Kurz & knapp 38: Beatsteaks, Big Mouth, Cuphead, Destiny 2…

So viele Neuerscheinungen und so wenig Zeit, all diese Platten, Filme, Spiele und Comics ausführlich zu behandeln. Im Format “Kurz & knapp” bringen wir es daher auf den Punkt. Dieses Mal dabei: Beatsteaks, Liam Gallagher, Angus & Julia Stone, Cassels, Brand New, Ty Dolla $ign, Big Mouth, Nobody Speak, Cuphead & Destiny 2.

 

Beatsteaks „Yours“

2014 setzten die Beatsteaks mit ihrem selbstbetitelten siebten Studioalbum auf elf Stücke, von denen mehr als die Hälfte nicht die Drei-Minuten-Marke kratzte. So kompakt fällt „Yours“ nicht aus. Die Platte ist ein 21-Lied-starkes Monster, dem man sich von allen Seiten nähern muss. Die Vielfalt steht im Mittelpunkt, jeder Hörer kann sich seine Highlights herauspicken. Von massentauglichen Rocknummern bis zu rotzigen Punkstücken ist alles dabei. Gesungen wird auf Englisch, Deutsch und Französisch. Deichkind, Farin Urlaub und Jamie T sind nur die bekanntesten der vielen Gäste. Mit „Yours“ haben die Beatsteaks einfach mal gemacht. Was dabei herausgekommen ist, ist auf Kosten der Kohärenz die wohl spannendste Beatsteaks-Platte seit „Smack Smash“. +++ Dass Liam Gallagher lieber alles fressen würde, was seine unteren Körperöffnungen verlässt, als sich mit seinem Bruder Noel zu versöhnen, dürfte bis zur Queen durchgedrungen sein. Oasis haben den Britpop geprägt wie keine andere Band der Neunziger Jahre. Doch was Noel nach der Trennung mit der Nachfolgeband High Flying Birds schaffte, bekam der jüngere Gallagher nicht einmal im Ansatz hin. Bis jetzt. Mit „As You Were“ ist ihm ein wenig spannendes, dafür aber musikalisch astreines Album gelungen. Dabei inszeniert sich Liam Gallagher weniger als Kotzbrocken und mehr als Mensch: “For what it’s worth I’m sorry for the hurt, I’ll be the first to say, ‘I made my own mistakes’”. +++ An einem Herzkasper ist beim Hören von Angus & Julia Stone noch niemand gestorben. Was die australischen Geschwister auf ihrem vierten Studioalbum „Snow“ abliefern, ist jedoch so unaufgeregt, dass es knapp an der Langeweile vorbeischrammt. Süßlicher Weichspüler-Pop, der dahinplätschert wie ein Zimmerbrunnen. Das ist idyllisch, kann auch mal einen Nachmittag durchlaufen, geht einem irgendwann aber auf die Nerven. 52 Minuten Musik mit der Wirkung von Kaminfeuerdauerschleifen.

 

Cassels „Epithet“

„We’re a two piece comprised of two brothers, however please note that neither of these facts should be considered noteworthy”, schreiben Cassels auf ihrer Bandcamp-Seite. Und bezogen auf ihre nunmehr fünfte Veröffentlichung „Epithet“, kann den beiden Briten nur zugestimmt werden. Wirklich erwähnenswert ist nur die Musik, die Härte mit schönen Melodien verbindet, als bräuchte Charles Manson Musik zum Kuscheln. Zwischen La Dispute und Touché Amoré pendelnd, bietet „Epithet“ neun durchdachte Stücke, die ruhig beginnen und sich zum Ende hin entladen. „You Turn On Utopia“, bemängeln Cassels und bestätigen damit, dass wir mittendrin sind im Weltuntergang. +++ Zwar ist „Science-Fiction“, das fünfte Studioalbum von Brand New, bereits Mitte August erschienen, die CD- und Vinylversionen sind aber erst seit Ende Oktober erhältlich. Und bei der Cover-Fotografie des schwedischen Künstlers Thobias Fäldt lohnt sich der Griff zur Schallplatte ganz besonders. Darauf zu sehen: Zwei junge Damen, die aus einem Fenster auf die Straße springen. Ein längeres Anstarren des Bildes ist garantiert. Mindestens genauso lange beschäftigt die eigentliche Platte. Darauf enthalten sind zwölf Tracks, die viel können und damit die Wandelbarkeit ihrer Macher aufzeigen. Ob schwere Gitarren („Can’t Get It Out“), akustische Lagerfeuermucke („Could Never Be Heaven“) oder ein Jesse Lacey, der sich die Seele aus dem Leib schreit („Same Logic/Teeth“), auf „Science Fiction“ gleicht kein Stück dem anderen. Rockmusik, die Experimente macht, aber zum Glück nicht so klingt. +++ „Everybody wants to be famous“, prangert Ty Dolla $ign auf dem Opener von „Beach House 3“ die Einstellung der Generation Instagram an. Was danach folgt, sind in die Zeit passende und sauber produzierte HipHop- und R‘n‘B-Stücke, die so aufregend sind wie ein BWL-Studium. Ty hat die Mixtape-Trilogie würdig beendet, sich dabei aber keine Experimente erlaubt. Musik nach dem „What you see is what you get“-Prinzip.

 

Big Mouth

Die Pubertät ist eine schwierige Zeit: Die Hormone spielen verrückt, der Körper macht, was er will und die Sandkastenfreunde von früher werden plötzlich potenzielle Sexualpartner. Jahrzehnte später können die meisten über die ungewollten Erektionen im Freibad, das peinliche Gestammel gegenüber dem Schwarm und den unangenehmen ersten Kondomkauf nur lachen. Die Netflix-Zeichentrickserie Big Mouth lacht mit. Denn genau diese Zeit des Erwachsenwerdens macht sie zum Thema. Im Mittelpunkt stehen Nick, Andrew, Jessi, Jay, Missy und ihre Erfahrungen in der Reifezeit. Obwohl die Figuren minderjährig sind, richtet sich die Serie an ein älteres Publikum. Der Humor ist derbe, dabei aber nie billig. Durch das Einbinden der Eltern können die Zuschauer außerdem beobachten, was aus den Kindern später einmal werden könnte. Damit bietet Netflix eine weitere Zeichentrickserie, die die Möglichkeiten des Genres mit unverbrauchten Ideen nutzt. +++ Sich in Zeiten der „Fake News“-Beschuldigungen über die Wichtigkeit der Pressefreiheit Gedanken zu machen, ist unumgänglich. Die Netflix-Doku Nobody Speak: Die Fallstricke der Pressefreiheit macht genau das und geht noch einen Schritt weiter. Sie benennt Schuldige, die durch ihre Macht der freien Presse und damit der Demokratie schaden können. Der Film beginnt mit einer ausführlichen Darlegung des Falls Hulk Hogan gegen die Website Gawker, die ohne Einverständnis ein Sextape des Wrestling-Stars veröffentlicht hat. Doch nach der Hälfte bricht der Ton der Doku. Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel wird als Hogans Geldgeber im Hintergrund entlarvt. Seine Motivation, Journalisten in den Ruin zu treiben, weil ihm nicht passt, was und wie sie berichten, wird zum Thema. Daraufhin werden weitere Beispiele wie das Las Vegas Review Journal beleuchtet, das von Casino-Milliardär Sheldon Adelson gekauft wurde. „Nobody Speak“ ist eine bedrückende, aber auch einseitige Dokumentation, die eindeutig auf der Seite der Reporter steht. Trotzdem ist Brian Knappenbergers Film der perfekte Anlass, sich mit der Bedeutung der Pressefreiheit zu beschäftigen.

 

Destiny 2

Zwei Erwähnungen dürfen in keiner Review zum Run-and-Gun-Titel Cuphead fehlen. Erstens: Toll, dass das Videospiel sieben Jahre nach Entwicklungsbeginn doch noch erscheint. Zweitens: Die Dreißiger-Jahre-Comic-Grafik sieht fantastisch aus. Darüber hinaus gibt es aber noch viel mehr anzumerken: „Cuphead“ ist ein bockschweres Videospiel, das aus einer Ansammlung von Endgegnern besteht. Diese können über eine Oberwelt im „Commander Keen“-Stil angesteuert werden. Da StudioMDHR Entertainment Angst hatten, dass das zu wenig ist, haben sie während der Entwicklung einige Jump-and-Run-Levels hinzugefügt. Die Steuerung ist simpel und präzise, weshalb das Spiel trotz des hohen Schwierigkeitsgrads nicht frustriert. Kein Wunder, dass „Cuphead“ zwei Wochen nach Veröffentlichung mehr als eine Millionen Einheiten absetzen konnte. +++ „Destiny“ gehörte 2014 trotz mangelhaft präsentierter Story und enttäuschender Inhaltsfülle zu den besseren Spielen des Jahres. Das Gunplay war ein präziser Traum und die Grafik gehörte zum schicksten, was die neue Konsolengeneration zu leisten im Stande war. Drei Jahre später erscheint mit Destiny 2 ein Nachfolger, der die groben Fehler ausgemerzt und die funktionierenden Teile übernommen hat. Das bietet keine Überraschungen, aber ein Spiel, das sich in den Jahresbestenlisten wiederfinden wird. Die Geschichte rund um Ghaul und seine Rotlegion, die den Hütern ihre Macht entziehen und sie in die Flucht treiben, ist immer noch flach. Dafür wird die Story mit deutlich mehr Cut-Scenes präsentiert. Neue Planeten gibt es ebenfalls zu erkunden. Diese sehen außergewöhnlich aus, wirken teilweise wie die Welten, die sich viele Spieler in „No Man’s Sky“ gewünscht hätten. Die von uns getestete PS4-Version hatte bei so viel Grafikpomp mit entsprechend langen Ladezeiten zu kämpfen. Dennoch ist „Destiny 2“ ein gelungener Nachfolger, der fast alles besser macht.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




Facebook
Instagram
Twitter
YouTube