des „Herr der Ringe“-Dreiteilers kommt das nicht heran. Was soll denn passieren außer einer zerstörten Stadt? Im Vorgänger stand immerhin ganz Mittelerde auf dem Spiel! Doch geschaut werden muss die Fortsetzung „Hin und zurück“, die in genau einem Jahr in die Kinos kommt, selbstverständlich trotzdem. Denn bei aller Kritik hat „Smaugs Einöde“ einmal mehr bewiesen, dass die Welt rund um die Hobbits, Elben und Zwerge eines der schönsten und einnehmendsten Fantasy-Universen überhaupt ist.

 

4 Comments

  1. Das Buch als Kind locker 10 mal gelesen, ersten Film gefeiert und jetzt der zweite Film? AWSM! Dwalin ist mir der Liebste, ein Badass vor dem Herrn.

    Eine Frage bleibt: Kommt der Film Anfang Februar noch im Kino?

  2. So! Endlich auch gesehen und stimme dir in so gut wie allen Punkten zu, z.b. fand ich Smaugs Stimme zu Salbungsvoll und ihn selbst nicht gefährlich genug. Bombur als rollendes Fass war auch unnötiger Slapstick. Martin Freeman und Sir Ian haben aber hart überzeugt, die Zwerge auch und für mich als kleinen Fanboy bedeuten 3 Hobbit-Filme DREI NEUE FILME – PARTEY!

    🙂

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