Review: Gnarwolves – Outsiders

„Outsiders“ erschien am 5. Mai 2017

Mit ihrem zweiten Album haben sich die Gnarwolves zwar nicht grundlegend verändert, das Bier ist inzwischen aber alkoholfrei. „Outsiders“ behandelt die Schattenseiten ihres hedonistischen Punk-Rock-Lifestyles.

 

Vor dreieinhalb Jahren schrieben wir über die Gnarwolves-EP „Funemployed“: „Musik für Menschen, die besoffen Lebensmittel einkaufen gehen und dabei das blaue Album von Weezer hören.“ Was wir damals damit sagen wollten, würden wir heute vermutlich nicht mehr so sagen. Fakt ist, dass die drei Musiker aus dem englischen Küstenstädtchen Brighton immer noch lauten und melodiösen Punk-Rock machen, der nach Dosenbier schmeckt. Doch ihnen ist das mittlerweile genauso unwichtig wie dem Rezensenten, der von dreieinhalb Jahren über die EP schrieb.

 

Das Seelenheil ist wichtig

 

„I found love at the bottoms of bottles”, klagt Thom Weeks im Opener “Straitjacket” über den ständigen Griff zum Alkohol, bevor er einen Refrain anstimmt, den dann doch wieder alle besoffen mitgrölen können. Die Zeiten, in denen die Gnarwolves „Funemployed“ waren, sind vorbei. Das eigene Seelenheil sowie das der Generation Brexit nehmen deutlich mehr Platz auf den zehn Stücken des passend betitelten „Outsiders“ ein.

 

Raketenwissenschaft ist die Musik trotzdem nicht. Die Platte bietet schnelle Dreiminuten-Songs, die etwas handzahmer ausfallen und trotz der stimmlichen Limitierungen von Weeks den Klargesang in den Vordergrund stellen. Für die lustigste Morning-Show des Landes sind die Gitarren auf Stücken wie „Wires“ trotzdem noch zu schwer und die Inhalte auf Songs wie „Talking to Your Ghost“ zu verschachtelt. Am Ende des Tages muss Musik für Außenseiter aber genauso klingen.

 

Die Genre-Schublade bleibt zu

 

Den Gnarwolves auf Liedern wie „Argument“ Weezer-Einflüsse anzudichten, ist nach wie vor einfach. Dennoch verzichten die Südengländer auf Elemente, die direkt aus der schnell geöffneten Genre-Schublade stammen. Abgesehen von einem kleinen Ausrutscher gibt es keine „Oh oh oh“-Mitsingpassagen. Stattdessen versuchen sie sich im Rausschmeißer „Shut Up“ an einem sechsminütigen Mini-Epos, der das bis dahin gehörte zusammenfasst.

 

„Fuck this, fuck you all, I’m gone”, lauten die letzten Worte auf dem Album. Ob das ein Kommentar zum Abschluss eines Lebensabschnitts oder gar Schlimmeres ist, bleibt offen. Eine Entwicklung haben die Gnarwolves durchgemacht und „Outsiders“ fasst diese kurzweilig zusammen. Und das Fazit, das vor dreieinhalb Jahren in der Review zur „Funemployed“-EP gezogen wurde, gilt auch für dieses Album: „Diese EP kann motivieren, unterhalten, aber auch herunterziehen.“

 

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