Review: The Amazing Spider-Man

Bevor Batman die Kinos auf der ganzen Welt übernimmt (was in diesem Blog auch noch ausführlich thematisiert wird), möchte ich noch einmal auf einen ganz anderen Superhelden eingehen: „The Amazing Spider-Man“. Statt eines vierten Teils mit Tobey Maguire wurde der Spinnenmann komplett neu aufgelegt. Eine wahrlich weise Entscheidung. Denn dieses Popcorn-Kino der ersten drei Teile, kann man vielleicht ins DVD-Regal neben Titanic stellen, aber definitiv nicht unabdingbar feiern. Nun hielt jedoch Marc Webb statt Sam Raimi die Fäden für „The Amazing Spider-Man“ in der Hand und drehte einen Film, der erst einmal unnötig wirkt, aber tatsächlich der große Befreiungsschlag für Freunde des Spinnenmanns sein dürfte. So wollten wir Spider-Man eigentlich von Anfang an sehen.

 

„Dawson’s Creek“ trifft auf „Eureka“

 

Peter Parker – uncooler Außenseiter, skateboardfahrender Oberstufenschüler, leidenschaftlicher Fotograf, Vollwaise – gerät bei der Recherche über seine Eltern an den früheren Geschäftspartner seines Vaters Dr. Curt Connors. Dieser forscht beim Großunternehmen Oscorp im Bereich der artenübergreifenden Genetik, um der Menschheit das Nachwachsen fehlender Gliedmaßen zu ermöglichen. Wie es kommen musste, geht alles schief. Peter wird im Labor von einer Spinne gebissen, wodurch er seine allseits bekannten Fähigkeiten bekommt, und Connors testet sein neustes Mittelchen per Selbstversuch, was aus ihm die Riesenechse Lizard macht. Großer Showdown inklusive.

 

Dazwischen wird die Beziehung von Peter und seinen Ersatzeltern aufgearbeitet, eine überzeugende Liebelei mit Schwarm Gwen Stacy ins Rollen gebracht und ordentlich mit den Bullys der Schule gekeilt. Bis dahin wirkt der Plot als würden sich „Dawnson’s Creek“ (die Pubertätsdramen) und „Eureka“ (der Forschungsteil mit Dr. Connors) zum gemütlichen Grillabend treffen. Und das ist absolut positiv gemeint. Erst mit dem Mord an Peters Onkel ändert sich der Tenor des Films hin zum Düsteren. Aus dem tapsigen Jugendlichen wird ein parcourmeisternder Bürgerwehrler, der endgültig seine Bestimmung und damit seine Motivation gefunden hat. Peter Parker wird zu Spider-Man. Polizeifunk abhörend und mit eigens zusammengebastelter Technik ausgestattet, greift er dort ein, wo die staatlichen Gesetzeshüter zu spät zur Stelle sind.

 

Warum ein Reboot statt „Spider-Man 4“?

 

Ungefähr jeder Kinobesucher wird ein grobes Bild von Spider-Man und seiner Entstehungsgeschichte haben. Dafür liefen einfach zu viele Serien im TV, ist die Spider-Man-Filmtrilogie der 2000er noch zu präsent im Kopf und sind die Comichefte zu allgegenwärtig. Entscheidend ist also, wie James Vanderbilt, Steven Kloves und Alvin Sargent die Geschichte vom Spinnenmann erzählen. Bekommen wir Sam Raimis Version von 2002 bloß noch einmal in einer anderen Farbe aufgetischt?

 

In der Comicwelt ticken die Uhren etwas anders. Da kann es schon einmal passieren, dass ein Batman in fünf verschiedenen Comicreihen parallel auftritt oder ein Green Lantern alle paar Jahre neu aufgelegt wird. Meistens mit unterschiedlichen Handlungssträngen und eigenen Geschichten. Das ist auch bei Spider-Man der Fall. Momentan laufen unter anderem die Reihen „The Amazing Spider-Man“, „The New Avengers“, „Avenging Spider-Man“, „FF“ und „Fantastic Four“ mit Spideys Beteiligung. So ist es nun auch mit den Filmen, weshalb die Kinowelt mit diesem Reboot also keine Ausnahme zu sein scheint. Zumal derartige Ausweichmöglichkeiten gerade für Produktionsfirmen, die sich mit ihren Regisseuren oder Schauspielern zanken, wie gerufen kommen.

 

Doch unabhängig von der Geschichte hat der Film gerade in der Umsetzung ein paar wirkliche Highlights. Es ist herrlich, wenn Parker das erste Mal seine dazugewonnen Fähigkeiten bemerkt und unfreiwillig eine Gruppe von Bier- und Frauenfreunden auseinandernimmt. Humor kann der Film. Und dazu noch häufig und an den richtigen Stellen. Dadurch wirken die Figuren – allen voran Peter Parker – authentisch. Dass das berühmte rot-blaue Kostüm erst in der 50. Minuten sein Debüt feiert, fällt bei dieser Aneinanderreihung von zukünftigen Lieblingsszenen gar nicht erst auf.

 

Optisch macht „The Amazing Spider-Man“ ebenfalls etwas her. Überall konnte man es lesen, ich bestätige es hiermit auch noch einmal: Die Flugszenen aus der Egoperspektiv sind der Wahnsinn. Auch Lizard, die Spinnenfäden und die generelle Stimmung des Films wirken realistisch und dadurch so nahbar. Man kann der Riesenechse in die Augen schauen und dabei erkennen, dass sich hinter der grünen Haut ein Mann verbirgt, der einfach nur verzweifelt ist.

 

Zwischen Garfield und Stone knistert es

 

Andrew Garfield – bekannt aus „The Social Network“ – versucht gar nicht erst in die vermeintlichen Fußstapfen von Tobey Maguire zu treten. Warum auch? Im Grunde spielt er in diesem Spider-Man-Universum eine völlig andere Figur. Ein Film-Reboot des Comicheldens war vielleicht sogar die bessere Entscheidung als Maguire noch ein viertes Mal durch New Yorks Häuserschluchten zu schicken. Und auch die weibliche Hauptrolle ist mit einer Emma Stone, die im Film wohl den kürzesten Rock des Kinosommers trägt, eine perfekte Ergänzung zum wirklich jugendlich wirkenden Garfield. Wo Kirsten Dunst und Tobey Maguire immer ein wenig wie Stiefgeschwister gewirkt haben, knistert es zwischen Garfield und Stone so richtig. Denen möchte man zusehen, wie sie sich verlieben.

 

Doch auch die restliche Besetzung wurde hervorragend ausgewählt. Martin Sheen und Sally Field spielen die sympathischen Ersatzeltern erfrischend unprätentiös, wodurch Peters Allerweltsjungencharme noch einmal unterstrichen wird. Rhys Ifans ist der glaubwürdige Gegenspieler, der eigentlich gar nichts Böses möchte und durch die Mutation, wegen der er zu der Großechse Lizard wird, eher wie ein zweiter Hulk wirkt. Und auch Denis Leary geht in seiner Rolle als Polizist Captain George Stacy und als Vater von Peters Schwarm auf. Hier spielt der Geheimtipp unter den All-Star-Casts!

 

Der Starttermin für die Fortsetzung wurde bereits für den 2. Mai 2014 bestätigt. Gute Sache. Denn „The Amazing Spider-Man“ ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, macht dafür aber dank seiner überhaupt nicht einfältigen Simplizität in jeder der 136 Minuten Spaß. Am Ende bleibt der Film wohl trotzdem nur der unterhaltsame Lückenfüller zwischen „Marvel’s Anvengers“ und „The Dark Knight Rises“, an den sich im September niemand mehr erinnern wird. Schade.

 

2 Comments

  1. Ich persönlich finde, dass der Film zu wenig mit Spider Man zu tun hat… „The Amazing Peter Parker“ wäre ein treffenderer Titel gewesen… für die Sonntagabendunterhaltung ein netter Film, ich persönlich bleibe lieber bei der „alten“ Trilogie mit Tobey und Kirsten… 😉 Aber rein objektiv betrachtet sehr gute Review… man ist ja auch nichts anderes von dir gewöhnt 😛

  2. gaaaaanz ehrlich Digger … Ich bin mit Peter Parker und seinen Stories aufgewachsen, und muss sagen, dass ich den Reboot fuer einige Elemente liebe, mir aber auf der anderen Seite wirklich zum kotzen zumute ist. Einerseits werden Storieteile mit eingebracht, die wirklich NUR Comicnerds, wie ich, sie kennen koennen (zB die Geschichte mit seinen Eltern oder der Handlungsstrang um die Familie Stacy). Andererseits ist die Entstehungsgeschichte selbst und die Entdeckung seiner Kraefte ein Tritt in die Eier von Stan Lee (warum taucht er wohl erstmals NICHT auf). Wie kann man die Essenz einer Geschichte derart vergewatigen. Wie gesagt, der Film macht einiges besser als die alten 3 Teile, aber dass wichtigste verkackt er auf ganzer Linie…. Ich finde zwar auch, dass es „Fehler“ in der Trilogie gab (Green Goblin als Power Ranger und ein Venom, der fast schmaeler ist als Peter Parker vor dem Biss) und dass es an manchen Stellen etwas zu „Disney-Like“ war. Aber dafuer hatte die alte Trilogie viiiiiiel mehr Respekt vor der Comicvorlage. Aber du bist ja auch mehr DC 😉 Aber natuerlich verdammt gut geschrieben….. Ich plaediere fuer eine Stefan Pan Kolumne in der Juice und werde eine Unterschriftensammlung dafuer in Betracht ziehen 😉

    Liebe Gruesse,

    Benny SAN

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