Review: Thees Uhlmann – Junkies & Scientologen

Neues vom Bruce Springsteen aus Hemmoor.

 

Nach den Soloalben „Thees Uhlmann“ und „#2“ hat es der ehemalige Tomte-Sänger nicht gewagt, seine dritte Platte „#3“ zu nennen. Dabei schließt sich „Junkies & Scientologen“ musikalisch und inhaltlich nahtlos an die beiden Vorgänger an. Ob mit Absicht oder nicht, noch immer inszeniert sich der Sympathikus als Bruce Springsteen aus Hemmoor.

 

Für den Dealer im Görli, mit dem ich am Spielplatz Dosenbier trank / der sagte, ich habe in Ghana auch eine Tochter und ihre Mutter ist krank„, singt Uhlmann einfühlsam im Titelstück. Die Texte durchzieht ein herzlicher Blick auf die Welt. Dass er diese nicht einmal im Ansatz versteht, gibt er noch im gleichen Vers zu. Uhlmann legt den Fokus auf die Beobachtungen in seinem Umfeld, statt das große Ganze anzuprangern. Er ist eben kein politischer Künstler, wie er in Interviews immer wieder betont.

 

So nah wie in „Danke Für Die Angst“ war Uhlmann schon lange nicht mehr an Tomte dran. Die restliche Platte lebt trotzdem vom Referenz-Feuerwerk aus privaten Anekdoten und Popkultur-Verweisen. Was er früher kryptischer verpackt hätte, sagt er heute aus dem Bauch heraus – norddeutsches Gemüt eben: „Die große Frage Heiligabend wie erklärt man seinem Kind / dass Männer nach 100.000 Jahren immer noch Affen sind„.

 

Während sich alle über irgendetwas aufregen, erinnert Uhlmann noch einmal an das Wichtigste: „Du hast über die Scorpions gelacht, aber die sind in ‚Stranger Things‘„. Alle mal einen Gang zurückschalten, könnte man interpretieren. Doch über tanzbare Unterlagen singt Uhlmann nicht nur Gedanken aus seinem Tagebuch vor, er spielt mit „100.000 Songs“ auch einen romantischen Abgesang auf sein eigenes Genre.

 

Dass die Punks und Mods längst keine Subkulturen mehr definieren, weiß auch Uhlmann. Den Job haben die Elektro-Jünger („Avicii“) und allen voran die Hip-Hopper übernommen. Ob er das gut findet, möchte er in „Ich Bin Der Fahrer, Der Die Frauen Nach HipHop Videodrehs Nach Hause Fährt“ zwar nicht verraten, doch von der musikalischen Herangehensweise eines Rappers ist Uhlmann nicht mehr weit entfernt. Er repräsentiert sein Label sowie Homie Wiebusch („Katy Grayson Perry“), spuckt Punchlines („das Leben ist kein Highway, es ist die B73“) und covert auf dem Bonusalbum „Gold“ von Haiyti.

 

Ob es nun auf einer Bundesstraße irgendwo zwischen Cuxhaven und Hamburg ist oder auf dem Highway 1, Thees‘ Handwerker-Rock passt in die norddeutsche Tristesse und in die amerikanische Provinz gleichermaßen. Daran hat sich auch nach seinem fünfjährigen Sabbath nichts geändert. „Junkies & Scientologen“ ist zu sympathisch, um es zu hassen, und zu harmlos, um es zu lieben.

 

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Thees Uhlmann – Avicii

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