Kurz & knapp #50: A Perfect Circle, Arctic Monkeys, Frank Turner, jerks…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: A Perfect Circle, Parkway Drive, Citizen Tim, Arctic Monkeys, Royce Da 5‘9“, Samuel Hope, Frank Turner, Marsimoto, Pau, jerks., Santa Clarita Diet & The New Legends of Monkey.

 

A Perfect Circle „Eat The Elephant“

„Eat The Elephant“ – das vierte Studioalbum von A Perfect Circle – benötigt Zeit, um sich vollständig zu entfalten. Ist das geschehen, gibt es kein Zurück mehr für Soundästheten, die ihre Musik wie eine Zwiebel schälen möchten. Die Supergroup rund um Tool-Sänger Maynard James Keenan deckt gefühlt alles ab, was Musik zu bieten hat. „So Long, And Thanks For All The Fish“ ist Pop im besten Sinne, “The Contrarian” der Ausflug in den Post-Rock und „Hourglass“ das stampfende Gewitter, für das Keenan futuristische Effekte über seine Stimme legt. Dass auf dem Rausschmeißer „Get The Lead Out“ auch noch Scratches zu hören sind, dürfte nach den 50 vorangegangenen Minuten niemanden mehr überraschen. „Eat The Elephant“ ist Sperrigkeit in ihrer genießbarsten Form. +++ Was sie vor drei Jahren mit „Ire“ begannen, führen die Metalcore-Spezialisten von Parkway Drive nun auf „Reverence“ fort. Sie öffnen ihren Sound weiter Richtung Heavy Metal, um die Mischung aus Gesang, Gesprochenem und Gegrunze endgültig zu einem unwiderstehlichen Spektakel zu vermischen. Herausgekommen sind keine Stücke, die je drei Minuten auf die Fresse geben, sondern kleine Meisterwerke, die aus Überzeugung entstanden sind. Auf Songs wie „Prey“ oder „The Void“ kann das fast schon hitverdächtig werden. Zugänglicher waren Parkway Drive nie. Und das ist verdammt gut so. +++ Kaum zu glauben, dass der Singer/Songwriter Citizen Tim aus dem Saarland und nicht aus einem verregneten irischen Kleinstädtchen stammt. Marco Kallenborn – wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt – versetzt den Hörer mit seiner Platte „Hospital Breakfast Conversations“ in gemütliche Pub-Atmosphäre. Und zwischen Guinness und Dartspiel erzählen die Menschen von dem, was sie beschäftigt. So wie es Citizen Tim auf den zehn Songs seines Debütalbums macht. Gitarre, Piano und Streicher geben den emotionalen Texten die gebührende musikalische Untermalung. Ob Solo auf einem Barhocker oder mit Band auf einer Festivalbühne – „Hospital Breakfast Conversations“ kann überall funktionieren. Das spricht für die Qualität der Lieder.

 

Arctic Monkeys „Tranquility Base Hotel & Casino“

Die Arctic Monkeys haben die Indie-Disko verlassen! Fünf Jahre nach ihrem letzten Album „AM“ wirkt „Tranquility Base Hotel & Casino“ wie die erwachsene Version einer Band, die nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden möchte. Davor könnte sie ihre sechste Langspielplatte tatsächlich bewahren. Sänger Alex Turner erzählt, begleitet von ganz viel Pomp und Drama, clevere Geschichten: „I just wanted to be one of The Strokes / Now look at the mess you made me make / Hitchhiking with a monogrammed suitcase / Miles away from any half-useful imaginary highway”. Abgefahrene Riffs können andere Gitarrenbands spielen. Die Arctic Monkeys machen in ihrem 16. Karrierejahr Musik für Menschen, die nicht mehr mit Gummistiefeln vor riesigen Festivalbühnen stehen möchten. +++ Mit „Book of Ryan“ hat Royce da 5‘9“ sein bisher persönlichstes Album veröffentlicht. Der Rapper spricht darauf über seine Familie sowie Erlebnisse, die ihn zu dem machten, der er heute ist. Skits, in denen er hörspielartig wichtige Erinnerungen nacherzählt, halten die Platte zusammen. Musikalisch verfolgt „Book of Ryan“ den klassischen Ansatz, der vom Detroiter bekannt ist. Böse Zungen könnten behaupten, dass er aktuelle Soundentwürfe komplett ignoriert. „The boom bap is coming back with an axe to mumble rap”, gibt sich Eminem in seinem Gastvers auf “Caterpillar” entsprechend angriffslustig. Das von T-Pain unterstützte “First of the Month” zeigt jedoch, dass sich auch Royce da 5’9” dem Zeitgeist nicht vollständig entziehen kann. „Book of Ryan“ ist für Royce eine hörbar wichtige Platte und genau deshalb ist sie auch so gut. +++ Samuel Hope macht auf „Other Man“ astreine Popmusik, die sich nicht zwischen elektronischen Klängen und klassischen Geigen entscheiden möchte. Stücke wie „Runaway“ oder „Carried Away“ könnten so auch beim Eurovision Song Contest funktionieren. Und das ist nicht einmal böse gemeint, denn der 34-Jährige kann singen und besitzt ein Gespür für Hits.

 

Marsimoto „Verde“

Sympathikus Frank Turner erkennt die Zeichen der Zeit und fordert mit „Be More Kind“ dazu auf, eben genau das zu sein. Das genügt schon, um sein siebtes Studioalbum als das politischste seiner Karriere zu bezeichnen. Wobei es sich Turner so einfach nicht macht. Mit „21st Century Survival Blues“, „The Lifeboat“ oder „Don’t Worry“ bietet die Platte zwar die Turner-typischen Hymnen, die die Hörer auch im 17. Karrierejahr durch die Woche peitschen, doch hinter den Ohrwürmern verbergen sich tiefsinnige Ansätze, die manchmal sogar schmerzhaft sind: „I’ve got the 21st century survival blues / A condition brought on by watching the news / Things have been quiet for far too long / And if I know human beings, things are gonna go wrong!” +++ Marsimoto bleibt sich auf seinem fünften Album „Verde“ treu, langweilt deshalb aber noch lange nicht. Denn das kiffende Alter-Ego von Marteria findet noch immer die coolsten Worte für das, was vermeintlich egal ist. Vermeintlich, weil Tracks wie „Chicken Terror“, „Photoshop“ oder „Solang die Vögel zwitschern gibt’s Musik“ hinter den grünen Graswolken mehr Tiefgang verbergen, als es der durchschnittliche „Keine Macht den Drogen“-Enthusiast erwartet. Musikalisch deckt Marsi alles von bassig-wuchtig bis sphärisch ab, wodurch „Verde“ zu einer unterhaltsamen, weil abwechslungsreichen Platte wird. Drei Jahre nach dem großartigen „Ring der Nebelungen“ hätte sicherlich niemand mit einem so gelungenen Nachfolger gerechnet. +++ Vier Jahre nach ihrer Debüt-EP legen Pau mit der „The Secret EP“ nach. Auch wenn die Hamburger unter dem Mainstream-Radar fliegen, lohnt sich ein Reinhören. Denn sie liefern mit diesen drei Tracks Indierock, der es sich – ohne unangenehm zu werden – auch mal traut poppig zu sein.

 

Santa Clarita Diet

Was in der ersten Staffel funktioniert hat, treibt Christian Ulmen in der zweiten Season von jerks. auf die Spitze: Denn noch mehr Mut zur Peinlichkeit verlangt dem Zuschauer noch mehr Fremdschamresistenz ab. Zusammen mit seinem Kumpel Fahri Yardim schlägt sich Ulmen à la „Pastewka“ durch den Alltag. Dass der aus Lügen und Fettnäpfchen besteht, gibt „jerks.“ die Unterlage für unerträglich unterhaltsame Geschichten. Nicht jeder wird das aushalten und die zehn neuen Folgen daher auf den Pipikacka-Humor reduzieren. Das wäre aber unfair, denn so witzig und gut gespielt sind Comedy-Serien aus Deutschland leider selten. +++ Auch die Netflix-Show Santa Clarita Diet geht in die zweite Runde. Und was in der ersten Staffel noch etwas dröge und uninspiriert schien, entwickelt endlich ein süchtig machendes Potenzial. Die Hammonds haben sich mit der von Drew Barrymore gespielten Zombie-Mutter arrangiert. Dadurch kommt die Geschichte im Laufe der zehn Episoden zügiger ins Rollen. Denn nicht nur das weibliche Familienoberhaupt, sondern die komplette Menschheit muss vor dem Zombie-Albtraum beschützt werden. Auch in Sachen Humor legt die Serie noch eine Schippe drauf. Besonders Timothy Olyphant und Eric Bemsis überzeugen als merkwürdiges Vater-Sohn-Gespann in spe. +++ The New Legends of Monkey, das deutsche Netflix-Nutzer als „Die Reise nach Westen“ kennen, ist merkwürdig. Zwar als Fantasy-/Adventure-Serie positioniert, überzeugt sie vor allem durch ihre humoristischen Elemente. Denn die Geschichte rund um Tripitaka, die mit einer Gruppe Götter durch ein magisches Land reist, wird so albern erzählt wie sie klingt. So ist Chai Hansen, der den titelgebenden Monkey spielt, zwar ein Gott, benimmt sich aber wie der leicht dümmliche Star einer Boygroup. Wer sich darauf einlässt, hat mit den zehn Episoden vier kurzweilige Stunden, die ihrer Vorlage alle Ehre machen. Denn „The New Legends of Monkey“ basiert auf der japanischen Serie „Monkey“, die zwischen 1978 und 1980 entstand und mittlerweile Kultstatus innehat.

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