Kurz & knapp #76: Freddie Gibbs & Madlib, Cassius, It‘s Bruno!, jerks…

Kurz-Reviews: Unter anderem mit „Bandana“ von Freddie Gibbs & Madlib

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Shards, Freddie Gibbs & Madlib, kála, Cassels, Cassius, Slaughter Beach Dog, It‘s Bruno!, Diebische Elstern, jerks. & Stadtgeschichten.

 

Freddie Gibbs & Madlib „Bandana“

Minimalistischen und atmosphärischen Elektro spielen Shards auf „Find Sound“. Dabei wird mehrstimmiger Gesang von ambiesken Soundflächen unterfüttert, der die Hörer_innen ab dem ersten Takt um den Finger wickelt. Die zehn Stücke klingen in ihrer Sogwirkung so faszinierend wie Walgesang. +++ Auf „Piñata“ von 2014 folgt nun „Bandana“. Darauf wirkt die vermeintlich ungewöhnliche Kombo aus Freddie Gibbs & Madlib nicht weniger spannend. Der Lieblings-Rapper deines Lieblings-Rappers und der Lieblings-Producer deines Lieblings-Producers liefern 14 Stücke mit straightem Rap und samplelastigen Beats. Soul-Vocal-Schnipsel („Crime Pays“), Reggae-Vibe („Massage Seats“) und namhafte Gastbeiträge (Black Thought, Killer Mike, Pusha T) sorgen trotz des Hardcore-Rap-Ansatzes für Abwechslung. +++ kála spielen Post-Hardcore, für den Eingängigkeit wichtiger als Härte ist. Auf ihrer dritten EP „Synthesis“ zeigen das Stücke wie „Echo“ und „Passe“ mit Melodien, die zarte Traurigkeit beschwören. Es wird Zeit, dass die Österreicher auch auf Albumlänge abliefern.

 

Cassius „Dreems“

Cassels bestehen aus zwei Brüdern, die laut eigener Aussage Musik für Menschenfeinde und Unzufriedene schreiben. Das hört man auch ihrem neuen Album „The Perfect Ending“ an. Weshalb optimistisch bleiben, wenn der Planet sowieso zu Grunde geht? Die Briten geben mit ihrem rotzigen Alternative-Punk zwar keine Antwort, helfen aber, nicht durchzudrehen. +++ Wenige Tage vor der Albumveröffentlichung verstarb eine Hälfte des französischen Elektro-Duos Cassius. Ein schöneres Abschiedsgeschenk als „Dreems“ hätte der Verunglückte Zdar seinen Fans nicht machen können. Die Platte feiert French-House auf die zugänglichste Art und Weise. Die Grenze zwischen Euro-Disco und Synthpop verschwimmt ständig. Mal ballern die Drums hart, aber freundlich, mal badet die Sängerin in Melodien. All das ergibt den perfekten Sommer-Soundtrack. +++ Während der Vorgänger „Birdie“ noch freundlich und poppig klang, stürzen sich Slaughter Beach, Dog auf „Safe And Also No Fear“ ins Ungewisse. Ruhigere Töne, schlechtere Laune – das dritte Album von Jake Ewald und seiner Band zeigt, was Zweifel mit einem anstellen: „Realizing this may put my career on the line“, singt Ewald auf „Black Oak“. Soweit braucht er freilich nicht zu gehen. Dafür klingt die Musik immer noch zu schön.

 

It’s Bruno!

Mit It‘s Bruno! schenkt Netflix Hunde-Fans eine Serie. Malcolm kümmert sich um seinen Vierbeiner wie um eine Lebenspartnerin, was zu reichlich abstrusen Situationen führt. Salsa tanzende Hundediebe, Park-Ranger in der Großstadt und Kleinfehden mit Corner-Shops – Serienschöpfer und Hauptdarsteller Solvan Naim zieht den Humor von „It‘s Bruno!“ aus der unsinnigen Geschichten. Das wirkt so frisch, dass sich die zehn Episoden in einem Rutsch weggucken lassen. +++ Trotz des abschreckenden deutschen Titels ist Diebische Elstern (OT: Trinkets) eine sehenswerte Serie. Drei jugendliche Kleptomaninnen könnten aufgrund ihrer sozialen Hintergründe nicht gegensätzlicher sein, finden durch ihre Impulskontrollstörung aber zusammen. Ethnie, Sexualität und Wohlstand – die Netflix-Produktion nimmt sich dem Thema Diversität in all ihren Facetten an. Das sympathische Hauptdarstellerinnen-Trio spielt die jeweiligen Lebenssituationen mit dem nötigen Einsatz. Leider packt die Geschichte nicht durchgängig und bauscht immer wieder Cliffhanger auf, die keine sind. Wer eine neue Coming-Of-Age-Serie sucht, gibt „Diebische Elstern“ trotzdem eine Chance.

 

Stadtgeschichten

Kaum zu glauben, aber die dritte Staffel von jerks. ist noch unangenehmer als die beiden vorangegangenen. Und das versteht sich als Kompliment für die Comedy-Serie aus der Feder von Christian Ulmen. Wieder liegt der Fokus auf der Freundschaft zwischen Ulmen und Fahri Yardim. Dass die wie ein Verkehrsunfall funktioniert, macht den Reiz aus. Das gute Schauspiel endet genauso wenig wie der Fremdscham. Wer Humor und starke Nerven besitzt, kommt um die maxdome-Serie nicht herum. +++ Die Netflix-Miniserie Stadtgeschichten erzählt vom Leben in der 28 Barbary Lane – einem Dreh- und Angelpunkt von San Franciscos LGBTQ-Gemeinschaft. Als die 90-jährige Vermieterin das Gebäude verkaufen möchte, müssen die Bewohner_innen neue Wege gehen. „Stadtgeschichten“ öffnet viele Handlungsstränge und füllt sie mit Charakteren, die Diversität in all ihren Farben verkörpern. Das wirkt nie aufgesetzt, sondern fühlt sich von der gleichgeschlechtlichen Sexszene bis zum Streitgespräch zwischen Eltern und Adoptivtochter erfrischend an. Die Serie erhebt jedoch ihren Schauplatz San Francisco zum wichtigsten Darsteller, wodurch sie zur Liebeserklärung an die Stadt wird. Die zehn Folgen basieren auf der gleichnamigen Romanreihe von Armistead Maupin.

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