Orange Blue – White/Weiss

VÖ: 14. Februar 2020 // Label: Orange Blue Bros. Records

orange blue

Seit 1992 am Start: Vince Bahrdt und Volkan Baydar sind Orange Blue

Pathos-Dauerfeuer in doppelter Länge: Orange Blue zielen mit ihrer neuen Platte „White/Weiss“ aufs Herz. Taschentücher und Spucktüten bereithalten.

 

Mit der Ballade „She’s Got That Light“ hüllte das Hamburger Pop-Duo Orange Blue den Sommer 2000 in Rosenduft. Das dazugehörige Album „In Love With A Dream“ stand 31 Wochen in den deutschen Albumcharts. Die Gruppe war eine der letzten großen Erfolgsgeschichten, die die Plattenindustrie nach Neunziger-Mustern konzipierte. Doch der anschließende Abstieg verlief beständig und unglamourös. Ihr viertes Album „Superstar“ landete 2007 nur noch auf dem 88. Platz der Hitparaden.

 

Seitdem blieben Volkan Baydar und Vince Bahrdt der Musik dennoch treu. Sie arbeiteten hinter den Kulissen weiter – Bahrdt beispielsweise als Produzent für Udo Lindenberg. Doch die beiden Hamburger hat es nun wieder gepackt. Über ihr eigenes Label veröffentlichen sie das Doppelalbum „White/Weiss“. Die erste Hälfte enthält klassische Orange-Blue-Songs, die zweite erstmals Stücke in deutscher Sprache.

 

In Schlagerscheune brettern

 

Ich sehe sie erstrahlen, die Schönheit dieser Welt / so viele Schätze, die sie uns entgegenhält„, singt Baydar in „Die Welt steht still“. Was die englischen Texte vertuschen, lässt sich auf Deutsch nicht überhören: Die zwei Musiker brettern mit einem Backstein auf dem Gaspedal in die Schlagerscheune. Piano, Streicher und Akustikgitarren formen die musikalischen Unterlagen, die so einfallslos wie kitschig klingen.

 

 

Orange Blue geben sich Mühe, aus dem Einheitsbrei auszubrechen. Mark-Knopfler-Momente („Every Way We Chose“), Trompeten („You Are My Life“) und instrumentale Piano-Stücke à la Ólafur Arnalds („Time“) werten das fast zweistündige Pathos-Dauerfeuer nur ungenügend auf. Die Hörerschaft wird mit großen Emotionen überschwemmt, bis der Eindruck entsteht, Gefühle sind nichts mehr wert.

 

Orange Blue machen die „Silbermond Challenge“

 

Mit „Marry You“ wagen sich Orange Blue an die „Silbermond Challenge“: Eine Ballade schreiben, die noch unerträglicher als „Das Beste“ ist. Nach dem Hören entscheiden sich Verlobte mit Musikgeschmack aus Prinzip für Mayhems „Buried By Time And Dust“.

 

Wie uninspiriert das alles ist, beweist die Zweitverwertung ihrer größten Hits „She’s Got That Light“ und „Can Somebody Tell Me Who I Am“. Dass es trotzdem 35 Stücke sein mussten, grenzt an Hass auf die Hörer_innen. Wer „White/Weiss“ am Stück schafft, hält auch ein Schoko-Fondue für eine ausgewogene Mahlzeit.

 

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